Griechenland Rösler fordert deutsche Investitionen

Rösler sagt Athen Aufbauhilfen zu (Foto)
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und der griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou. Bild: dpa

Von Tim Braune
Deutschland will die Griechen nicht hängen lassen: Experten sollen Athen beim Wiederaufstieg helfen, auch die deutsche Wirtschaft soll investieren. Minister Rösler bewertet seinen heutigen Athen-Besuch als Erfolg. Größere Verträge gab es jedoch nicht.

Die Bundesregierung hat Hilfen für eine wirtschaftliche Wiederbelebung des Euro-Pleitekandidaten zugesagt. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler unterzeichnete dazu in Athen eine Erklärung mit seinem griechischen Amtskollegen Michalis Chrysochoidis.

So sollen Experten von Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur für mehr Wettbewerb bei Energie und Telekom sorgen. Deutsche Solarfirmen prüfen Investitionen in griechischen Sonnenstrom. Eon Ruhrgas bewirbt sich mit Partnern darum, für 1,5 Milliarden Euro eine Pipeline durch Griechenland zu bauen, um Gas aus Aserbaidschan nach Europa zu bringen. Ob das Projekt realisiert wird, das den Griechen außer Transitgebühren dauerhaft wenig einbrächte, ist aber völlig offen.

Ministerpräsident Giorgos Papandreou signalisierte dem deutschen Vizekanzler, Griechenland könnte nicht bezahlte Rechnungen bei deutschen Firmen in dreistelliger Millionenhöhe begleichen. Dies wäre ein wichtiges Signal an ausländische Investoren, hieß es. «Wir sind der griechische Seite sehr dankbar, dass sie uns bei der Lösung dieser Probleme umfangreich helfen will», meinte Rösler.

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Alle Zeichen auf drastische Umschuldung

Der FDP-Chef hatte mit Papandreou und Finanzminister Evangelos Venizelos über das stockende Sparprogramm der Regierung beraten. Venizelos betonte, Athen werde liefern: «Die Hilfen werden bis zum letzten Euro zurückgezahlt.» Röslers wiederholte Warnung vor einer möglichen Staatspleite Griechenlands spielte nach offizieller Darstellung keine Rolle in den Gesprächen.

Rösler betonte, die Griechen blieben in der Euro-Gruppe. «Wir müssen alles dafür tun, alle Staaten in der Euro-Zone zu halten.» Europa müsse gemeinsam die Angriffe gegen den Euro abwehren.

Es mehren sich aber Anzeichen, dass es bis Jahresende zu einer drastischen Umschuldung Griechenlands kommen könnte. Um eine von Abschreibungen ausgelöste Schockwelle für Europas Banken abzuschwächen, wird bereits kurzfristig mit neuen Milliarden-Bankenrettungspaketen gerechnet.

Nach Einschätzung des Chefs des Bonner Solarmodul-Herstellers Solarworld, Frank Asbeck, können die Griechen in der Photovoltaik bis 2020 einen neuen Wachstumsmarkt erschließen: «Das sind keine Fantasien», sagte Asbeck am Rande des Rösler-Besuchs. Er forderte Athen auf, durch die Freigabe von Flächen für Solaranlagen - etwa ausgeschöpfte Braunkohlegebiete - Investoren zu unterstützen. Bei passenden Rahmenbedingungen könne sich Solarworld vorstellen, vor Ort eine Produktion von Solarmodulen aufzubauen.

Problematisch ist die Finanzierung von Industrieprojekten, weil der griechische Bankenmarkt praktisch tot ist. Die deutsche staatliche Förderbank KfW bietet hier günstige Finanzierungsangebote für deutsche Mittelständler an. «Die Frage ist, wie kann man die Strukturfondsmittel der EU, die für Griechenland bereitliegen in Höhe von 13 Milliarden Euro, möglichst schnell für die griechische Wirtschaft mobilisieren», sagte KfW-Chef Ulrich Schröder der dpa. Er berät Athen auch beim Aufbau einer Förderbank nach KfW-Vorbild.

sua/cvd/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • hoerbell
  • Kommentar 2
  • 13.02.2012 21:01

Man darf daran erinnern wie viele solide westdeutsche Firmen sich die Finger verbrannt haben als sie nach der Wiedervereinigung in Firmen der bankrotten DDR investierten. Ähnlichkeiten sind gegeben. Jahrzehntelange soziale Hängematte, aufgeblähter Beamtenstaat, mangelnde Fachkräfte etc. Daß eine Fa wie Solarworld für eine Beteiligung interessiert verwundert nicht. Sie haben immerhin ihre Aktien von 45€ in 5 Jahren auf 4,5€ heruntergewirtschaftet.

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  • Kommentator
  • Kommentar 1
  • 07.10.2011 17:50

Rösler ist doch nur ein unreifer Schwätzer, heute so morgen so... Mit dem hat sich die FDP das grösste Ei gelegt seit es FDP gibt.

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