Irland in Gefahr Worum geht es in der Euro-Krise?

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Bank of Ireland in Dublin (Archivbild): Nothilfe könnte verhindern, dass andere Sorgenkinder mit in den Strudel gerissen werden.   Bild: dpa

Von Marion Trimborn
Nimmt Irland als erstes Land den Euro-Rettungsschirm in Anspruch? Seit Tagen sorgen Spekulationen für Aufregung. Der richtige Kurs in der Krise ist umstritten. News.de präsentiert die wichtigsten Fragen und Antworten, um das Thema zu durchschauen. 

Seit mehr als einem halben Jahr steht der Euro-Rettungsschirm bereit. Gebraucht hat ihn bislang niemand. Der Fonds umfasst gigantische 750 Milliarden Euro und kann im Notfall wackelnde Euro-Länder mit rascher Finanzhilfe in Form von Krediten unterstützen. Das trug zur Beruhigung der Finanzmärkte bei. Nun sorgen Spekulationen für Aufregung, dass das hochverschuldete Irland die Hilfe in Anspruch nehmen könnte.

Wie ist die Lage in Irland?

Das Euro-Mitglied Irland steckt in einer schweren Wirtschaftskrise und hat sich mit milliardenschweren Rettungsmaßnahmen für seine maroden Banken in eine Rekordverschuldung gestürzt. Investoren bezweifeln, dass Dublin seine Schulden zurückzahlen kann. Anders als bei Griechenland, das im Frühjahr vor dem Kollaps gerettet werden musste, gibt es aber keinen Liquiditätsengpass - Irland braucht vor Mitte 2011 kein frisches Geld mehr. «Warum sollen wir unter diesen Umständen Hilfe anfordern? Das ergibt keinen Sinn», sagt Finanzminister Brian Lenihan.

Warum sollte Irland dann unter den Rettungsschirm flüchten?

Um sich und andere abzusichern, sagen Befürworter. Die Nothilfe könnte verhindern, dass andere Sorgenkinder wie Spanien und Portugal mit in den Strudel gerissen werden. Der Schritt wäre Balsam für die Banken, die Milliarden Forderungen gegenüber dem Inselstaat haben, und für die nervösen Finanzmärkte, die die anderen Euro-Sorgenkinder in Sippenhaft nehmen. So sind Kredite für diese Staaten seit Wochen teurer geworden, weil die Risikoaufschläge für Anleihen steigen. Der irische Bankensektor könnte schneller saniert werden.

Und was spricht dagegen?

Wäre Irland abgesichert, könnten sich Spekulanten auf das nächste Land stürzen und beispielsweise auf eine Pleite Spaniens oder Portugals wetten, meinen die Gegner. Das wäre genau der gegenteilige Effekt. Deshalb sollte man nichts überstürzen, sagt der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn: «Dies ist die Zeit für kühle Köpfe.»

Wer drängelt?

EU-Diplomaten nennen neben Spanien und Portugal auch Großbritannien und Deutschland. Denn unter den ausländischen Geldgebern haben britische und deutsche Banken das meiste Geld in irische Anleihen gesteckt, allein deutsche Banken haben etwa 140 Milliarden Euro an Irland verliehen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) mache Druck, heißt es: Die EZB hat in jüngster Zeit vermehrt Anleihen von Euro-Staaten gekauft. Eine Aktivierung des Hilfsfonds könnte den Druck auf die Notenbank, wo das Aufkaufprogramm umstritten ist, mindern.

Wo verlaufen in der Schuldenkrise die Fronten in der EU?

Grob gesagt zwischen Schuldnern und Gläubigern. Auf der einen Seite stehen die europäischen Schuldnerländer Griechenland, Irland, Portugal und Spanien, die schon die Diskussion über ihre finanzielle Lage für schädlich halten. Auf der anderen Seite stehen Gläubigerländer wie Deutschland, der größte Nettozahler der EU.

Warum ist Deutschland in die Schusslinie geraten?

Berlin will private Anleger, also Investmentfonds und Banken, an der Sanierung von europäischen Krisenstaaten beteiligen - damit der Steuerzahler nicht die ganze Last schultern muss. Dies soll aber erst für den neuen Mechanismus nach Auslaufen des Euro-Rettungsschirms 2013 gelten. Den Kreditgebern droht dann ein echtes Verlustrisiko, viele verlangen schon jetzt höhere Risikoprämien für irische Staatspapiere.

Wie lautet der Vorwurf gegen Berlin?

Länder wie Irland, Spanien und Griechenland werfen den Deutschen vor, die Euro-Schuldenkrise zu verschärfen. Die Berliner Forderung habe «eine Spirale steigender Zinsen für die Länder ausgelöst, die in einer schwierigen Position sind», klagt der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou.

tno/ivb/news.de/dpa

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