Verbraucher Krankenversicherung: Sinnvolle Zusatzpolicen

Hamburg/Bonn (dpa/tmn) - Ob Chefarztbehandlung oder Krankentagegeld - auch gesetzlich Krankenversicherte können ihren Versicherungsschutz mit Zusatzpolicen erweitern. Angebote gibt es über die gesetzlichen und privaten Versicherer. Doch nicht jede Police ist sinnvoll.

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Krankenversicherung: Sinnvolle Zusatzpolicen Bild: dpa

Hamburg/Bonn (dpa/tmn) - Ob Chefarztbehandlung oder Krankentagegeld - auch gesetzlich Krankenversicherte können ihren Versicherungsschutz mit Zusatzpolicen erweitern. Angebote gibt es über die gesetzlichen und privaten Versicherer. Doch nicht jede Police ist sinnvoll.

«Der Markt mit den Zusatzpolicen boomt», sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Der Grund: Gesetzlich Krankenversicherte ärgern sich oft über Kürzungen und fürchten um ihre Gesundheit.

«Man muss nur existenzielle Risiken absichern», sagt der Rechtsanwalt und Versicherungsberater Roland Harstorff. Und diese sind dem Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Versicherungsberater in Bonn zufolge selten. Vor Abschluss einer Police sollte sich jeder fragen: «Muss ich das machen?» Bei der Auswahl hilft die Einteilung der Experten: Sie unterscheiden zwischen Muss-, Kann- und Luxusversicherungen.

Ein Muss ist die Auslands-Krankenversicherung. «Die sollte wirklich jeder haben, der ins Ausland fährt», sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. In der gesetzlichen Krankenversicherung sei der Versicherungsschutz im Ausland nur teils enthalten. In manchen Ländern besteht sogar gar kein Versicherungsschutz.

Selbstständige kommen am Krankentagegeld nicht vorbei. Bei schweren und langfristigen Erkrankungen sichert dieses ihr Einkommen. Wenig Sinn habe es aber, eine Police abzuschließen, die bereits ab dem ersten Tag einer Erkältung zahlt, erläutert Rudnik. «Das wird zu teuer.» Sinnvoller sei eine Versicherung, die beispielsweise ab der vierten Woche eintritt.

Als Kann-Versicherungen stufen die Experten das Gros der Zusatzpolicen ein. Dazu zählen auch stationäre Zusatzleistungen. Diese Zusatzversicherung bietet Bausteine wie das Ein- oder Zweibettzimmer, Chefarztbehandlung und die freie Krankenhauswahl.

Zahntarife dagegen sind zwar die beliebteste Zusatzpolice, doch bestenfalls ein Kann. «Als 40-Jähriger zahle ich für einen guten Zahnersatz-Tarif circa 22 Euro pro Monat», sagt Harstorff. «Man müsste alle anderthalb bis zwei Jahre eine neue Krone bekommen, damit sich das rechnet.» Wirtschaftlicher sei es, monatlich 20 Euro beiseite zu legen, um im Ernstfall auf das Gesparte zurückgreifen zu können.

Eher Luxus sind ambulante Tarife wie die Befreiung von Praxisgebühr und Zuzahlungen. «Auch den Heilpraktiker kann man eher aus der eigenen Tasche bezahlen», sagt Rudnik. Die Brillenversicherung rechne sich nur selten und «absolut überflüssig» sei die Krankenhaus-Tagegeldversicherung.

Abschließen kann man die Zusatzverträge über die eigene gesetzliche Krankenversicherung oder direkt beim privaten Anbieter. Welche Variante besser ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Die Gesetzlichen bieten zwar Sonderkonditionen an, da sie von Rahmenverträgen mit ihren privaten Kooperationspartnern profitieren. Dennoch finden sich häufig günstigere Angebote bei den privaten Anbietern. Wer die Zusatzpolicen über seine gesetzliche Kasse abschließt, läuft zudem Gefahr, beim Wechsel der Krankenkasse auch seine Zusatzverträge zu verlieren. Vorteilhaft beim Abschluss über die gesetzliche Kasse sei dagegen, dass deren Gesundheitsprüfung oft weniger streng ist, sagt Rudnik.

Versicherungsinfos vom Bund der Versicherten

Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Bei Gesundheitsfragen richtig antworten

Wer eine vermeintlich unwichtige Vorerkrankung verschweigt, riskiert seinen Versicherungsschutz. «Wenn man unsicher ist, ob ein Wehwehchen relevant ist, muss man nachfragen», betont Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Darüber hinaus müssten Verbraucher darauf bestehen, das alles, was besprochen wurde, ins Beratungsprotokoll eingetragen wird. Ein solches muss der Vermittler gemäß seiner Beratungs- und Dokumentationspflicht ausstellen. Auch gelegentliche Rückenschmerzen und der leichte Heuschnupfen im letzten Frühjahr gehören hier herein, besonders dann, wenn der Berater behauptet, das mache nichts.

news.de/dpa

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