Schuldenkrise Super Zeugnis mit einer dicken Sechs

Dollar (Foto)
Die USA stehen kurz vor einem Bankrott. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
Ratingagenturen bewerten ganze Länder und haben die finanzielle Zukunft der Nationen mit in der Hand. Warum aber hat Griechenland viel weniger Schulden als die USA - und trotzdem eine schlechtere Note? News.de erklärt es.

Mit den Bewertungen, die die drei großen Ratingagenturen Standard & Poors, Fitch und Moody's abgeben, ist es ein wenig wie mit einem Schulzeugnis. Von AAA (beste Qualität) bis D (Zahlungsaufall) gehen die Bewertungen, die über Wohl und Wehe ganzer Länder entscheiden. Und ganz durchschaubar sind sie nicht. Da geht es nicht nur um Schulden und Bruttoinlandsprodukte, sondern auch um Prognosen und Erfahrungswerte. Und wie in einem Zeugnis, ruft die Note Reaktionen hervor. Eine schlechte Bewertung macht nur Ärger, eine gute gibt Geld von den Großeltern, respektive: günstige Kredite.

Beispiel Griechenland: Im Dezember 2009 stufte die Ratingagentur Fitch Griechenland herunter: Die Verschuldung sei zu hoch, hieß es, die ProduktivitätVereinfacht für diesen Zusammenhang erklärt: Die Produktivität gibt wieder, mit wie vielen Arbeitern ein Produkt hergestellt werden kann. Meist steigt die Produktivität mit der Zeit. Das heißt, die gleiche Stückzahl kann mit weniger Resourcen hergestellt werden. zu gering. Als erstes europäisches Land nach zehn Jahren fiel Griechenland aus dem erlauchten Kreis der Länder mit A-Note. Dass Griechenland noch weiter heruntergestuft werden könnte, schloss das amerikanische Unternehmen Fitch nicht aus. Die Folge: Die Kreditwürdigkeit des Landes schwand, Kredite wurden häufiger höher bezinst. Mittlerweile ist Griechenland mit CCC bewertet, die Zahlungsunfähigkeit steht kurz bevor.

Staatsschulden
Wenn das D droht...

Beispiel USA: Obwohl den USA bereits in wenigen Wochen eine Staatspleite droht, ist das Land mit der Bestnote AAA bewertet - zwar mit negativer Tendenz, jedoch auch das nur von Standard & Poors. Fitch und Moody's nennen die USA weiterhin stabil. Dabei belaufen sich die Schulden auf mehr als 10.460 Milliarden Euro. Heruntergerechnet ist jeder US-Amerikaner mit 33.800 Euro verschuldet - dabei sind die fehlenden Gelder in den Kassen der Bundesstaaten und Kommunen nicht mit eingerechnet. Die Pro-Kopf-Verschuldung in Griechenland beläuft sich hingegen auf beinahe gering wirkende 21.152 Euro.

Warum sind die Bewertungen von zwei Ländern aber so unterschiedlich? Griechenland wurde das niedrige BruttoinlandsproduktDas Bruttoinlandsprodukt beinhaltet den Gesamtwert aller Güter (Waren und Dienstleistungen), die innerhalb eines Jahres in einem Land hergestellt werden. zum Verhängnis, das noch unter dem lag, was an Schulden da war. Ein Land als Minusgeschäft also. Gemessen wird dieser Wert in Prozent: Der staatliche Schuldenstand im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt, der für Griechenland bei 115 Prozent liegt, für die USA bei 82,9 Prozent. Deutschland - zum Vergleich - liegt bei rund 73 Prozent. Erst anhand dieser Zahlen wird klar, wie die Ratingagenturen arbeiten - unumstritten sind sie dennoch nicht. Weil sie eben - wie in einem Zeugnis - nicht nur bewerten, sondern auch eine Richtung vorgeben.

Ohne Moos nix los
Die größten Staatspleiten

kra/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • oliver
  • Kommentar 2
  • 13.07.2011 15:13

Letztlich ist immer nur der Bürger der Zahlmeister, da sich unsere Bonzen und Großunternehmer von den Verpflichtungen drücken und mit immer neuen Forderungen an die Politik kommen, z.B. die Unterschriftenaktion für den Euro vor wenigen Wochen.

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  • oliver
  • Kommentar 1
  • 13.07.2011 15:12

USA hat eine nur geringfügig stärkere pro Kopf verschuldung als Deutschland. Wir sollten uns nicht mehr von den Politikern verarschen lassen!

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