Griechenland-Krise Banken stehlen sich davon

Bankentürme (Foto)
Bankentürme in Frankfurt am Main: Die Institute stoßen ihre Griechenland-Anleihen ab. Bild: ap

Deutschland wirbt für eine Umschuldung Griechenlands - und steht damit allein. Private Banken und Versicherungen nutzen offenbar die Zeit und trennen sich von ihren Griechenland-Anleihen. Das Risiko könnte damit allein beim Steuerzahler hängenbleiben.

Private Geschäftsbanken und Versicherungen haben sich Medienberichten zufolge in erheblich größerem Ausmaß als bisher bekannt von griechischen Staatsanleihen getrennt.

Demnach halten die deutschen Versicherer nur noch 2,8 Milliarden Euro (Ende März) verglichen mit 5,8 Milliarden Euro vor einem Jahr. Die Welt beruft sich auf ein internes Papier des Finanzausschusses des Bundestages. Zu berücksichtigen ist bei den deutschen Versicherungskonzernen zum einen, dass griechische Anleihen gemessen an den gesamten Kapitalanlagen nur 0,22 Prozent ausmachen. Eine Laufzeitverlängerung oder gar eine härtere Umschuldung (Haircut) könnten die Versicherer daher verschmerzen, schreibt die Welt.

Und auch deutsche Banken haben offenbar massiv Griechenland-Anleihen abgestoßen. Seit Anfang Mai 2010 hätten sich die Geldhäuser von einem Drittel ihrer griechischen Anleihen getrennt, wie die Financial Times Deutschland berichtet. Dies gehe aus den Bundesbank-Zahlen zu den Auslandsforderungen der Institute gegenüber dem griechischen Staat hervor. Demnach hielten die Banken im Januar und Februar 2011 noch Anleihen Athens über 10,3 Milliarden Euro - Ende April 2010 seien es noch 16 Milliarden Euro gewesen.

Nach aktuellen Zahlen von Ende Februar, die aus Bundesbank-Tabellen zu entnehmen sind, liegen die Engagements deutscher Banken in griechischen Staatsanleihen zwar bei 18,04 Milliarden Euro. Darin sind der FTD zufolge aber knapp acht Milliarden Euro an vom Bund garantierten Forderungen der staatlichen Förderbank KfW enthalten.

Nicht nur die deutschen Geldhäuser, auch die Institute in anderen Ländern, speziell in Frankreich, haben ihre griechischen Engagements erheblich verringert. Allerdings hatten die deutschen Banken und Versicherer Finanzminister Schäuble im Frühjahr 2010 zugesichert, bestehende Kreditlinien gegenüber Griechenland und griechischen Banken aufrechtzuerhalten und sich dort nicht aus dem Anleihegeschäft zurückzuziehen. Dies sollte ein Beitrag zum ersten Rettungspaket für Griechenland sein.

Mit der Schuldenschnitt-Forderung steht Deutschland allein da

Die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen steigen derweil unaufhaltsam. EU, EZB und IWF bescheinigten dem hoch verschuldeten Land in ihrem Prüfbericht, dass das laufende Hilfsprogramm von 110 Milliarden Euro nicht ausreicht. Nach Angaben aus Koalitionskreisen hat Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) den nochmaligen Bedarf für 2012 bis 2014 auf rund 90 Milliarden Euro veranschlagt.

Schäuble hatte vorgeschlagen, Griechenland mit einem längeren Zahlungsaufschub und neuen Finanzspritzen Luft für die Sanierung der Wirtschaft und der Staatsfinanzen zu verschaffen. Er will die sich sträubende Europäische Zentralbank (EZB), die Euro-Partner und den Internationalen Währungsfonds (IWF) für eine «sanfte» Umschuldung unter Einbindung privater Gläubiger gewinnen. Dies könne am besten über einen Umtausch von Anleihen erreicht werden, der zu einer Verlängerung ausstehender Forderungen um sieben Jahre führen sollte.

Beim Umschuldungsvorstoß Schäubles seien noch viele Fragen ungeklärt, beklagen Ökonomen. Thorsten Polleit, Chefökonom von Barclays Capital, sagte der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX: «Schäuble hat mit seinem Vorstoß zwar die politische Richtung vorgeben, wichtige Detailfragen sind aber noch unbeantwortet.» Darüber hinaus stehe Deutschland in Europa noch nahezu alleine mit seiner Forderung nach einer Beteiligung privater Investoren.

Wie schwer ein Beitrag der Banken noch ins Gewicht fällt, ist angesichts der reduzierten Griechenland-Engagements fraglich. Schließlich sind die EZB, der IWF und staatliche Banken die gewichtigsten Gläubiger Griechenlands.

che/som/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • hector
  • Kommentar 2
  • 15.06.2011 22:05

Immer schön auch die Schuldigen der Misere und nicht nur die Schuldner beteiligen, und die Schuldigen sind doch eher die Gläubigerbanken, die vielen Finanzhaie, die immerzu in solche hochverzinsten Staatsanleihen völlig maroder Staaten investieren, im Glauben der Merkel-Schirm würde das schon alles absichern, und am Ende würde es ja der dumme Steuerzahler bezahlen bezahlen. Da verdienen sich Geldschächerer eine goldene Nase und riskieren noch nicht mal was.

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  • Theodor Fabian
  • Kommentar 1
  • 14.06.2011 08:36

Nun jetzt ist es Amtlich, Griechenland sollte in den Bankrott entlassen werden, und was macht die CDU?? Will unser Geld in den Ofen schicken, sind die den noch zu retten? Das ist das Muster von Fr. Merkel, die alte Denkweise der Planwirtschaft, soll alles so gehalten werden bis der Doktor kommt! Die Griechen selber wollen das Geld gar nicht, und hier wird jemand Zwangsernährt, denn sie selber wissen das auf Dauer nichts ist, also möchte ich mich nicht wiederholen, bitte machen sie Schluss damit, Herren der CDU!! Denken sie an Stuttgart 21...

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