Deutsche Bahn Zugverspätungen sind kein Geheimnis mehr

Jeder fünfte Fernzug kommt zu spät (Foto)
Die Bahn veröffentlicht im Internet monatlich eine Pünktlichkeit-Statistik. Bild: dpa

Von Bernd Röder
Jahrelang sträubte sich die Bahn, die Verspätungen ihrer Züge öffentlich zu machen. Jetzt ist es so weit - die Bilanz steht monatlich im Internet. Die Zahlen lenken den Blick auf die Ursachen der Unpünktlichkeit.

Die Statistiken zu den Zugverspätungen gehörten bisher zu den am besten gehüteten Geheimnissen der Deutschen Bahn. Seit Jahren kritisieren Verbraucherschützer, Verkehrsexperten und auch Politiker, dass ausgerechnet ein Unternehmen im Staatsbesitz so verfährt. «Wir sind froh, dass wir es jetzt gemacht haben», sagte Bahn-Vorstandsmitglied Ulrich Homburg am Dienstag, ohne erklären zu können, warum es seine Vorgänger nicht getan haben.

Die Bahn will jedenfalls «mehr Transparenz zeigen» und veröffentlicht nun monatlich die bundesweiten Pünktlichkeitswerte, getrennt nach Fern- und Regionalverkehr. Die Internetseite www.bahn.de/puenktlichkeit ist seit Dienstag, 12.30 Uhr, freigeschaltet.

Sachsen
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Von Jahresanfang bis Ende August lag die Pünktlichkeitsquote der ICE und Intercitys bei 80,4 Prozent. Die Regionalzüge erreichten imDurchschnitt 93,5 Prozent. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagt, die Bahn selbst habe «ein Interesse daran, die eigene Pünktlichkeit zu verbessern und sich daran messen zu lassen».

Verkehrsminister Ramsauer lobt Transparenz

Für die Statistik messen Sensoren jede Zugankunft in jedem Haltebahnhof automatisch. Die tatsächliche Ankunftszeit wird mit dem Fahrplan abgeglichen. Jeder Zug, der bis zu 5:59 Minuten zu spät einrollt, gilt noch als pünktlich. Ab 6:00 Minuten wird er als verspätet verbucht - an jeder Station. So werden die monatlich rund 800.000 Zugfahrten der Bahn erfasst, 20.000 davon im Fernverkehr.

Wie Ramsauer finden auch die Verkehrsverbände die neue Offenheit gut. Sie fordern aber, mehr gegen die Ursachen von Verspätungen zu tun. Gerade die 80-Prozent-Quote im Fernverkehr sei nicht befriedigend. Noch vor zehn Jahren habe die Pünktlichkeit der Fernzüge bei über 90 Prozent gelegen, sagte der Vorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Karl-Peter Naumann.

Seitdem sei zu wenig investiert worden in die stark belasteten Knotenpunkten des Schienennetzes und den inzwischen überalterten Fahrzeugpark, klagte Naumann. Um zu sparen, habe die Bahn sogar Weichen und Überholgleise abgebaut. «Das rächt sich jetzt», sagte er. Immerhin habe Bahnchef Rüdiger Grube inzwischen umgeschwenkt und konzentriere sich auf das von ihm gern so bezeichnete «Brot- und Buttergeschäft».

Die Bahn nennt die Ursachen für Verspätungen

Auch Bahn-Manager Homburg nennt die hochbelasteten Knotenpunkte etwa in Köln, Hamburg und Frankfurt als wichtige Ursache für Verspätungen. Dagegen helfe nur ein Ausbau des Netzes. Andere Gründe seien die gestiegene Zahl an Suiziden auf dem Gleis, Kabelklau an der Strecke oder Unwetter.

Beim Thema Verspätungen gibt es für die Bahn aber auch Grenzen der Transparenz. Wie viel Entschädigung sie nach den gesetzlichen Vorschriften in den vergangenen Monaten für verspätete Züge an ihre Kunden zahlen musste, wollte Homburg nicht verraten. Und auch Vergleichswerte zur Pünktlichkeit in den Vorjahren rückte er nicht heraus. «Wir sind in diesem Jahr besser als 2010 und etwas schlechter als 2009» - mehr Informationen gab es dazu nicht.

Erfahren Sie hier die Hintergründe zu dem Bahnunglück von Bad Lausick.

cvd/news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Nina
  • Kommentar 1
  • 23.09.2011 11:05

Es ist einfach scheiße wenn der Zug täglich morgens in tarp um 8:00 uhr verspätung hat und er dann erst um 8:10 uhr kommt wenn ich zur schule soll und dadurch 40 min später zur Schule komme geht gar nicht.

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