Bahnchaos droht Lokführer streiken am Freitag

Neue Warnstreiks der Lokführer am Freitag (Foto)
Neue Warnstreiks der Lokführer am Freitag. Bild: dpa

Nichts geht mehr: Am Freitagvormittag will die GDL erneut den Bahnverkehr lahmlegen. Zwischen 8.30 Uhr und 11.30 Uhr sollen die Züge stillstehen. Vom Streik betroffen sind erneut die Deutsche Bahn und sechs Privatbahnen.

Bahnfahrer müssen am Freitagvormittag wieder mit Behinderungen rechnen: Drei Stunden lang will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) streiken. Das sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky. Die Arbeitgeber forderten die GDL zugleich ultimativ zur Einstellung der Arbeitskampfmaßnahmen und zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

Die Arbeitsniederlegung von 8.30 bis 11.30 Uhr sei eine Antwort auf ein Angebot der Arbeitgeber, «das unter dem liegt, was die Lokführer bereits haben», erklärte Weselsky. Es ist der dritte Warnstreik der GDL im laufenden Streit über einen einheitlichen Rahmentarifvertrag für Lokomotivführer. Zu regionalen Schwerpunkten machte die Gewerkschaft am Donnerstagabend keine Angaben. Sie stellte lediglich klar, dass die Berliner S-Bahn nicht bestreikt werde.

Die GDL begründete die erneuten Arbeitsniederlegungen mit dem Ultimatum der Bahn. Eigentlich seien keine Arbeitskampfmaßnahmen während der Karnevalszeit geplant gewesen, «doch das Vorgehen der DB erfordert eine klare Antwort».

Eine halbe Stunde nach dem voraussichtlichen Ende des Warnstreiks läuft das Ultimatum des Arbeitgeberverbands MoVe, der die Deutsche Bahn AG und ihre Tochterunternehmen in den laufenden Tarifverhandlungen vertritt, an die Lokführergewerkschaft GDL aus.

In einem Schreiben an Weselsky wurde die Gewerkschaft aufgefordert, bis Freitag, 12 Uhr, alle Arbeitskampfmaßnahmen einzustellen und die laufende Urabstimmung auszusetzen, deren Stimmenauszählung für Montag vorgesehen ist. «Für solche Maßnahmen hat bisher keine Rechtfertigung bestanden», schrieb MoVe-Verhandlungsführer Werner Bayreuther.

Er berief sich im Wesentlichen auf die von beiden Tarifparteien unterschriebene Vereinbarung vom Juli vergangenen Jahres, wonach die Vertreter der Bahn AG einen Bundesrahmentarifvertrag für Lokführer erst unterschreiben, wenn so viele weitere Privatbahnen inhaltsgleiche Tarifverträge unterschrieben haben, «dass mehr als die Hälfte der nicht im Bahnkonzern beschäftigten Lokführer von diesen Regelungen erfasst sind».

Bahn-Arbeitgeber wollen «vorbehaltlos verhandeln»

Die GDL vertritt rund 26.000 Lokführer, von denen rund 20.000 bei der DB AG beschäftigt sind. Es müssten also Unterschriften unter Tarifverträge gesetzt werden, die für mehr als 3.000 Lokführer außerhalb des DB-Konzerns gelten. Zugleich erklärte der Verband seine Bereitschaft, «über alle Einzelheiten des Entwurfs vorbehaltlos zu verhandeln».

Mit dem Tarifvertrag, für den die GDL am 10. Januar 2011 einen Entwurf vorgelegt hat, sollen einheitliche Arbeitsbedingungen für alle bei der Deutschen Bahn AG und den Privatbahnen beschäftigten Lokomotivführer hergestellt werden.

Weselsky vertrat in einem Interview des WAZ-Onlineportals derwesten.de den Standpunkt, es müsse zunächst ein neues Angebot der Arbeitgeber vorgelegt werden. «Ein Lokführer bei der DB hat ein Einstiegsgehalt von 2.295 Euro pro Monat», sagte er. Bei den Privaten böten das nur wenige. «Es gibt aber Firmen, in denen Lokführer bis zu 30 Prozent weniger verdienen als bei der Bahn AG.»

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber appellierte in Leipzig zugleich öffentlich an die Gewerkschaft, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Mit einem Arbeitskampf sei es unmöglich, zu einer Einigung im Tarifstreit zu kommen.

cvd/news.de/dapd

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