Standard & Poor's Brüderle wittert Rating-Verschwörung

Von Gabriele Steinhauser und Greg Keller
Die Börsen reagieren nervös, Merkel und Sarkozy aber bleiben gelassen: Die Ratingagentur Standard & Poor's hat angekündigt, die Kreditwürdigkeit von 15 Euroländern zu überprüfen - darunter auch Deutschland und Frankreich.

Standard & Poor's stellt den Großteil der Eurozone unter verschärfte Beobachtung. Die Ratingagentur kündigte am Montag eine Überprüfung der Kreditwürdigkeit von Deutschland und Frankreich sowie weiterer 13 Staaten der Währungsunion an. Als Grund nannte die Agentur die Verschärfung der Krise der europäischen Gemeinschaftswährung. Im Falle einer Neubewertung könnte den betroffenen Ländern damit eine Herabstufung drohen. Auch der Europäische Rettungsfonds könnte betroffen sein. Der Kreditausblick solle auf «negativ» gesetzt werden.

Berlin und Paris reagierten gelassen auf die Ankündigung. Man nehme die Ankündigung zur Kenntnis, erklärten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy: «Was eine Ratingagentur macht, das ist in der Verantwortung der Ratingagentur. Wir werden am Donnerstag und Freitag die Entscheidungen treffen, die wir für die Euro-Zone für wichtig, für unabdingbar halten und damit einen Beitrag zur Stabilisierung der Euro-Zone leisten», sagte Kanzlerin Angela Merkel.

Staatsschulden
Wenn das D droht...

Weniger gelassen reagierte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle: «Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien. Aber manchmal fällt es schwer, den Eindruck zu widerlegen, dass einige amerikanische Ratingagenturen und Fondsmanager gegen die Euro-Zone arbeiten», sagte Brüderle dem Handelsblatt. Und SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles betonte: «Ich empfinde das mittlerweile wirklich als Unverschämtheit.»

Euro bleibt stabil, asiatische Börsen reagieren nervös

Der Eurokurs zeigt sich heute relativ unbeeindruckt von der Prognose. Die Gemeinschaftswährung reagierte vergleichsweise robust und drehte gegen Mittag sogar wieder leicht ins Plus. Zuletzt wurde der Euro bei 1,3404 US-Dollar gehandelt. Nervös reagierten hingegen die asiatischen Börsen. Der japanische Leitindex Nikkei verlor ein Prozent auf 8608,10 Punkte. Der südkoreanische Kospi ging um 1,1 Prozent auf 1901,34 Zähler zurück und der Hang-Seng-Index in Hongkong gab um 1,6 Prozent auf 18.884,05 Punkte nach. Der australische Leitindex S&P/ASX 200 sank um ein Prozent auf 4280,10 Zähler. Auch an den Börsen in Singapur, Taiwan und Neuseeland zeichneten sich Kursverluste ab.

Rating-Agenturen
Leckt uns doch am AAA
Video: mik/news.de

Dass auch die bisher mit der Bestnote «AAA» bewerteten Länder wie Deutschland und Luxemburg eine Herabstufung fürchten müssen, setzt die europäischen Regierungen in der Schuldenkrise zusätzlich unter Druck. Die systemischen Belastungen der Eurostaaten hätten in den vergangenen Wochen ein Ausmaß erreicht, das erheblichen Druck auf die Bonität der Eurozone als Ganze ausübe, erklärte Standard & Poor's.

Die einzigen Euro-Staaten, die am Montag nicht unter Beobachtung gestellt wurden, sind Zypern und Griechenland. Die Kreditwürdigkeit Zyperns wird bereits überprüft und die Bonität Griechenlands ist aktuell die schlechteste aller Staaten der Welt.

