Commerzbank Staatsbanker Blessing im Kreuzfeuer der Aktionäre

Commerzbank (Foto)
Verbal geprügelt: der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank AG, Martin Blessing. Bild: dapd

Von Jörn Bender und Erik Nebel
Die Commerzbank will sich vom Staatstropf lösen. Doch den Aktionären dauert das zu lange. Der Kurs im Keller, der Bund im Boot - seit der Übernahme der Dresdner Bank kämpft der Konzern mit Problemen. Nun hagelt es Kritik bei der Hauptversammlung.

«Totalversager», «Kapitalvernichter», «Hütchenspielertricks» - die Commerzbank-Aktionäre lassen kaum ein gutes Haar an Konzernchef Martin Blessing. Der Kauf der Dresdner Bank reizt viele Anteilseigner auch fast drei Jahre danach noch bis aufs Blut. Der Kurs des Dax-Konzerns dümpelt seither vor sich hin, auf eine Dividende müssen die Eigentümer voraussichtlich auch für das Geschäftsjahr 2011 noch verzichten. Und der Bund bleibt einflussreichster Aktionär - trotz der Bemühungen des Managements, die Steuermilliarden früher als erwartet zurückzuzahlen. Bei der Hauptversammlung in Frankfurt hagelt es Kritik.

«Wie konnte man sich nur die zurechtgeschminkte Leiche Dresdner Bank auf den Bauch binden lassen?», schimpft Aktionär Richard Mayer aus München. Anleger Karl-Walter Freitag wettert: «Sie ziehen einen Zuckerguss über einen Müllhaufen, den sie in Form der Dresdner Bank übernommen haben.» Die Übernahme war mitten in der Finanzkrise 2008 vereinbart worden und galt Experten wegen der vielen Probleme der Dresdner schon damals als riskant. Letztlich trieb der Deal die zweitgrößte deutsche Bank in die Fänge des Staates.

Wahl zwischen Pest und Cholera

Den will Blessing nun weitgehend abschütteln und dafür die größte Kapitalerhöhung der deutschen Unternehmensgeschichte durchziehen. Zum Auftakt des Aktionärstreffens wirbt Blessing in einer eher technokratischen als mitreißenden Rede um Zustimmung: «Wir wollen mit den Kapitalmaßnahmen die schwierige Phase, die wir im Zuge der Finanzkrise durchlebt haben, endgültig hinter uns lassen.»

Dresdner Bank
Die Geschichte eines deutschen Geldhauses

Dennoch: «Wir werden den Bund trotz dieser enormen Kapitalmaßnahme nicht los, so dass sie immer noch nach Herrn Schäubles Pfeife tanzen müssen», urteilt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der Bund wird weiterhin 25 Prozent plus eine Aktie halten und kann mit dieser Sperrminorität in die Geschäftspolitik hineinregieren.

Zwar stimmt die DSW der Kapitalerhöhung zu, aber nur mit Bauchschmerzen - denn die Anteile der Alt-Aktionäre werden durch die Ausgabe von Millionen neuer Aktien massiv verwässert. «Wir haben heute die Wahl zwischen Pest und Cholera. Da die Cholera aus medizinischer Sicht zu überleben ist, wählen wir sie», sagt Nieding

Aktienkurs brach ein

Aktionär Mayer schimpft: «Wenn was in der Kasse wäre, bräuchten wir die Kapitalerhöhung doch nicht.» Wie andere Eigentümer des Dax-Konzerns wirft er Blessing Versagen vor. Seit dem Amtsantritt des Marathonläufers Blessing vor drei Jahren brach der Aktienkurs von gut 23 Euro auf zuletzt knapp über 4 Euro ein. Mayer: «Wollen Sie die restlichen 6 Milliarden an Börsenwert auch noch vernichten? Scheren Sie sich zum Teufel!»

Aktionär Freitag zieht auch die als Erfolg verkauften Zahlen des ersten Quartals in Zweifel. Der Vorstand habe «einen bilanziellen Heißluftballon aufgeblasen»: «Erst führen Sie das Unternehmen in den Bankrott, dann gebärden Sie sich hier als Sanierungsschauspieler.» In der Tat: Einen Großteil des besten Jahresstarts der Konzerngeschichte verdankt die Commerzbank Sondereffekten.

Viele Anleger zweifeln, dass es dem Management gelingen wird, die beiden Großbanken zu einem dauerhaft profitablen Konzern zusammenzuschweißen. «Die Speisekarte von morgen macht heute nicht satt», meint Wolfgang Aleff von der Aktionärsvereinigung GfW. Mayer: «Der Vorstand gehört nicht entlastet - sondern entlassen.»

Trotz aller Aufregung: Um die Zustimmung für die gigantische Kapitalerhöhung musste sich Blessing keine Sorgen machen: Großaktionäre hatten schon vor der Hauptversammlung erklärt, dass sie den Kurs mittragen.

knr/kra/ivb/news.de/dpa

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