Fluglotsen Zeichen stehen auf Streik

Es wäre das erste Mal: Die deutschen Fluglotsen haben beinahe geschlossen für einen Streik gestimmt. Sie fordern höhere Löhne und weniger Überstunden. Experten warnen vor einem Streik: Die Folgen wären ähnlich verheerend wie die der Vulkanasche.

Fluglotsen (Foto)
Stopp: Wenn die Fluglotsen streiken, geht nichts mehr. Bild: dapd

Die Arbeitsniederlegung wäre eine Premiere: Im deutschen Luftraum ist ein flächendeckender Streik der Fluglotsen einen Schritt nähergerückt. Mit einer Mehrheit von 95,8 Prozent entschieden sich die Tarifangestellten der Deutschen Flugsicherung (DFS) für einen Arbeitskampf. Allerdings liegt bereits ein neues Arbeitgeberangebot auf dem Tisch, auch eine Schlichtung erscheint noch möglich.

Zu der Urabstimmung hatte die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) rund 2600 Fluglotsen und andere Tarifbeschäftigte der bundeseigenen GmbH aufgerufen. Über das weitere Vorgehen in dem Tarifkonflikt will der Gewerkschaftsvorstand beraten.

Der Flughafenverband warnte vor einem Streik der Fluglotsen. Wenn über mehrere Tage hinweg die Flugzeuge nicht starten und landen könnten, drohe ein ähnlicher wirtschaftlicher Schaden wie in der Folge der isländischen Aschewolke, sagte Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

Streikkultur international: Elf furiose Streiks

 Laut der Gewerkschaft haben die DFS-Fluglotsen noch nie gestreikt. Die Gewerkschaft besteht seit 1993. Zuvor war die Überwachung des Luftraums eine hoheitliche Aufgabe und wurde von Beamten versehen, die in den 70er-Jahren zum Mittel des «Bummelstreiks» griffen. Eine Urabstimmung der angestellten Fluglotsen hatte es im Jahr 2004 gegeben, ohne dass es später zum Arbeitskampf kam.

In der Gehaltsfrage ist eine Einigung denkbar, in anderen Bereichen nicht

Doch nun könnte es soweit sein: Die Deutsche Flugsicherung hat zuletzt sein Angebot vor allem bei den Gehaltszusagen nachgebessert. Nach Angaben einer DFS-Sprecherin sollten sich die Gehälter danach in einem Zeitraum von 29 Monaten um 5,2 Prozent erhöhen, wobei die erste Stufe bereits ab August 3,2 Prozent vorsehe. Zuvor hatte die Eingangsstufe nur 1,1 Prozent betragen.

Das bundeseigene Unternehmen verknüpfte sein bereits am Freitag vorgelegtes Angebot mit der Forderung nach mehr bezahlten Überstunden, mit denen bestehende Personallücken geschlossen werden könnten. Die GdF verlangt 6,5 Prozent mehr Geld auf ein Jahr und lehnt mehr als 80 jährliche Überstunden ab. Die DFS will hingegen verbindlich 150 Überstunden pro Lotse und bis zu 250 auf freiwilliger Basis.

In der Gehaltsfrage sei eine Einigung sicherlich denkbar, sagte GdF-Tarifsekretär Markus Siebers. Entscheidend seien aber die unterschiedlichen Vorstellungen zu Eingruppierungen und Stellenbeschreibungen, die ebenfalls Gegenstand der Verhandlungen sind.

Zur vorübergehenden Abwendung eines Arbeitskampfes besteht für beide Tarifpartner noch die Möglichkeit, die Schlichtung anzurufen. In diesem Fall würde sofort eine neue Friedenspflicht einsetzen und der Streik müsste für die Dauer der Vermittlungsversuche um einige Wochen verschoben werden.

beu/news.de/dpa

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Painter
  • Kommentar 1
  • 01.08.2011 19:54

Wann wird die Presse endlich unterscheiden können zwischen Fluglotse und Bodenpersonal der Airports. Wieder mal wird ein Foto eines Flughafenangestellen rausgekramt und veröffentlich. Das ist schlichtweg falsch. Hoffentlich machen die beiden Berufsgruppen Ihre Arbeit präziser als die verantwortlichen Journalisten. Bitte schaut doch mal auf den Seiten der Flugsicherungen dieser Welt nach. Ein Schiffslotse steht auch nicht am Ufer und winkt die Schiffe in einen Anlegeplatz hinein. Auch wenn sogar der Vergleich hinkt, so er helfen, mal ein wenig nachzudenken.

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