Zuvor hatten Merkel und Sarkozy ihre Pläne für eine Stärkung der Währungsunion vorgestellt. Sie umfassen automatische Strafen für Defizitsünder, die Schonung von Banken und das vorgezogene Aufspannen des dauerhaften Rettungsschirms ESM. Für ihren Pakt, der Vertragsänderungen erfordert, wollen beide auf dem EU-Gipfel am Ende der Woche das grüne Licht zumindest aller 17 Eurostaaten erhalten. Der Plan werde sicherstellen, dass sich «so etwas wie jetzt nie wiederholt», sagte Sarkozy mit Bezug auf die gegenwärtige Schuldenkrise.

Die Ratifizierung neuer Verträge würde nach Einschätzung des Verfassungsrechtlers Piotr Maciej Kaczynski vom Center for European Policy Studies in Brüssel mindestens 18 Monate dauern. «Das ist viel länger, als die Märkte zu warten bereit sind», sagte Kaczynski.

«Schlechte Nachrichten für Zukunft des Euro»

Beobachter gingen davon aus, dass in einer enger vernetzten Union größere finanzielle Belastungen auf die wirtschaftsstarken Staaten Europas zukommen würden. Standard & Poor's zeigte sich zudem skeptisch, ob die Eurostaaten sich tatsächlich auf weitere Maßnahmen zur Beilegung der Schuldenkrise einigen können. Die Ratingagentur registrierte «anhaltende Meinungsverschiedenheiten unter europäischen Politikern, wie der Krise begegnet werden soll».

Außerdem bestehe keine Einigkeit darüber, «wie langfristig mehr ökonomische, finanzielle und steuerliche Konvergenz unter den Mitgliedern der Eurozone hergestellt werden kann», hieß es in der Beurteilung von Standard & Poor's. Als weiteren Grund für die Überprüfung der Bonität der Eurostaaten nannte Standard & Poor's ein erhöhtes Rezessionsrisiko.

Rating Agenturen
Die Bewerter der Welt

Analysten bemängelten zudem, dass noch immer keine Pläne vorlägen, wie weiteres Wirtschaftswachstum in der Eurozone generiert werden könne und auf welche Art und Weise die öffentlichen Ausgaben auf lange Sicht reduziert werden sollen. «Wenn das alles ist, sind das wirklich schlechte Nachrichten für die Zukunft des Euros», sagte der Chefökonom des Londoner Forschungsinstituts Centre for European Reform, Simon Tilford, zu den Plänen von Merkel und Sarkozy.

beu/eia/news.de/dapd

Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • PeterPan
  • Kommentar 7
  • 07.12.2011 02:45
Antwort auf Kommentar 5

@Holz und loddel: Echt Klasse! Was für tolle Kommentare! Man könnte denken, wir sind hier im Kindergarten. ... und Hartmut: Lerne mal richtig schreiben ... Tschüß Euer Peter!

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  • Sozialstaaten schuld
  • Kommentar 6
  • 06.12.2011 18:41

Schuld sind die übertriebenen Sozialleistungen aller Staaten der EU. Jeder Ausländer, der noch keinen Cent eingezahlt hat, wird mit Hartz-IV, KIndergeld, kostenlosen Sprachkursen und Sonderrechten überschüttet. Ausländer, die uns Geld kosten, Kriminelle und Scheinasylanten hochkant rausschmeißen. Vorbild Niederlande: Demonstranten die Sozialleistungen streichen. Kosten für die Sicherung der Castor-Transporte den links-grünen Spinnern aufbürden. Kein Kindergeld für Schulschwänzer, kein Hartz-IV für Schulabbrecher, kein Geld mehr für die Totgeburt Euro und keine Zahlungen mehr an die EU.

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  • Hartmut Holz
  • Kommentar 5
  • 06.12.2011 17:28
Antwort auf Kommentar 4

Das meine ich auch. Denn gerade unsere Deutschen werden, in Sachen Eruopa Politik, so langsam größenwahnsinnig. So nachdem Motto von Angelika Merkel: "Ich bin Europa - Europa bin ich". Und alle anderen europäischen Länder, wie Italien oder Griechenland haben auf mich zu hören. Tuen sie dieses nicht, dann werden sie abgestraft. Stoppt das Diktatoren Duo Merkel/Sarkozy.

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