Trennbankensystem Geteiltes Leid ist halbes Leid

Banken (Foto)
Die Frankfurter Bankenskyline aus einem Fenster der Commerzbank betrachtet. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Riskantes Investmentbanking und normales Kundengeschäft unter einem Dach birgt Gefahren. Eine Lösung wäre die Aufspaltung der Banken, wie es sie in den 1930er-Jahren in den USA gegeben hat. In Deutschland ist der Vorschlag umstritten.

Sie sind zu groß, um zu fallen. Oder wie es in der Krisenzeit aus dem Englischen übernommen wurde: «Too big to fail»: Riesige Finanzkonglomerate, die für die Funktion einer Volkswirtschaft offenbar so wichtig sind, dass sie trotz ihrer Fehlspekulationen mit Milliarden an Steuergeldern gerettet werden mussten.

Seit Ausbruch der Krise scheint die Rettung der großen Banken stets alternativlos - bis heute. Aufgrund ihrer sogenannten systemischen Bedeutung werden ganze Länder unter einen Rettungsschirm gestellt, da eine Staatspleite viele dieser Banken mit in den Abgrund ziehen würde.

Trennbankensystem wie in den USA

Als Ausweg aus «too big to fail» wurde in verschiedenen europäischen Staaten unter anderem über ein Trennbankensystem diskutiert, so wie es die Amerikaner nach der ersten Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren eingeführt hatten. Seitdem durften die Geschäftsbanken nicht mit dem Geld ihrer Sparer spekulieren. Die Einführung eines Trennbankensystems mit spezialisierten Investmentbanken war die Folge.

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US-Präsident Barack Obama wollte dieses System, das im Laufe der Jahre in den USA wieder aufgeweicht wurde, im vergangenen Jahr erneut einführen. Doch konnte sich Obama nicht gegen die Republikaner und die Bankenlobby durchsetzen.

Auch die Schweizer diskutierten über ein Trennbankensystem. Im September des vergangenen Jahres wurde vom Bundesrat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die verschiedene Lösungsvorschläge vorlegte. Das Trennbankensystem in der amerikanischen Version wurde von den Experten zwar abgelehnt, dafür schlagen die Mitglieder der Arbeitsgruppe dem Parlament jetzt ein sogenanntes Bridge-Banken-System vor. Die Debatte darüber beginnt in den nächsten Wochen.

Ein Bridge-Banken-System bedeutet in der Praxis: Im Ernstfall würden aus den beiden Großbanken UBS und Credit Suisse die für die schweizerische Wirtschaft wichtigen Bereiche herausgetrennt und in eine Bridge-Bank überführt. Der Rest wäre nicht mehr systemrelevant und könnte in eine Insolvenz geführt werden - was bisher unmöglich schien.

Ein Trennbankensystem in Deutschland?

In Deutschland steht derzeit weder ein Trennbankensystem noch die Möglichkeit von Brigde-Banken auf der politischen Agenda. Obwohl es auch hierzulande einen gewissen Charme hätte, wie Martin Faust, Professor an der Frankfurt School of Management, zugeben muss: «Ich halte es schon für wichtig, dass die Banken nicht mit dem Geld der Anleger spekulieren», sagt er.

Der Wissenschaftler weist aber darauf hin, dass Investmentbanking nicht per se schlecht sei und für Privatkunden und Unternehmen Vorteile habe: «Wenn Sie ein Zertifikat kaufen, dann ist das ein Produkt des Investmentbankings. Oder nehmen wir ein mittelständiges Unternehmen, das Währungsgeschäfte abschließt, das ist auch Investmentbanking. Das hat nichts mit Zocken zu tun.»

Alternativen zum Trennbankensystem

Das Problem am Trennbankensystem ist laut Martin Faust, dass man nicht zwischen Kundengeschäften und Eigengeschäften der Banken trennen kann. In den Eigenhandelsgeschäften sieht der Wissenschaftler aber das Problem. Investmenbanking sei vor allem riskant, wenn es die Banken auf eigene Rechnung machen würden, betont der Finanzexperte: «Den Eigenhandel der Banken muss man stärker kontrollieren.»

