Radikaler Umbau HP-Aktie verliert 20 Prozent

HP-Aktie im freien Fall: Zweifel an Umbauplänen (Foto)
Für das PC-Geschäft werden bei HP alle Optionen geprüft, hieß es.  Bild: dpa

Von Jordan Robertson
Die Nachricht des radikalen Umbaus kam an der Börse nicht gut an: Die HP-Aktie stürzte in den Keller. Das Unternehmen hatte kurz zuvor bekanntgegeben, sämtliche Smartphone- und PC-Aktivitäten einzustellen. Offenbar war die Konkurrenz von Herstellern wie Apple zu groß. HP will sich nun weiter auf seine Geschäftskunden konzentrieren.

Kurz nach Bekanntwerden des radikalen Umbaus bei Hewlett-Packard (HP) ist die Aktie des amerikanischen IT-Konzerns an der Wall Street drastisch eingebrochen. Im vormittäglichen New Yorker Handel notierte das Papier am Freitag bei 23,42 Dollar und damit um mehr als 20 Prozent unter dem Schlusskurs des Vortages. Kurz nach Handelsbeginn waren HP-Papiere sogar bis auf einen neuen Jahrestiefststand von 22,75 Dollar durchgesackt.

Die Investoren straften mit ihrer Reaktion offenbar die Entscheidung ab, sämtliche Aktivitäten im Smartphone- und Tablet-PC-Markt einzustellen und sich künftig voll auf Dienstleistungen für Unternehmen und Behörden zu konzentrieren. Zugleich stellte HP auch das PC-Geschäft zur Disposition. Damit vollzieht der weltgrößte Computer-Hersteller einen Schritt, den der Rivale IBM bereits vor sechs Jahren machte.

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Der vom deutschen Vorstandsvorsitzenden Leo Apotheker forcierte Umbau umfasst drei Schritte: HP stellt bis Oktober die Produktion von Tablet-Computern und Smartphones ein. Außerdem soll die PC-Sparte verkauft werden. Bis Ende des Jahres könnten HP-Computer unter dem Namen einer anderen Firma verkauft werden. Schließlich will der Konzern den britischen Softwarehersteller Autonomy, der sich auf Unternehmenskunden spezialisiert hat, für rund zehn Milliarden Dollar (sieben Milliarden Euro) übernehmen.

Gerüchte über eine Auslagerung des PC-Geschäfts hatte es bereits seit Monaten gegeben. Es ist zwar für den Großteil des Umsatzes von Hewlett-Packard verantwortlich, wirft aber am wenigsten Gewinn ab. Noch im März hatte HP Berichte über eine mögliche Trennung vom PC-Geschäft als verantwortungslos zurückgewiesen. Ob es auch zu einem Arbeitsplatzabbau kommt, war zunächst nicht bekannt. HP beschäftigt weltweit mehr als 300.000 Menschen. Für den Umbau stellt der Konzern eine Milliarden Dollar zurück, wie Apotheker erklärte.

Kauf von Palm erst im vergangenen Jahr

HP dreht damit eine Entwicklung um, die von der Vorstandsvorsitzenden Carly Fiorina eingeleitet wurde. Unter ihrer Führung übernahm HP für 19 Milliarden Dollar Compaq Computer und wurde mit dem umstrittenen Geschäft zum größten PC-Hersteller der Welt.

Dann kaufte das im kalifornischen Palo Alto ansässige HP im vergangenen Jahr für 1,8 Milliarden Dollar den Smartphone-Pionier Palm mit dessen Betriebssystem WebOS - nun wird die Produktion von Smartphones und Tablet-PCs mit Palm-Software eingestellt. In den vergangenen Jahren hat sich das Unternehmen bereits vom reinen PC-Geschäft unabhängiger gemacht und versucht, sich zunehmend auf Dienstleistungen für Unternehmen zu konzentrieren.

Beeinflusst wurde diese Entwicklung von IBM, aber auch von Apple, wie Analysten erklärten. «Apple hat HP im Alleingang aus dem Geschäft mit PCs, Smartphones und Tablets gedrängt», sagte der Analyst Brian Marshall von Gleacher & Co. in einem Interview. Anstatt sich im Wettbewerb mit Apple aufzuzehren, habe HP beschlossen, sich auf Geschäftskunden zu konzentrieren und damit in Konkurrenz zu IBM, Oracle und Cisco zu treten.

Hewlett-Packard will Verluste begrenzen

Diese Konzentration erscheint logisch, schließlich verbrachte Apotheker den größten Teil seines Arbeitslebens beim deutschen Softwarehaus SAP, das ebenfalls auf Unternehmenssoftware spezialisiert ist. «Das ist sein Brot-und-Butter-Geschäft», sagte Marshall. «Jetzt muss er liefern.» Apple sei ein aggressiver Rivale, erklärte der Analyst Shaw Wu von Sterne Agee. «HP hat wahrscheinlich gemerkt, dass es seine Verluste begrenzen muss», sagte er weiter. «Und es ist sinnvoll, die Verluste besser früher als später zu begrenzen.»

Beim Kauf von Autonomy zahlt HP 42,11 Dollar pro Aktie, 64 Prozent mehr als der zuletzt gehandelte Börsenwert. Autonomy stellt unter anderem spezielle Suchmaschinen für Firmen her. Es ist eine der teuersten Übernahmen in der 72-jährigen Geschichte von Hewlett-Packard.

Im dritten Quartal steigerte HP seinen Nettogewinn um neun Prozent auf 1,93 Milliarden Dollar, entsprechend 93 US-Cent pro Aktie gegenüber 75 US-Cent im Vorjahreszeitraum. Zugleich korrigierte das Unternehmen seine Erwartungen für den Umsatz im laufenden Jahr nach unten. Wie HP mitteilte, stieg der Umsatz im vergangenen Quartal um weniger als zwei Prozent auf 31,2 Milliarden Dollar. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von 127,2 bis 127,6 Milliarden Dollar, etwas weniger als von Analysten erwartet.

cvd/news.de/dapd

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