Energieversorgung Saftige Preise zum neuen Jahr

Strompreise steigen 2011 auf breiter Front (Foto)
Strompreise steigen 2011 auf breiter Front. Bild: dpa

Für jeden zweiten Haushalt erhöhen sich im nächsten Jahr die Strompreise. Diese Preispolitik stößt auf wachsende Kritik, Gutachten bezeichnet Verteuerung als «nicht nachvollziehbar». Gaskunden erwartet dagegen eine uneinheitliche Entwicklung.

Zum Jahreswechsel steigen die Strompreise für jeden zweiten Haushalt in Deutschland. Auch Millionen Gasverbraucher müssen tiefer in die Tasche greifen. Das geht aus einem am Dienstag vorgelegten Marktüberblick des Verbraucherportals Verivox hervor. Danach haben 500 Stromversorger für den 1. Januar Preiserhöhungen von durchschnittlich sieben Prozent angekündigt. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden bedeute dies jährliche Mehrkosten von durchschnittlich 66 Euro.

Ein Ende der Preiserhöhungswelle scheint nicht in Sicht. Für Februar 2011 haben der Untersuchung zufolge bereits 41 weitere Stromversorger Preiserhöhungen von durchschnittlich acht Prozent angekündigt. Die meisten Stromversorger machten die zum Jahreswechsel gestiegene EEG-Umlage, über die der Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert wird, für den Preisanstieg verantwortlich, berichtete Verivox.

Die Preispolitik der Energiekonzerne stößt allerdings mittlerweile auf scharfe Kritik. In einer von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegebenen Studie bezeichnete der Energiewissenschaftler Gunnar Harms die Preiserhöhungen für Haushaltskunden als nicht gerechtfertigt. Denn die Stromkonzerne könnten die Anhebung der EEG-Umlage durch Einsparungen an anderer Stelle vollständig kompensieren. So seien die Beschaffungskosten für Strom seit Herbst 2008 um 30 bis 40 Prozent gesunken. Dieser Preisverfall sei aber nie an die Endkunden weitergegeben worden.

Uneinheitliche Entwicklung beim Gas

Durch die «nicht nachvollziehbaren Preiserhöhungen» kassierten die ohnehin gut verdienenden Stromkonzerne offenbar grundlos bei ihren Kunden insgesamt zwei Milliarden Euro zusätzlich ab, rügte der Gutachter, der auch stellvertretender Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher ist. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass 2010 ertragsmäßig ein Rekordjahr insbesondere für die vier großen Stromversorger wird. «Ihr gesamter Jahresgewinn dürfte bei rund 30 Milliarden Euro liegen. Nie zuvor haben sie einen höheren Gewinn eingefahren», analysierte Harms.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, kritisierte in der Leipziger Volkszeitung die Stromkonzerne: «Hier wird ein Vorwand genutzt, um ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu kaschieren.» Die Energieexpertin der Fraktion, Ingrid Nestle, rügte in der Saarbrücker Zeitung: «Die Versorger erhöhen vielfach die Preise, um ihre Gewinne zu steigern.»

Weniger einheitlich als beim Strom ist die Entwicklung beim Gas. Doch sei auch hier im Durchschnitt ein leichter Preisanstieg zu verzeichnen, berichtete Verivox. Zum Januar 2011 hätten 81 Gasanbieter Preiserhöhungen von durchschnittlich sieben Prozent angekündigt. Ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden müsse hier zukünftig 90 Euro pro Jahr mehr bezahlen. Gleichzeitig hätten aber auch 38 Gasversorger Preissenkungen von durchschnittlich sechs Prozent angekündigt.

Der Grund für die unterschiedlichen Preistendenzen beim Gas liegt in den verschiedenen Beschaffungsstrategien der Unternehmen. Während sich einige Gasversorger zurzeit günstig im Großhandel eindecken können, müssen andere langlaufende Abnahmeverträge mit höheren Preisen und Ölpreisbindung erfüllen.

cvd/news.de/ap

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