Eurokrise Gegen Eurobonds, für den Euro

Der Weg aus der europäischen Finanzkrise - er muss kurz und dennoch zielführend sein. Die EU-Kommission will die sofortige Einführung von Eurobonds, Deutschland hält dagegen und tut gut daran. Findet sich keine Lösung, ist es das Ende des Euro.

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news.de-Redakteur Oliver Roscher Bild: news.de

Die englische Presse umschreibt gewohnt populistisch das politische Handeln Deutschlands: «Deutschland befindet sich im Krieg mit Europa», heißt es in der Times. Tatsächlich findet auf dem finanzpolitischen Parkett eine Art Entscheidungsschlacht statt: Deutschland gegen die EU-Kommission. Deren Präsident José Manuel Barroso will mit Hilfe kurzfristig eingeführter Eurobonds die Finanzlage entspannen, Kanzlerin Angela Merkel bleibt bei ihrem kategorischen Nein.

Der Grund: Eurobonds verteilen die Schulden einzelner Staaten auf den Schultern aller. Das wäre faktisch eine Haftungsgemeinschaft. Deutschland müsste demnach für die finanziellen Misswirtschaften beispielsweise Griechenlands und Italiens zahlen. Das hat es aber auch schon vorher mittels der Rettungspakete getan.

Tief in den Miesen: Die größten Schuldenstaaten der Welt

Der Kritikpunkt bei der schnellen Einführung der Eurobonds: Die Schuldenverteilung würde beschlossen, ohne die zukünftige Euro-Finanzpolitik ein für allemal unter den Eurostaaten gemeinsam abzustimmen. Niemand könnte garantieren, dass die Krisenstaaten danach nicht weiter misswirtschaften wie bisher. Tatsächlich würde notwendigen Sparmaßnahmen in Griechenland und Italien ein großer Anreiz genommen. Außerdem fürchtet Merkel einen Anstieg der Inflation.

Eurozone muss Finanzpolitk zentralisieren

Vor der Haftungsgemeinschaft muss deshalb die institutionelle Reform stehen. Ohne diese Reform dürfen die Schulden nicht auf allen Staaten verteilt werden. Eine Art Euro-Regierung müsste gebildet werden, die die Finanzpolitik flächendeckend abstimmt. Davon ist die Eurozone aber weit entfernt.

Die Befürworter der Eurobonds untermauern ihre Forderung nach einer Solidargemeinschaft. Allerdings haben sich gerade die Länder, die nun der Solidarität bedürfen, durch gefälschte Bilanzen überhaupt erst den Weg in die Euro-Zone erschlichen. Warum also soll Deutschland erst Unmengen von Geld für Krisenländer in Rettungspakete stecken, anschließend für deren weitere Misswirtschaft haften und als Sahnehäubchen in wenigen Monaten wieder milliardenschwere Rettungspakete schnüren? Dem deutschen Steuerzahler wäre die Logik dieser Handlungen nicht erklärbar.

Merkel riskiert das endgültige Auseinanderbrechen der Eurostaaten, weil sie weiß: Eurobonds unter den jetzigen Bedingungen - es wäre ebenfalls das Ende des Euro in seiner aktuellen Form zugunsten einer kurzfristigen Entspannung. Das kategorische Nein der Kanzlerin führt aber im besten Falle zu notwendigen Reformen innerhalb der Eurozone und zur nachhaltigen Rettung des Euro. Sie handelt gegen die Eurostaaten und für den Euro. Deutschlands Sonderweg - in diesem Falle der richtige.

mik/cvd/news.de

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Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • jotis
  • Kommentar 4
  • 30.01.2012 16:56

Sogar die Herren Redakteure sind unter die bräunlichen, konservativen Vermögensanhäufer dieses völkerrechtswidrigen Staates gegangen, bemerkenswert. Diese Vermögensanhäufer müssen sich entscheiden: DDR einkreisen und europäische Führungsmacht mit dem dazugehörigen Risiko oder weiterhin im Windschatten der USA mit ca 80% des relativen US-Gewinns mit so gut wie keinem Risiko. Da sie sich ohne Umschweife für das Einkreisen entschieden haben, sind auch die Würfel zur Rolle in Europa gefallen. Und ob nun gleich angefangen worden wäre die europäische Wirtschaft zu stärken oder erst jetzt ist egal.

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  • jotis
  • Kommentar 3
  • 30.01.2012 16:45
Antwort auf Kommentar 2

... und schon läuft die Geldentwertung.

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  • Bundeskanzler der Nichtwähler
  • Kommentar 2
  • 27.11.2011 14:43

Vielleicht ist Merkels Sturheit, das erste mal wirklich richtig am Platz,,, ich wüsste wirklich nicht warum die Deutschen, nach mehr als 20 Jahren Lohnverzicht, Lohnzurückhaltung, keine Zeit für Familie, keine Zeit für Kinder machen, unbezahlte Überstunden, die höchsten Abgaben und Preise, bei Strom, Heizung, Benzin, teuren Parteien, und Politikern die sich ständige Lohnerhöhungen genehmigen plus Zuverdienst, auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten, noch Bunga Bunga Party für andere zahlen sollten ??? Lieber Deutscher sei Dir endlich mindest 25 Euro/h wert,auch Du liebe Putzfrau.

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