Übernahmeangebot VW will MAN

Die Wolfsburger wollen die Münchener schlucken: Ein 10-Milliarden-Übernahmeangebot ruft VW dafür auf. Sie haben Ihren MAN-Aktienanteil überraschend auf 30 Prozent aufgestockt. Doch der Erfolg ist unsicher. MAN gibt sich zurückhaltend.

Lastwagen-Allianz naht: VW will MAN übernehmen (Foto)
Lastwagen-Allianz naht:Volkswagen bietet 95 Euro je Aktie für MAN. Bild: dpa

VW ergreift bei MAN die Herrschaft: Der Autobauer stockte am Montag überraschend seinen Anteil am Lkw-Bauer auf knapp über 30 Prozent auf und legte ein Übernahmeangebot in Höhe von rund zehn Milliarden Euro vor. Mit dem Schritt wollen die Niedersachsen den jahrelangen Stillstand bei der Fusion der VW-Lastwagen-Beteiligungen Scania und MAN auflösen.

Allerdings ist das VW-Angebot mit 95 Euro pro Aktie so niedrig, dass eine schnelle Übernahme unwahrscheinlich erscheint. MAN-Aktien notierten am Montag bei 99 Euro. VW braucht nach eigenen Angaben aber nur 35 bis 40 Prozent an MAN, um bei dem Münchener Konzern durchregieren zu können.

Das Übernahmeangebot wurde fällig, weil VW die 30-Prozent-Schwelle überschritten hat. Nach Aktienrecht muss dann den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot gemacht werden, weil der Großaktionär bereits einen beherrschenden Einfluss haben könnte.

MAN reagierte zurückhaltend auf das Übernahmeangebot von VW. «Die MAN SE wird das Angebot prüfen, sobald es veröffentlicht wurde», teilte der Lastwagen- und Maschinenbaukonzern vier Stunden nach der VW-Ankündigung mit.

Zeit spielt keine Rolle

Volkswagen-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch machte klar, dass es im Kern nicht um die schnelle vollständige MAN-Übernahme gehe. «Das Schlüsselziel ist die Freigabe durch die Kartellbehörden», sagte er. Bisher könnten Scania und MAN nicht völlig frei zusammenarbeiten, weil es zum Beispiel beim gemeinsamen Einkauf zu Ärger mit den Kartellbehörden kommen könne. Das Pflichtangebot räume das aus. Pötsch sagte, für eine Kontrolle über MAN würden VW 35 bis 40 Prozent der Stimmrechte ausreichen, weil viele Aktionäre nicht zur Hauptversammlung kommen.

Nach Ansicht des Analysten Frank Schwope von der Nord LB rechnet VW nicht mit der Annahme des Pflichtangebots durch die MAN-Aktionäre. «VW will sich der Pflicht entledigen. Danach haben sie alle Zeit der Welt, um den MAN-Anteil auszubauen», sagte er.

VW muss erst bei einer Schwelle von 50 Prozent der MAN-Aktien wieder eine Mitteilung machen. Die gesamte Übernahme der fehlenden MAN-Aktien würde die Wolfsburger rund zehn Milliarden Euro kosten. Zurzeit hat VW 20 Milliarden Euro flüssige Mittel.

VW will seit Monaten seine Lkw-Beteiligungen MAN und Scania enger zusammenführen, kommt aber bisher nicht wie erwünscht voran. «Das Nutzfahrzeuggeschäft ist für uns ein hochinteressantes, strategisches Geschäftsfeld. Wir wollen deshalb jetzt den Weg für eine engere Zusammenarbeit zwischen MAN, Scania und Volkswagen ebnen und damit die Voraussetzungen schaffen, um zum Wohle aller Aktionäre Synergien zu heben», erklärte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Pötsch sagte, allein durch die kartellrechtliche Freigabe könnten MAN und Scania 200 Millionen Euro pro Jahr sparen.

Problem Ferrostaal ungelöst

VW gab zusammen mit der Mitteilung eine Art Beschäftigung- und Standortgarantie ab: «Selbstverständlich respektieren wir die Mitbestimmungs- und Arbeitnehmerrechte in vollem Umfang und stehen zu Standorten und Beschäftigten», erklärte Winterkorn. Vor allem bei MAN hatte es Sorgen gegeben, dass der enorm profitable und erfolgreiche Hersteller Scania bei einer Fusion die Führung übernehmen würde und MAN darunter leiden müsste. Winterkorn hatte aber schon vor einer Woche bei der VW-Hauptversammlung eine Existenzgarantie für die Marke MAN mit allen Firmenteilen abgegeben.

Die Eigentumsverhältnisse zwischen VW, MAN und Scania sind verworren: MAN hält 17 Prozent an Scania, VW hält 30,47 Prozent an MAN und 71 Prozent der Stimmrechte an Scania. Im Endeffekt bestimmen aber die Wolfsburger jetzt.

Einer vollen Fusion steht auch die Schmiergeldaffäre bei der ehemaligen MAN-Tochter Ferrostaal im Wege. Der IPIC-Fonds in Abu Dhabi hatte 70 Prozent an Ferrostaal gekauft, klagt aber auf Rückabwicklung. Der VW-Finanzchef sagte, er wünsche sich eine schnelle Lösung des Streits.

cvd/news.de/dapd

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