Neue Ära Wie sich Apple ohne Steve Jobs behaupten will

Nach dem Tod von Steve Jobs muss Apple sich am Markt neu behaupten.  (Foto)
Nach dem Tod von Steve Jobs muss Apple sich am Markt neu behaupten. Bild: dpa

Steve Jobs hat Apple zu beispiellosen Erfolg geführt. Nach seinem Tod müssen seine Mitstreiter beweisen, dass sie ohne ihn klarkommen. Zum Erbe gehören nicht nur Milliarden auf der Bank und ein boomendes Geschäft, sondern auch ein gnadenloser Patentkrieg.

Apple wurde 2011 so stark wie noch nie - und erlitt zugleich seinen größten Verlust. Der Tod von Steve Jobs nahm dem iPhone-Hersteller nicht nur seinen langjährigen Chef und Gründer, sondern auch einen Technik-Visionär und kompromisslosen Perfektionisten. Die Apple-Maschine läuft auf Hochtouren, die Nachfolger von Jobs am Konzern-Ruder müssen jetzt aber zeigen, dass sie die Erfolgsgeschichte fortschreiben können.

Kann man einen Steve Jobs überhaupt ersetzen? Ein Mann schaffe es definitiv nicht, zeigt sich sein Biograf Walter Isaacson überzeugt. «Aber zwei können es», meinte er in der New York Times jünst mit Blick auf die heutige Apple-Spitze. Der neue Konzernchef Tim Cook stehe für die «Business-Seite von Steves Gehirn». Designchef Jony Ive hingegen verkörpere die künstlerische, emotionale, romantische Hälfte von Jobs. Bleibt die Frage, wie harmonisch die beiden wichtigsten Vertrauten des Apple-Chefs ohne ihn zusammenarbeiten können.

Smart TV
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Jedenfalls bekommen sie ein Erbe, das sich sehen lassen kann. Das iPhone macht Apple zum mit Abstand profitabelsten Smartphone-Anbieter. Bei Tablet-Computern dominiert das iPad auch knapp zwei Jahre nach dem Marktstart klar. Das MacBook Air gibt die Mode für Notebooks vor und die Verkäufe von Apple-Computern steigen, während die PC-Branche mit schwacher Nachfrage kämpft. Die Firma, die Jobs 1997 kurz vor der drohenden Pleite in die Hand nahm, sitzt inzwischen auf einem sagenhaften Geldberg von rund 80 Milliarden Dollar und liefert sich mit dem Mineralöl-Multi ExxonMobil einen Wettstreit um den Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt.

Platzt die Apple-Blase?

Die Analysten der Finanzmärkte sind sich uneins, wie es mit dem Kurs der Apple-Aktie weitergehen wird. Mitte Oktober lag das Papier auf seinem Allzeit-Hoch von 426 Dollar, musste inzwischen aber auf 382 Dollar nachgeben. Leonid Kanopka von Seeking Alpha erwartet «ein Platzen der Apple-Blase». Die Aktie werde bald unter die 100-Dollar-Marke fallen. Andy Zaky von Bullish Cross hingegen schätzt Apple als die «am meisten unterbewertete Aktie» eines Börsen-Schwergewichts in den USA ein.

Welche Prognose zutreffen wird, hängt vor allem von den kommenden Produkt-Vorstellungen ab. Wenn die Gerüchte stimmen, packt Apple demnächst auch hier die nächste Herausforderung an, das Fernsehgeschäft. Diesen Markt wollte Steve Jobs unbedingt noch umkrempeln, hat es aber vor seinem Tod nicht mehr geschafft. Angeblich könnte es schon zum kommenden Sommer soweit sein, verkündete kürzlich ein Branchenanalyst nach Gesprächen mit japanischen Zulieferern.

Den Einstieg in den TV-Markt mit dem erwarteten Triumph zu krönen, ist eine Herausforderung, die eines Steve Jobs würdig gewesen wäre. Die Preise für Fernsehgeräte fallen, etablierte Hersteller schreiben reihum Verluste, gerade in den traditionellen Apple-Hochburgen USA und Westeuropa ist der Markt weitgehend gesättigt. Und in diese verzwickte Gemengelage würde Apple ganz sicher nicht mit einem Billiggerät vorpreschen.

Erbitterter Patentkrieg

Der erwartete Vorstoß in die Fernsehwelt ist nicht der einzige Brocken, den Jobs seinen Nachfolgern hinterlassen hat. Zu seinem Erbe gehört auch ein erbitterter Patentkrieg gegen das Betriebssystem Android von Google, das Jobs als «geklaute Software» gnadenlos bekämpfen wollte.

Im vergangenen Jahr trat Apple den Konflikt los. Auf Klagen gegen Android-Hersteller wie Samsung oder HTC folgten Gegenklagen in aller Welt. Jetzt schlagen die ersten Urteile ein, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Es ist eine teure, kaum noch überschaubare juristische Rauferei. Der Hauptgewinn, der Apple am Ende lockt: Geräten wie iPhone und iPad einzigartige Merkmale zu geben, an die sich kein Konkurrent wagt. Der Weg dorthin scheint noch sehr weit.

2012 steht eine entscheidende Schlacht bevor: Der Prozess mit Samsung in Kalifornien. Die Südkoreaner - nebenbei auch noch wichtigster Apple-Zulieferer - haben sich mit ihrer Galaxy-Reihe zum schärfsten Rivalen der iPhones und iPads entwickelt. Angesichts der frostigen Stimmung setzt Apple laut Medienberichten inzwischen auf den japanischen Sharp-Konzern als neuen Display-Lieferanten. Und weil Apple ungern in kleinen Dimensionen denkt, soll man sich gleich eine komplette Produktionslinie gesichert haben.

Die Weichen für die nächste Zeit sind bei Apple schon längst gestellt, darin sind sich die Branchenbeobachter einig. Spannend wird es in ein paar Jahren, wenn auf Ideen aus der Jobs-Ära neue Kreationen folgen müssen. Dabei lautete der zentrale Rat des Gründer für die Zeit danach laut Cook: «Wir sollen uns nie die Frage stellen, was würde würde Steve tun?»

san/iwi/news.de/dpa

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