Bücher für die Krise Ist Deflation die wahre Gefahr?

Langzeitarbeitslose (Foto)
Arbeitslosen stehen Schlange: Bei einer Deflation drohen Entlassungen. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Für Krisenpropheten ist es leichter denn je, den Kollaps des westlichen Wirtschaftssystems vorherzusagen. Doch heißt die Gefahr tatsächlich Inflation? Manche Autoren sehen die Bedrohung woanders.

Wirtschaftsführer, Politiker, Notenbanker – alle reden über eine drohende Inflation. Doch das sei nichts anderes als Ablenkung, meint Autor Günter Hannich in seinem Buch Die Deflation kommt. Seine Kernthese: Die Mächtigen würden die reale Gefahr verschleiern, um ihre Interessen zu wahren. Das Gros der Menschen, das sich nur für die Inflation wappnet, könne leicht in eine gefährliche Falle tappen. Denn in Wirklichkeit führe die Schuldenkrise in die viel gefährlichere Deflation. 

Die Verschwörungstheorie über «die Mächtigen» und ihre finsteren Absichten ist abstrus. Doch die Warnung vor einer Deflation ist berechtigt. Es jagt einem spätestens dann ein Schauder über den Rücken, wenn man Hannichs Argumentation mit den gegenwärtigen Ereignisse vergleicht. Eine Naturkatastrophe wie in Japan nennt der Autor in dem 2010 erschienen Buch etwa als möglichen Auslöser einer Weltschuldenkrise, die in eine Deflation mündet. Kredite würden in der Folge abgezogen, die Geldknappheit in Schuldnerländern verschärft und somit auch größere Länder in Gefahr gebracht.

Staatsschulden
Wenn das D droht...

Tatsächlich setzte am 18. April die Ratingagentur Standard & Poor's den Ausblick für die Kreditwürdigkeit der USA herunter; Griechenland und Irland wurden bereits herabgestuft. Das macht es den Ländern schwieriger, Geld vom Kreditmarkt zu bekommen. Ihre Liquidität steht in Frage. Mit einem Milliarden-Rettungsschirm versuchen die Euro-Staaten derzeit der drohenden Gefahr Herr zu werden. Ein Staatsbankrott eines einzelnen Euro-Mitglieds würde die anderen mit sich ziehen.

Die schleichende Gefahr

Hannich spricht vom Domino-Effekt. Solange immer weiter frisches Geld gedruckt wird, dreht sich die Inflationsspirale. Eine Lösung ist das auf lange Sicht aber nicht. Wie Hannich an historischen Beispielen zeigt, endet jede Krise in der Deflation. Trotzdem haben die Menschen Angst vor Inflation, weil die Folgen direkter sind: steigende Preise.

Bei der Deflation sinken hingegen die Preise, was zunächst einmal positiv aufgenommen wird. Als Folge dessen machen Unternehmen allerdings weniger Gewinn und entlassen Mitarbeiter. In der Deflationsspirale steigt die Arbeitslosigkeit, sinken die Kaufkraft und die Gewinne von Unternehmen. Hannich nennt in seinem Buch Wege, wie man sich gegen eine Deflation wappnen kann. Er erklärt auch, warum Gold kein sicherer Hafen in der Deflation ist. Dies macht das Buch lesenwert für alle, die sich kritisch mit den gegenwärtigen Entwicklungen auseinandersetzen wollen.

Allerdings muss man sich bis zum spannenden Teil erst einmal durchkämpfen. Zunächst schimpft Hannich hauptsächlich auf das System. Es ist Kritik mit der Keule. Manche Gedankengänge verallgemeinern zu stark, andere reichen nicht weit genug. So wird beispielsweise außer Acht gelassen, dass Politiker und Währungshüter etwas aus den immer wieder angeführten vorherigen Krisen gelernt haben könnten. Das Buch stellt sicher nicht die endgültige und absolute Wahrheit dar. Doch es regt zum kritischen Denken an.

Ohne Moos nix los
Die größten Staatspleiten

Autor: Günter Hannich
Titel: Die Deflation kommt
Verlag: Kopp
192 Seiten, 18,95 EUR

kra/news.de

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige