Griechenland Athen im Ausnahmezustand

Ein Land im Chaos: Die Griechen befinden sich im Generalstreik gegen den massiven Sparkurs ihrer Regierung. Schon am frühen Morgen versammelten sie sich vor dem Parlament in Athen. Dabei kam es auch zu Gewaltausbrüchen.

Tausende Griechen belagern das Parlament (Foto)
Protestwelle: Rund um den zentralen Syntagma Platz vor dem Parlament in Athen versammelten sich nach Medienschätzungen mehrere Zehntausend Menschen. Bild: dpa

Griechenlands Generalstreik gegen den Sparkurs der Regierung scheint aus dem Ruder zu laufen: Dutzende vermummte Autonome und Rechtsextremisten haben sich im Zentrum Athens vor dem Parlament Schlägereien geliefert. Die beiden Gruppen gingen mit Latten und Schlagstöcken aufeinander los. Zuvor hatten linksextreme Autonome die Polizei angegriffen, berichtete das Fernsehen. Die Beamten setzten Tränengas ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben. Viele friedliche Demonstranten verließen daraufhin fluchtartig den Platz.

Weite Teile des öffentlichen Lebens sind in Griechenland derzeit lahmgelegt. Busse, Bahnen und Schiffe fahren nicht, Krankenhäuser erhalten nur einen Notdienst aufrecht. Im Zentrum der Hauptstadt Athen haben sich rund 20.000 Menschen zu einer Protestaktion versammelt. Auf dem Syntagma-Platz forderte die Menge in Sprechchören den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Etwa 5000 Polizisten sind im Einsatz, um die Demonstranten vom Parlament fernzuhalten.

Streik gegen Sparpläne: Chaos in Griechenland
Video: eia/news.de/dapd

Verzweifelte Griechen auf der Straße

Nach Angaben der Polizei wurden zehn Demonstranten kurzzeitig festgenommen, nachdem sie versucht hatten, Abgeordnete am Betreten des Parlaments zu hindern. Als die Fahrzeuge von Papandreou und Präsident Karolos Papoulias vorbeifuhren, waren aus der Menge Buhrufe zu hören.

«Was sollen wir machen?», sagte die Krankenschwester Dimitra Nteli, die mit ihrer Tochter an der Demonstration teilnahm. «Wir müssen kämpfen, für unsere Kinder und für uns. Ich verdiene nach 25 Berufsjahren 1100 Euro im Monat. Jetzt wird mein Gehalt auf 900 Euro fallen. Wie sollen wir davon leben?»

Ntelis 26-jährige Tochter Christina sagte, sie bemühe sich wegen der schlechten Aussichten in Griechenland nun um einen Studienplatz im Ausland. «Ich habe hier keine Arbeit. Es gibt keine Perspektive.» Der Generalsekretär der Gewerkschaft Adedy, Ilias Iliopoulos, sagte, von dem wenigen, was den Arbeitern geblieben sei, wolle die Regierung noch mehr streichen.

Flugverkehr von Streik nicht betroffen

In der Vergangenheit war es bei Protestaktionen häufig zu gewaltsamen Zusammenstößen gekommen. Im Mai kamen drei Bankangestellte ums Leben, nachdem randalierende Demonstranten während einer Massenkundgebung die Bank angezündet hatten.

Wegen des Generalstreiks fielen auch Fernseh- und Radiosendungen aus. Der Journalistenverband beendete den Streik jedoch später, um über die Entwicklungen in Athen zu berichten. Auch der Flugverkehr war von dem Ausstand nicht betroffen. Die Fluglotsen hatten ihre Teilnahme abgesagt.

Die Regierung muss das Sparpaket über 28 Milliarden Euro für die Jahre 2012 bis 2015 noch in diesem Monat durch das Parlament bringen, um weitere Finanzhilfen der EU und das Internationalen Währungsfonds zu bekommen. Um die geplanten Einsparungen zu erreichen, musste Papandreous Sozialistische Partei ihr Versprechen brechen, die Steuern nicht weiter zu erhöhen. Auf starken Widerstand stößt auch die Privatisierung von Staatsbetrieben, die 50 Milliarden Euro einbringen soll. Ein Abgeordneter der Sozialisten hat schon angekündigt, gegen die Vorhaben zu stimmen, ein weiterer wird dies voraussichtlich tun. Die Mehrheit für Papandreou schrumpft damit auf vier Stimmen.

san/cvd/eia/beu/news.de/dpa/dapd

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Paul Kordes
  • Kommentar 1
  • 15.06.2011 11:35

Die Griechen schaffen sich Gehör durch einen Generalstreik und die anderen EU-Länder sind so dumm und pumpen noch mehr Geld zu den Griechen. Denn, dass wir einmal zur Kasse gebeten werden ist doch hoffentlich allen Bürgern klar.

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