Benzinpreise Explosion an der Tankstelle

Die Ölmärkte reagieren nervös auf die Unruhen in Libyen. Hierzulande schnellen die Benzinpreise nach oben. Ist der Anstieg an den deutschen Zapfsäulen gerechtfertigt oder nutzen die Ölfirmen die Lage in der arabischen Welt aus?

Tankstellenpreise (Foto)
Nach den Unruhen in Libyen ist der Benzinpreis in Deutschland nach oben geschossen. Bild: dpa

Die anhaltenden Unruhen in Libyen betreffen uns unmittelbarer, als mancher vermuten mag: Wer dieser Tage kopfschüttelnd auf die Preistafel seiner Tankstelle schaut, der sieht dort die Folgen des libyschen Aufstands.1,53 Euro pro Liter muss man derzeit im Schnitt an deutschen Zapfsäulen zahlen - damit klettert der Preis für Superbenzin langsam, aber stetig in Richtung des Allzeithochs vom Sommer 2008. Bis zu 1,60 Euro musste man damals für den Liter Super hinlegen. Auch der Diesel ist derzeit mit 1,43 Euro auf Rekordkurs. 

Um die hohen Preise an den deutschen Tankstellen zu rechtfertigen, wird von den Mineralölunternehmen gerne der hohe Weltmarktpreis für Rohöl angeführt. «Der Benzinpreis steigt, weil sich der Produktpreis für Öl immer weiter verteuert», sagte Karin Retzlaff vom Verband der Mineralölwirtschaft zu news.de. Tatsächlich reagieren die Ölmärkte nervös auf die angespannte Situation in vielen arabischen Ländern. Seit den ersten Unruhen hat sich der Preis in Europa um mehr als zehn Prozent verteuert. Die Nervosität an den Märkten sorgte dafür, dass der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Ölsorte Brent am Donnerstag bis auf 120 US-Dollar hochschnellte und damit deutlich über der letzten Höchstmarke vom September 2008 lag. Derzeit kostet das Barrel etwa 114 Dollar, auch das ist teurer als im September 2008.

Deutschland: Woher fließt das Öl zu uns?

Das Öl ist dabei noch gar nicht wirklich knapp geworden. Doch allein die Angst, dass die Unruhen auf andere Länder überspringen könnten, treibt den Öl-Preis nach oben. Gespannt wird vor allem auf die Lage in Saudi-Arabien geschaut, dem zweitgrößten Erdöllieferanten der Welt. Die aktuellen Nachrichten aus Libyen tragen nicht zur Beruhigung der Märkte bei: Die meisten ausländischen Ölfirmen haben ihre Mitarbeiter ausgeflogen und die Förderung eingestellt.

«Sonderprofit wegen der Nervosität»

Libyen ist mit 7,3 Millionen Tonnen im Jahr der fünftgrößte Erdöllieferant für Deutschland. Allerdings sind sich die Experten einig, dass sich die ausgefallenen Fördermengen über den Markt ausgleichen lassen. «Libyen produziert nur zwei Prozent des globalen Öls, Produktionsausfälle könnten leicht kompensiert werden», sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zu news.de.

Die Vertreter der Verkehrsbranche kritisieren denn auch, die Ölunternehmen würden die Lage ausnutzen, um Gewinn zu machen. «Die Konzerne machen das, was sie immer getan haben: Sie nutzen jede Gelegenheit, um mehr Geld zu verdienen», sagt Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). «Was da mitgenommen wird, ist ein Sonderprofit wegen der Nervosität.» Das sei kein falscher Gedanke, findet auch Jürgen Albrecht vom ADAC. «Die Konzerne versuchen immer das Preismaximum zu realisieren, das am Markt durchsetzbar ist», sagte Albrecht zu news.de.

Dass die Entwicklung am Weltmarktpreis für Öl entscheidenden Einfluss auf die Benzinpreise in Deutschland habe, streitet aber auch der ADAC nicht ab, der sonst mit Vorliebe die Mineralölkonzerne in die Mangel nimmt. Der ADAC akzeptiere, so Alnbrecht, dass der Ölpreis Grundlage für die Preise an der Tankstelle ist. Es gebe zwar immer mal Phasen, in denen der Preis zu hoch sei, doch der jetzige Anstieg sei gerechtfertigt. «Es gibt einen langfristigen Zusammenhang zwischen Öl und Benzinpreis, der sich nicht dauerhaft außer Kraft setzen lässt», sagte Albrecht. «Der Preis an der Börse bestimmt den Preis an der Tankstelle», meint auch Energie-Expertin Kemfert vom DIW.

Diesel «deutlich überteuert»?

Die Verkehrsbranche kritisiert jedoch auch immer wieder, dass die Ölunternehmen gesunkene Rohstoffpreise gar nicht oder nur sehr langsam an die Verbraucher weitergeben würden. So sei laut ADAC der Diesel-Kraftstoff momentan «deutlich überteuert». Die Mineralölbranche verteidigt sich mit den täglichen Schwankungen an den Märkten. Die Autofahrer würden schließlich kein Rohöl tanken und die Märkte für Ölprodukte eigenen Gesetzen folgen. Zudem bestehe laut Retzlaff vom Mineralölverband der Preis an der Tankstelle zu 60 Prozent aus Steuern. Ein Drittel mache der Rohölpreis aus und nur rund 6,4 Prozent würden die Tankstellen bestimmen.

Wie auch immer sich der Preis zusammensetzt - schaut man sich die Entwicklung der Benzin- und Ölpreise an, bewegen sie sich beständig in die gleiche Richtung: nach oben. Zwar gab es immer mal wieder Einschnitte wie 1986, als die Saudis ihre Förderung kurzfristig nach oben fuhren und so den Markt mit günstigem Öl überschwemmten. Doch im Schnitt stieg der Ölpreis von 1,63 Dollar pro Barrel im Jahr 1960 auf teilweise über 100 Dollar in den letzten beiden Jahren. In der gleichen Zeit stieg der Preis für Normalbenzin von 30,7 Cent pro Liter auf den heutigen Wert von teilweise mehr als 1,50 Euro.

«Öl wird knapper und somit auch teurer, die Nachfrage steigt, das Angebot kann nur begrenzt ausgeweitet werden», erklärt DIW-Expertin Kemfert diese Entwicklung. Hoffnungen darauf, dass die Preise wieder deutlich zurückgehen, macht Retzlaff vom Mineralölverband nicht. «Preisfälle wären möglich heutzutage – aber nur, wenn die Menschen in China entscheiden, dass sie nicht mehr Auto fahren wollen.»

knr/reu/news.de/dpa

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Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • uwe schmidt
  • Kommentar 7
  • 09.03.2011 00:05
Antwort auf Kommentar 2

,,respekt,,!,, auch du wirst nicht vergessen

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  • 0815
  • Kommentar 6
  • 06.03.2011 19:14

Na Prima! Wenn wir nun alle in den Tank pinkeln, dann haben wir den gleichen ökologischen und ökonomischen Effekt! Den unverschämt hohen Preis müssen wir trotzdem bezahlen. Es lebe die freie Wirtschaft.

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  • hellboy
  • Kommentar 5
  • 02.03.2011 10:49

Dioxin im Essen, Kompost im Sprit! -und das sind u.a. nur wenige Errungenschaften, die wir "dulden" müssen und teuer bezahlen! Wir haben wirklich viel erreicht, in dieser BRD!? Klopfen wir uns, wie unsere Pleitepolitiker es nach Wahlniederlagen, mal wieder auf die Schultern, und sagen zu uns, wie gut wir doch sind...

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