Dönermesse in Berlin Ein Tag im Himmel

Von news.de-Volontär Ronny Janke, Berlin
Kann denn Döner Sünde sein? Vielleicht, aber immerhin eine der schönsten, die man sich vorstellen kann. Auf einer Messe in Berlin können die Menschen sehen, wie Döner hergestellt werden und vor allem: ordentlich reinhauen! News.de hat sich für Sie umgesehen - und gekostet.

In Seattle steht seit kurzem eine Dönerbude. Für die amerikanische Nation, die eigentlich Fast Food gewohnt ist, war dieses Stück knusprige Brottasche, in der Gemüse, Fleisch und scharfe Soßen eine verhängnisvoll leckere Symbiose eingehen, anfangs mehr als ein Novum. Deshalb nämlich, weil der Laden, in dem der Döner verkauft wird, «The Berliner» heißt. Und allen Dingen, die aus Deutschland kommen, stehen die Amerikaner zunächst skeptisch gegenüber. In Berlin hingegen gibt es mindestens genauso viele Dönerbuden wie Ableger amerikanischer Fast-Food-Ketten. Vermutlich sogar deutlich mehr. Grund genug, in Berlin die erste Döner-Messe der Welt abzuhalten.

Auch wenn das Motto der Messe («Irgendwann wird der Döner die Menschen ersetzen») zunächst den Eindruck erweckt, als würden tausende Döner-Anhänger sich treffen, um ihrer Lieblingsspeise zu huldigen und dem aktuellen Deutschlandbesuch des Papstes Konkurrenz zu machen, ist die im alten Berliner Postbahnhof abgehaltene Veranstaltung vor allem ein Branchentreffen. Eines, das zwei Tage lang dauert und das Who-Is-Who der Dönerindustrie an einem Ort vereint.

Berlin ist Schuld!

Am ersten Tag treffen sich auf der Döga, wie die Messe heißt, Produktionsbetriebe, Dienstleister und potenzielle Dönerbudenbetreiber - auf dass der Dönermarkt in Deutschland weiter wachse. Der zweite Tag steht vor allem im Zeichen der Kunden, die unter anderem bei einem Döner-Wettessen zeigen können, wie viel sie vertragen von der anderen Art Fast-Food, das offenbar so gesund ist, dass sogar ein Stand einer Krankenkasse inmitten all der üblichen Technik-, Bekleidungs- und Fahrzeugstände zu finden ist. «Wir haben den Deutschen viel zu verdanken», sagt der Messe-Veranstalter Gürsel Ülber und erklärt: «Zwar ist der Döner in Europa etwa 200 Jahre alt, aber erst in Berlin richtig bekannt geworden.»

Im alten Berliner Postbahnhof wirtschaftet es derweil weiter: Über zwei Etagen erstreckt sich die Döner-Messe, die auch deshalb besonderer nicht sein könnte, weil ähnliche Speisen wie Thüringer Rostbratwürste, Kartoffelsalat und Co. einer solchen Ehre noch nicht zuteil geworden sind. Das liegt freilich daran, dass es sich dabei oft um regionale Produkte handelt. Solche also, die entweder im Norden, Süden, Osten oder Westen bekannt und beliebt sind, selten aber über die jeweilige Himmelsrichtung auf großes Interesse stoßen. Nur der Döner, der geht eben überall. Das zeigen auch die Umsätze, die die Industrie mit dem belegten Fladenbrot Jahr für Jahr erwirtschaftet.

Döner macht auch die Wirtschaft schöner

Mit den etwa 40 Betrieben, die in Deutschland das Dönerfleisch und die berühmten Taschenbrote herstellen, werden jährlich allein hierzulande 150 Millionen Euro erwirtschaftet und mehr als 1000 Arbeitsplätze gesichert. Damit ist die Bundesrepublik größter Absatzmarkt des Döners. In ganz Europa wird sogar ein Jahresumsatz von über 3,5 Milliarden Euro ausgewiesen. Auf der Messe sollen nun alle am Endprodukt beteiligten Verantwortlichen erstmals zusammenkommen. Neue Kontakte werden geknüpft, neue Kühl- und Schneidemaschinen werden vorgestellt, genauso wie ganze Fahrzeuge, die als fahrbare Dönerbude einsetzbar sind. Im Mittelpunkt der Messe steht aber jemand anderes: «Die Menschen sollen sehen, wie der Döner hergestellt wird und vor allem die heranwachsende Generation soll den Döner kennen- und lieben lernen», sagt Ülber.

