Libyen Gaddafis Tankstellen um die Ecke

Die EU will bei den Wirtschaftssanktionen gegen Gaddafi Druck machen. Das trifft in Deutschland auch die Tankstellenkette Tamoil/HEM. Es soll verhindert werden, dass Geld durch die Zapfsäulen in Hamburg, München oder Berlin über verschlungene Wege bis nach Tripolis fließt.

Tamoil und HEM (Foto)
In Deutschland gehören nach Angaben des Energie-Informationsdienstes EID 390 Stationen unter den Markennamen Tamoil und HEM zum libyschen Netz Bild: dpa

Vielen Autofahrern in Deutschland ist wohl gar nicht bewusst, dass sie dieser Tage beim Tanken die Taschen von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi füllen. Der Gaddafi-Clan kontrolliert über ein kompliziertes Firmengeflecht nach Erkenntnissen der Bundesregierung indirekt auch die Tamoil GmbH, die bundesweit an Tankstellen Benzin unter den Marken Tamoil und HEM verkauft.

Das ist in Zeiten des Aufruhrs in dem ölreichen Wüstenstaat am Mittelmeer natürlich ein Politikum: Während westliche Kampfjets im UN-Auftrag versuchen, Gaddafi-Gegner mit Luftangriffen zu schützen, und viele Länder längst Vermögenswerte in Milliardenhöhe eingefroren haben, macht die Gaddafi-Sippe in Europa mit Benzinverkäufen unverändert glänzende Geschäfte.

Die 27 EU-Mitgliedsstaaten haben nun weitere Sanktionen gegen libysche Unternehmen auf den Weg gebracht, darunter die staatliche libysche Ölfirma NOC, die über verschlungene Wege auch Tamoil kontrolliert. Damit setzt die EU Sanktionen um, die im Rahmen der Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrats festgelegt worden waren.

Danach sollen Geschäftsbeziehungen zu Tochterfirmen mit in Libyen gelisteten Mutterunternehmen wie der National Oil Company (NOC) künftig nicht mehr erlaubt sein. Diese Regelung betrifft in Deutschland die Tamoil GmbH und die Holborn Europa GmbH, die beide unter anderem über die Rotterdamer Holding Oil Invest mehrheitlich der NOC gehören, die unter dem Einfluss des Gaddafi-Clans steht. So fließt das Geld durch die Zapfsäulen in Hamburg, München oder Berlin über eine Holding namens Oil Invest in Rotterdam am Ende bis nach Tripolis. Eine sofortige Schließung der Tamoil-Gesellschaften gilt rechtlich dagegen als nicht durchsetzbar.

Tamoil betreibt nach eigenen Zahlen von 2009 in Europa mehr als 2800 Tankstellen, davon die meisten in Italien. In Deutschland gehören nach Angaben des Energie-Informationsdienstes EID 390 Stationen unter den Markennamen Tamoil und HEM zum libyschen Netz. Die Tankstellen sind verpachtet; die deutsche Tamoil selbst beschäftigt weniger als 100 Mitarbeiter. Der Umsatz der Gruppe beträgt laut Medienberichten rund 1,6 Milliarden Euro.

Versorgt werden die Stationen unter anderem von der Holborn-Raffinerie, die im Jahr 2009 rund 5,2 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitete. Holborn ist die größte von drei libyschen Raffinerien in Europa; die anderen beiden liegen in der Schweiz und Italien. Die Hamburger Raffinerie ist über eine 147 Kilometer lange Pipeline an das Ölterminal in Wilhelmshaven angebunden, wird aber ebenso per Schiff versorgt. Nach Angaben von Tamoil Europa wird in den drei Raffinerien zu 55 Prozent libysches Rohöl eingesetzt.

Die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn ruft schon seit der Eskalation in dem Wüstenstaat und den brutalen Angriffen von Gaddafi-Truppen gegen die Aufständischen zum Boykott von Tamoil-Benzin auf. «Man sollte nicht mehr bei Tamoil tanken.» Das sei zwar als Autofahrer nur ein symbolischer Akt, aber immerhin besser als gar nichts zu tun.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangte vor dem EU-Gipfel in Brüssel härtere Wirtschaftssanktionen gegen das Gaddafi-Regime. In einer Regierungserklärung im Bundestag forderte sie ein «komplettes Ölembargo und weitreichende Handelseinschränkungen» gegen Libyen. «Ich hoffe, dass wir in diesem Punkt endlich eine gemeinsame Haltung erreichen.» Bislang bremst besonders Frankreich.

Kommt das Öl-Embargo doch noch, würde den Tamoil-Raffinerien wohl bald der Nachschub ausgehen. Für die deutschen Autofahrer wäre das zu verschmerzen. Bundesweit gibt es über 14.700 Tankstellen, ein Versorgungsnotstand wäre nicht zu befürchten.

mat/reu/news.de/dpa

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Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • zabelg
  • Kommentar 7
  • 01.04.2011 17:12

Es ist doch eine heuchelei von sog. "A" Gesellschaften vorne weg die Shell und BP! Wer beutet denn Länder aus Shell in Nigeria! Dort wird auf die Umweltschutz keinen wert gelegt ! Sicherheit der Ölarbeiter ein Fremdwort! Wer hat denn letzte Jahr die Umweltkatastrophe im Golf von Mexico verursacht? War das nicht BP die sich einen SCHEISS kümmern was Vorschriften betrifft! Und der Gipfel des Ganzen ist ! Wer hat den Gaddafi letzte Jahr die Hand gereicht ! Waren das nicht Blair und die Franzmänner! Über die USA will ich hier kein Wort verlieren!! Ach und das ist doch noch Venezuela.... usw

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  • Tamoil
  • Kommentar 6
  • 29.03.2011 08:11
Antwort auf Kommentar 4

Ich werde nur noch bei Tamoil/Hem tanken, auch wenn es für mich ein kleiner Umweg ist. Schließlich ist das Unternehmen an ein libyschen Staatsunternehmen gebunden. Und Libyen gilt meine ganze Solidarität gegen die Putschisten und deren verbündete Kriegstreiber aus NATO und Co.! Was wir hier aus den Medien als Information erhalten, ist pure Kriegspropaganda. Was dagegen tun? - deutsche Zeitungen anderer Länder lesen, zu sehen unter www.zeitung.de

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  • rama386
  • Kommentar 5
  • 26.03.2011 21:18

Ich bin kein gaddafi anhänger,ist scheiße was er macht,aber eine frage,was macht der französische kreuzritter?Findet ihr das gut?bringt er nicht leute um?

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