Ausbildung Berufsbildungsbericht: Mehr Chancen für Jugendliche

Azubi gesucht: In einigen Regionen und Berufen werden bereits die Lehrlinge knapp. Geburtenschwache Schulabgängerjahrgänge entlasten derzeit zwar den Ausbildungsmarkt. Dies kann bald aber zu einem ernsthaften Nachwuchsproblem werden.

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Berufsbildungsbericht: Mehr Chancen für Jugendliche Bild: dpa

Berlin (dpa) - Azubi gesucht: In einigen Regionen und Berufen werden bereits die Lehrlinge knapp. Geburtenschwache Schulabgängerjahrgänge entlasten derzeit zwar den Ausbildungsmarkt. Dies kann bald aber zu einem ernsthaften Nachwuchsproblem werden.

Der Wirtschaftsaufschwung und geburtenschwache Schulabgänger-Jahrgänge haben die Chancen von Jugendlichen bei der Lehrstellensuche deutlich verbessert. Dies zeigt der Berufsbildungsbericht 2011, den Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Mittwoch (6. April) dem Kabinett vorlegte. Gastronomie, Lebensmittelhandel, Fleischer, Bäcker und Gebäudereiniger klagen bereits über einen Mangel an Bewerbern für einen Ausbildungsplatz.

Zum Teil sind es Branchen und Berufe mit relativ geringer Ausbildungsvergütung, vielen Überstunden und unregelmäßigen Arbeitszeiten, die bereits Nachwuchssorgen haben. Aber auch regional - insbesondere im Osten - gibt es inzwischen wegen der Abwanderung junger Menschen Probleme, alle Ausbildungsplätze zu besetzen. Bei populären Berufen dagegen, wie etwa Mediengestalter, Elektroniker oder Kaufmann, können sich die Unternehmen immer noch aus einem Überangebot an Bewerbern die besten aussuchen. Auf einen Ausbildungsplatz als Tierpfleger kommen zum Beispiel mehr als zwei Bewerber.

Zum Vergleich: 2010 bewarben sich bundesweit 572 000 junge Menschen um eine Lehrstelle, zehn Jahre zuvor waren es noch 645 000. Auch 2011 wird insgesamt mit einem weiteren Rückgang gerechnet - der allerdings durch die Wehrpflichtaussetzung etwas abgebremst wird. Die rückläufigen Schulabgängerzahlen haben die Chancen von leistungsschwächeren Jugendlichen mit schlechteren Schulnoten oder fehlendem Hauptschulabschluss im Vergleich zu den Vorjahren erheblich verbessert.

So geht die Zahl der in den Vorjahren nicht versorgten Altbewerber unter den Lehrstellensuchenden weiter zurück. Von den Bewerbern des Jahres 2010 waren 185 000 junge Menschen (35,2 Prozent) länger als ein Jahr auf Ausbildungsplatzsuche. Zwei Jahre zuvor waren dies noch fast 263 000 (42,4 Prozent).

Auch mussten 2010 erheblich weniger Jugendliche nach Ende der Pflichtschulzeit zunächst in Überbrückungsmaßnahmen untergebracht werden. 2005 befanden sich noch fast 418 000 Jugendliche in den sogenannten Warteschleifen, holten dort den Schulabschluss nach oder wurden in diversen Kursen zunächst «ausbildungsreif» gemacht. Der Erfolg mancher Lehrgänge ist bei Experten umstritten. 2010 ging die Teilnehmerzahl in diesen Kursen auf unter 324 000 zurück. Dies entspricht einem Rückgang von über 22 Prozent.

Die Bundesbildungsministerin erwartet für dieses Jahr weitere Verbesserungen. Die ersten 500 von 1000 Berufseinstiegsbegleiter des Bundes haben inzwischen ihre Arbeit aufgenommen. Sie kümmern sich an ausgesuchten Schulen um Jugendliche bereits ab der siebten Klasse - sobald Lernprobleme erkannt werden. Mitarbeiter der Bundesagentur und auch ehrenamtliche Seniorexperten unterstützen diese Arbeit und stellen Kontakte zwischen Schülern und Unternehmen her.

«Handlungsbedarf» sieht der Berufsbildungsbericht auch noch bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund. Sie verlassen doppelt so häufig die Schule ohne Abschluss wie Jugendliche deutscher Herkunft. 2009 waren dies 13,8 Prozent gegenüber 5,8 Prozent. Auch machen ausländische Jugendliche nur halb so häufig eine Berufsausbildung (31,4 Prozent gegenüber 64,3 Prozent).

2010 wurden bundesweit 560 073 neue Lehrverträge abgeschlossen - 4234 oder 0,8 Prozent weniger als 2009. Dies wird vor allem mit dem Abbau staatlich geförderter außerbetrieblicher Ausbildungsplätze begründet. Bei den betrieblichen Plätzen im Westen wurde ein leichtes Plus verzeichnet.

Detaillierte Informationen zum Bericht

Weitere Zahlen zur beruflichen Ausbildung

news.de/dpa

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