Die Grünen denken ähnlich: Ein klares Trennbankensystem lehnen sie ebenso ab. Sie befürworten stattdessen die Idee einer Holding, bei der die zwei Bereiche Investmentbanking und Geschäftsbanking weiter unter einem Dach laufen, aber voneinander trennbar sind. «Man muss als Unternehmen dann nicht zu fünf verschiedenen Banken gehen, um verschiedene Services zu nutzen», sagt Jan Weder, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Grünen-Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick. Der Vorteil der Holding sei, dass man die einzelnen Bereiche getrennt in die Insolvenz führen könne, sagt Weder. Zudem könne man höhere Sicherheitsforderungen für den Investmentbankingbereich aufstellen.

Etwas weniger konkret die Absichten der SPD: Die Sozialdemokraten sprechen sich zwar für Maßnahmen aus, die die Problematik «too big to fail» und «too connected to fail» verringern könnten. Dabei werde auch über Vor- und Nachteile eines Trennbankensystems diskutiert, sagt Pressereferent Ali von Wangenheim. «Es gibt aber noch keine Festlegung auf dieses System.»

Die Liberalen auf der anderen Seite lehnen die Aufteilung der Banken grundsätzlich ab: «Die Einführung eines Trennbankensystems löst die Probleme nicht. Als Konsequenz der Finanzkrise muss die Haftung gestärkt werden», fordert FDP-Bundestagsabgeordneter Frank Schäffler. «Der Steuerzahler darf nicht immer als Retter herangezogen werden. Um dies zu erreichen, muss die Bankenaufsicht gestärkt und die geordnete Abwicklung von Banken ermöglicht werden.»

reu/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 3
  • 09.01.2011 12:03

All das ist nicht so einfach, wie sich das Laien ausmalen. Ein Gesetz für zukunftsträchtiges Banking ist ein Ding der Unmöglichkeit, denn das Geld passt nicht in ein Gesetz. Abgesehen davon, dass Politiker nichts von Geld verstehen, aber mit genausoviel Milliarden wie Banker zocken. Ein Bewertungsprinzip für das Wesen des Geldes wäre zum Beispiel die Kritik, dass Leute fanatisch daran glauben, dass Geldschöpfung (also z.B. Kapitalzinsen) reicher macht, als die reale Produktion von Wirtschaftsgütern. Geld ist eine Art Religion, eine Religion kann man nicht gesetzlich regeln.

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  • Fabian999
  • Kommentar 2
  • 08.01.2011 17:59

Ja, da haben Sie recht, aber solange die FDP mitbestimmen kann, wird wohl keine Mehrheit sich finden lassen für ein Gesetz der diese Herren mit weissem Handschuhe das Handwerk legt. Es ist schon einen Vorteil das die Sparkassen und Volksbanken NICHT mit dem Geld der Sparer ins Kasino gehen dürfen, aber wenn die Herren Politiker noch dazu Reden was gemacht wird (Landes Banken!) dann rettet uns Wer, Wie und Wohin?

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  • Paul Gibson
  • Kommentar 1
  • 08.01.2011 14:28

Das Hauptübel sind doch fehlende Gesetze seitens der Regierungen. Kein "Normalbürger" kann/darf sich ungefragt Geld von anderen nehmen und dieses "verzocken". Tut er dies und wird erwischt, dann wird er bestraft. Mal simpel ausgedrückt: Diverse Bankmanager mit hoher krimineller Energie haben sich die Möglichkeit geschaffen haben, das Geld Ihrer Kunden ungefragt zu nehmen und damit "Roulette zu spielen" und dagegen gibt es kein Gesetz. Dennoch bleibt es zumindest moralisch ein Wirtschaftsverbrechen. Dagegen hilft nur volle Enteignung dieser Personen und langjährige Haft.

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