Arabische Touristen Burkaverbot - schlecht fürs Geschäft?

In immer mehr Ländern wird ein Burkaverbot eingeführt. In Deutschland wird es zumindest diskutiert. Doch Burkas tragen nicht nur Immigranten, sondern auch Touristen aus dem Golf. Und die haben Geld. Ob sie jetzt europäische Länder meiden?

Burkaverbot  (Foto)
Das Burkaverbot in Frankreich ist sehr umstritten. Bild: dpa

Wer schon einmal auf Münchens Luxusmeilen entlangspaziert ist, dem sind mit Sicherheit die arabischen Touristen aufgefallen. Ein gut gekleideter Mann und daneben oder dahinter seine, nicht selten in einen schwarzen Umhang verhüllte, Frau. 

Ob nun dieses Bild Markus Söder ein Dorn im Auge war, oder ob den bayerischen Umweltminister die integrationsresistenten Immigranten störten, weiß nur er allein. Im September sagte er jedenfalls in einem Interview: «Man sollte in Deutschland über ein Burkaverbot nachdenken.» Margarete Bause von den Grünen im Landtag warf Söder daraufhin vor, ein längst abgehaktes Thema zu einem Schaufensterkampf zu missbrauchen und auf der «Sarrazin-Welle» mitzusurfen.

Die Stadt München reagierte kritisch auf Söders Äußerung: «Ein Verbot oder auch schon eine ernsthafte Diskussion darüber wäre ein katastrophales Signal an unsere Gäste aus den Arabischen Golfstaaten und auch an alle anderen internationalen Gäste», sagt Stadtsprecherin Susanne Mühlbauer auf news.de-Anfrage. «München ist eine weltoffene, tolerante Stadt, deren Bewohner ganz nach dem entspannten Motto ‹leben und leben lassen› die Gäste aus den Arabischen Golfstaaten und aus allen anderen Ländern als spannende Bereicherung empfinden, ob sie nun Burka tragen oder nicht. Ein Verbot wäre ein empfindlicher Schlag gegen die Liberalitas Bavariae.»

Immer mehr Araber in München

Für die Stadt München sind die Gäste aus den Golfstaaten eine zahlenmäßig ansteigende Touristengruppe. 1994 konnten laut Angaben der Stadt knapp 8000 Besucher aus dieser Region gezählt werden, 2009 seien es bereits etwa 78.000 gewesen. Mit einem Anteil von mehr als sechs Prozent an allen Übernachtungen aus dem Ausland lagen die Gäste aus den Arabischen Golfstaaten damit nach den USA, Italien, Großbritannien und der Schweiz bereits auf Platz fünf der Auslandsstatistik.

Die arabischen Touristen sind deshalb besonders beliebt, weil sie meist über ein üppiges Vermögen verfügen. Und das wirkt sich auf ihr Reiseverhalten aus: «Sie bleiben länger als der durchschnittliche GastSie bleiben rund 3,5 Nächte, im Schnitt liegt die Übernachtungszahl bei zwei Nächten. und geben durchschnittlich mehr GeldRund 550 Euro, der Durchschnitt liegt bei 192 Euro. aus», sagt Susanne Mühlbauer.

Wie würde sich ein Burkaverbot auswirken?

Arabische Touristen sind als Touristen demnach sehr beliebt, und das auch als Patienten in Deutschen Kliniken. Ob sich ein Burkaverbot kurzfristig negativ auf die Touristenzahlen auswirken würde, ist nur schwer einzuschätzen. Jens Juszczak, Experte für Medizintourismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg glaubt, dass die direkten Auswirkungen eher gering seien. «Zum einen ist es fraglich, ob es sich bei ausländischen Staatsbürgern ohne politische Verwicklungen durchsetzen lässt. Zum anderen verfügt die Klientel über die finanziellen Mittel, die Strafe zu bezahlen.»

Langfristig könne sich ein Burkaverbot allerdings auswirken. «Problematisch schätze ich die langfristigen Imagewirkungen ein. Die Botschaften könnten zukünftig weniger Patienten schicken und auf andere Märkte wie Belgien, Holland und Österreich ausweichen. Die Anzahl arabischer Patienten verändert sich allerdings seit Jahren nur sehr gering.»

Auch Layla Khaled, die einen Internetblog über arabische Mode betreibt, sieht kurzfristig keine allzu großen Auswirkungen: «Die sogenannten Burkaträgerinnen machen eine kleine Minderheit in der Bevölkerung aus, und die Touristen, die Luxus shoppen gehen, tragen überwiegend nur normales Kopftuch», so Layla Khaled. Aber auch sie weist auf langfristige Auswirkungen auf das Image hin: «Vielmehr geht es dabei um das Prinzip, da die muslimische Gemeinschaft auf eine Art zusammenhält und solche Länder dann halt einfach boykottiert werden.»

Lesen Sie auf Seite 2, wie die Situation in Frankreich ist

Was in Deutschland diskutiert wird, ist bei unseren Nachbarn in Frankreich bereits Realität. Seit September ist das Tragen von Ganzkörperschleiern verboten. Wer weiterhin eine Burka trägt, muss künftig mit einem saftigen Bußgeld rechnen. Für Verstöße ist eine Strafe von 150 Euro vorgesehen. Drastisch wird es für Männer, denen nachgewiesen wird, dass sie ihre Frau in die Burka gezwungen haben. Sie werden mit bis zu einem Jahr Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 30.000 Euro bestraft.