Doch bevor es ans Essen geht, gibt es im Erdgeschoss zahlreiche Messestände zu entdecken: Daimler präsentiert das Döner-Mobil, riesige metallene Kühltruhen zeigen die zukünftige Eleganz im Dönerladen um die Ecke und riesige Metallungetüme stehen zur Vorführung bereit, die die Fleischsorten zu einer Masse vermengen und am fertigen Spieß ausspucken. Auch kleinere Stände, an denen zahlreiche Gewürzmischungen, digitale Waagen und verschiedene Kassensysteme für den modernen Dönermann von morgen werden präsentiert. Das alles ist eine andere Welt, aber eben eine, deren Wirtschaft floriert wie vielleicht derzeit keine zweite.

Mustafa zaubert den Döner und die Kunden lassen ihn verschwinden

Erst die Etage darüber hält dann bereit, was die eingefleischten Dönerfans erwarten: zahlreiche Stände, an denen probiert werden kann, wie ein Orientdöner oder ein vegetarischer Döner schmecken. «Vegetarischer Döner?», werden Sie sich jetzt fragen. Zugegeben, das was Mustafa da von seinem Drehspieß schneidet, ist kein gewöhnliches Fleisch. Immer wieder leuchtet es rot und grün auf, während er die obere und frisch angebratene Schicht abschneidet. In dem Spieß ist Gemüse gleich mit verarbeitet und trotzdem tobt er sich beim Belegen des Dönerbrötchens aus.

Wie ein Dirigent, der die verschiedenen Instrumentengruppen zu einem einzigen Wohlklang formt, hebt Mustafa extra fritiertes Gemüse unter das schon vorhandene Fleischgemüse-Gemisch, bestreicht die Innenseiten der Teigtasche mit drei verschiedenen Soßen, schichtet virtuos knackiges Gemüse, Fleisch und fritiertes Grünzeug darin an- und übereinander, drückt Schafskäse darauf, wirbelt mit Daumen und Zeigefinger Gewürze darüber, als würde er leise einen Zauberspruch vor sich hermurmeln, und drückt eine halbe Zitrone über dem fast fertigen Döner aus. Wer das Ergebnis von Mustafas Zubereitungsorgie in den Händen hält, möchte es fast glauben: Döner macht schöner.

Übrigens: Eine der zahlreichen Kundinnen, die in Seattle mittlerweile fast jede ihrer Mittagspausen in «The Berliner» verbringt, ist immer noch erstaunt darüber, dass es so etwas wie den Döner überhaupt in Deutschland gibt: «Und das habt ihr an jeder Ecke?», fragt sie ungläubig. «Mann, müsst ihr ein glückliches Volk sein.»

Dönermesse
Einmal Dönertier mit Gemüse, bitte!

zij/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Doc Love
  • Kommentar 3
  • 25.09.2011 16:19
Antwort auf Kommentar 1

Hühner haben kaum einen Zentimeter Auslauf. Ich bin auch nicht sicher, ob ein Döner aus reinem Rind-, Kalb- oder Hähnchenfleisch besteht! Mein letzter Döner in Berlin hat jedenfalls geschmeckt! Ich wünsche einen Guten Appetit!!

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  • Doc Love
  • Kommentar 2
  • 25.09.2011 16:10
Antwort auf Kommentar 1

Eigentlich wollte ich nichts mehr zum Schächten sagen. Zum letzten Mal: Beim Schächten leidet kein Tier! Beim "normalen" Schlachten leiden die Viecher oft viel mehr. Ich habe in meiner Kindheit sehr oft zugesehen. Da ist es auch schon mal vorgekommen, dass ein Schwein nicht beim ersten Schuss richtig getroffen wurde, also nur verwundet wurde und und minutenlang schwer verletzt weitergelebt hat. Und wie werden Tiere zum Schlachten (Schweine, Hühner, etc.) in Deutschland gehalten? Schweine und auch Rinder werden z. B. mit Beruhigungsmitteln und Antibiotika vollgepumpt.

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  • TakeIt
  • Kommentar 1
  • 25.09.2011 12:29

Na ja... Wer weiß dass zu den Grundzutaten Fleisch von geschächteten Tieren gehört, wird sich das wohl zwei mal überlegen. Insbesondere wenn man schon mal beim Schächten zugesehen hat...

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