Beruf Tanzlehrer-Prüfung im Dreiviertel-Takt

Ob Walzer, Foxtrott oder Samba - jedes Jahr bildet der größte deutsche Tanzlehrerverband ADTV junge Menschen zu Tanzlehrern aus. Neben Hamburg und Paderborn können die Auszubildenden auch in Augsburg ihre Prüfungen ablegen. Natürlich auch im Dreivierteltakt.

Tanzlehrer-Prüfung im Dreiviertel-Takt (Foto)
Tanzlehrer-Prüfung im Dreiviertel-Takt Bild: dpa

Augsburg (dpa) - Ob Walzer, Foxtrott oder Samba - jedes Jahr bildet der größte deutsche Tanzlehrerverband ADTV junge Menschen zu Tanzlehrern aus. Neben Hamburg und Paderborn können die Auszubildenden auch in Augsburg ihre Prüfungen ablegen. Natürlich auch im Dreivierteltakt.

Viktoria Baumann schwebt über das Parkett. Die zierliche 20-Jährige tanzt komplizierte Schrittfolgen, dreht und wiegt sich im Takt der Musik. Die Arme hält sie wie zur Umarmung in der Luft - denn ihr Tanzpartner fehlt. Baumann ist eine von zwölf Kandidaten, die nach drei Jahren Ausbildung ihre Abschlussprüfung zum Tanzlehrer in Augsburg ablegen. Geprüft wird sie von Experten des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbandes (ADTV).

In Zweiergruppen sitzen die zehn Prüfer auf den Stühlen rund um die Tanzfläche und beobachten die angehenden Lehrer mit Argusaugen. «Als erstes schauen wir, ob etwas anbrennt - also ob die Kandidaten im Takt sind», sagt der Leiter der ADTV-Tanzakademie, Jürgen Ball. «Wenn nicht, gibt es automatisch eine Fünf.» Anschließend widme sich jeder Prüfer etwa zwölf Sekunden lang den einzelnen Kandidaten und bewerte die Körper-, Bein- und Fußarbeit. Die Auszubildenden müssten alleine tanzen, damit die Positionen besser erkennbar sind, sagt der 50-Jährige.

Neun Mal muss Viktoria Baumann mit der Nummer 1 auf dem Rücken auftreten, um jeweils einen neuen Tanz zu präsentieren. Dazu gehören Walzer, Foxtrott und Samba - jeweils in der Damen- und Herrenposition. Jedes Mal tanzt die Münchnerin etwa zwei Minuten, bis ein Gong aus den Lautsprecherboxen ertönt. Die Tänze werden benotet und ergeben später eine Schnittnote, die mit den Ergebnissen der theoretischen Prüfung zusammengerechnet werden. So entsteht die Endnote der Tanzlehrer, die zwischen einer glatten Eins und einer Vier liegen kann. «Ab 4,1 gilt die Prüfung als nicht bestanden», sagt Ball.

Seit 1995 prüft der Tanzlehrer aus Friedrichsdorf im Taunus junge Azubis für den ADTV. Insgesamt stellen sich in diesem Jahr 450 junge Frauen und Männer einer Zwischen- oder Abschlussprüfung. Neben Hamburg und Paderborn wird dieser Tage in Augsburg geprüft - hierher kommen vor allem junge Menschen aus Baden-Württemberg, dem südlichen Hessen und Bayern. Die meisten von ihnen sind Anfang 20. Denn wegen der häufigen Arbeit am Abend müssen die Azubis zu Beginn der Ausbildung volljährig sein. Nur in Ausnahmen dürfen sie schon mit 17 Jahren in einer der 800 ADTV-Tanzschulen anfangen. Insgesamt gibt es laut Ball rund 3000 Tanzschulen in Deutschland sowie weitere Verbände wie den Berufsverband deutscher Tanzlehrer (BDT).

Bei den Abschlussprüfungen folgt nach dem praktischen Teil die theoretische Prüfung. Dabei komme es vor allem darauf an, dass die Auszubildenden die Didaktik der Tanzstunden und die Figuren beherrschen. Dazu gehören beispielsweise der «Zögerwechsel», «Open Telemark» oder «Schattenbotafogos» und «Turkish Towel». «Das brauchen sie alles später, um den Tanzunterricht strukturieren und planen zu können», erzählt Ball. Zudem habe sich das Repertoire der Tanzschulen sehr verändert - heute gehörten beispielsweise Tango Argentino und Hip-Hop mit ins Programm. «Da muss der heutige Tanzlehrende vorbereitet sein.»

Nur auf eines müssen sie sich Balls Ansicht nach nicht einstellen: auf eine mögliche Arbeitslosigkeit. «Tanzlehrer werden fast überall gesucht», sagt Ball. Allerdings müsse man flexibel und bereit sein, für den Job an einen anderen Ort zu ziehen. So wie Viktoria Baum - sie will nach der Prüfung in eine Tanzschule nach Frankfurt am Main gehen. Sie genießt es bei ihrer Arbeit besonders, dass die Menschen gerne und freiwillig zu ihr kommen, sagt sie. Mit dem Tanzen angefangen hat die 20-Jährige vor sechs Jahren, weil Freunde sie überredeten. «Aber nur ich bin dabei geblieben.»

Website der ADTV-Akademie

Website des BTV

news.de/dpa

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