Aufgrund des Verbotes wurde es arabischen Frauen gestattet, ihren Gesichtsschleier abzulegen, wenn sie beispielsweise nach Frankreich reisen. Diese Ausnahme wurde durch eine FatwaEine Fatwa ist ein islamisches Rechtsgutachten. Eine Fatwa wird auf Anfrage einer Einzelperson oder eines Juristen angefertigt, um ein Problem, das im Rahmen der islamischen Religion aufgetreten ist, zu klären. des saudischen Scheichs Aed Al-Qurani erteilt, damit die Frauen in diesen Ländern nicht «belästigt» und «schikaniert» werden.

Vor der Einführung des Verbotes sagte er der überregionalen arabischen Tageszeitung Al-Hayat: «Wir sollten mit den Menschen in ihren Ländern nicht auf Konfrontationskurs gehen (…). Vor allem dann, wenn das zu negativen Reaktionen oder Belästigungen führt, oder wenn jemand dabei gar zu Schaden kommt, dann sollte die Frau ihr Gesicht zeigen.»

Kritik aus der islamischen Welt

Aed Al-Qurani gestattet seinen Landsleuten die Ausnahmeregel zwar, das Verbot kritisiert er trotzdem: «Das ist unlogisch und irrational für die französische Regierung, derartiges zu beschließen», betonte Aed Al-Qurani. Objektive Nicht-Muslime hätten das Verbot ebenfalls kritisiert, da ein säkularer Staat die Religionsfreiheit und religiösen Rituale, einschließlich der von Muslimen, respektieren sollte.

Trotz lauter Kritik an Frankreich, auf den Touristenstrom aus den arabischen Ländern hat das Burkaverbot bisher wenig Auswirkungen. Die Pariser Botschaft von Saudi-Arabien konstatiert jedenfalls keine Veränderung.

Stephanie Cadet von der französischen Tourismuszentrale «Atout France» sagt ebenso auf Anfrage von news.de: «Es gibt keine Verringerung der Touristenzahlen aus den arabischen Ländern. Viele sind zwar mit dem Gesetz nicht einverstanden, andere finden sich damit ab, die Zahlen haben sich aber nicht verringert.»

Anders Nasr al-Tayyar, der Vorsitzende eines großen saudischen Reisebüros, sagte im Sommer zu Al-Hayat, dass vor allem konservative saudische Familien ihre geplanten Reisen nach Frankreich storniert hätten.

Bei den Diamantenhändlern in der französischen Hauptstadt gibt man sich bedeckt. Das sei eine vertrauliche Information, sagt ein Sprecher von Scherle. Bei Diamprest heißt es: «Es gibt keine Verbindung zwischen Politik und Geschäft, Diamanten finden Geld», so die forsche Dame am Telefon, die im Übrigen der Meinung ist, dass das ein sehr gutes Gesetz sei.

Wo es in Europa Burkaverbote gibt

Lleida hat an diesem Wochenende als erste spanische Stadt ein Gesetz gegen das Tragen von islamischen Ganzkörperschleiern in öffentlichen Einrichtungen eingeführt. Andere spanische Städte wie Barcelona haben ähnliche Schritte unternommen. Die Verbote sind aber noch nicht rechtsgültig. Mittlerweile überlegt auch Spaniens Regierung, ein Burkaverbot als Teil eines künftigen Gesetzes einzuführen, das eine Reihe religiöser Angelegenheiten regeln soll.

In Belgien hat die Abgeordnetenkammer im April ein solches Gesetz verabschiedet, das aber noch durch den Senat bestätigt werden muss. Weiterhin wird ein Burkaverbot in der Schweiz und in Österreich diskutiert, wobei sich die Touristenorganisationen dieser Länder dagegen aussprechen - aus Angst, arabische Touristen zu vergraulen.

cvd/ivb/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Werner Kübler
  • Kommentar 2
  • 12.12.2010 11:17

Burka-Verbot.: Spätestens dann, wenn der erste Terrorist sich unter einer Burka einschleicht, wird klar wie ein Verbot hilft. Nur die dahinter stehenden " Patriarchen" und die restliche männliche Verwandtschaft müssten härter bestraft werden. Frankreich ist hier noch zu human.

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  • berndziggel1
  • Kommentar 1
  • 11.12.2010 15:16

Es kann ja nicht nur ums Geld gehen, es muss auch um unsere Werte gehen! Bei uns ist die Frau gleichberechtigt und wird nicht komplett versteckt. Das sollten unsere Freunde auch akzeptieren und sich dementsprechend verhalten! Ich bin in Dubai vor einem Supermarkt mit meiner Freundin mit Steinen geworfen worden, weil die einfach lange Weile hatten. Wir sind weggegangen, weil wir immer den Kürzeren gezogen hätten. Alle vernünftigen Menschen sind bei uns Willkommen,sollten aber auch Respekt vor unseren Werten haben!

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