Ressourcen Das Milliardengeschäft mit Wasser

Wasser - wir brauchen es täglich zum Überleben. Dennoch ist sauberes Trinkwasser längst eine Ware, die für immer mehr Menschen zum Luxusgut wird. Helfen Konzerne bei der Lösung der Probleme, oder machen sie alles nur schlimmer?

Bei uns kommt Trinkwasser bequem aus der Leitung. Doch fast ein Drittel der Menscheit hat keinen Zug (Foto)
Bei uns kommt Trinkwasser bequem aus der Leitung. Doch fast ein Drittel der Menscheit hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Bild: dpa

125 Liter Trinkwasser lässt jeder Deutsche im Durchschnitt beim Zähneputzen, Duschen und Kaffeekochen jeden Tag durch den Sifon fließen. Würde man diese Menge in 1,5-Liter-Flaschen füllen, könnte man eine kleine Wohnung von 53 Quadratmetern damit vollstellen.

Nimmt man das sogenannte virtuelle Wasser hinzu, ergeben sich sogar 5288 Liter, die jeder Deutsche täglich wegspült. Der Begriff bezieht auch das für die Herstellung von Produkten verbrauchte Wasser ein. Pro Jahr macht das knapp zwei Millionen Liter, wie der Umweltverband WWF ausgerechnet hat - das sind 2000 Kubikmeter Wasser, von denen jeder eine Tonne wiegt.

Für die Mehrzahl der Menschen ein unvorstellbarer Luxus. Bereits heute hat ein Sechstel der Menschheit, 1,2 Milliarden Menschen, nicht genug sauberes Wasser zum Trinken. Der Bedarf an Wasser steigt mit zwei bis drei Prozent jährlich doppelt so schnell wie die Weltbevölkerung.

Voraussichtlich bis zu sieben Milliarden Menschen in 60 Ländern werden zur Mitte des Jahrhunderts unter akuter Wasserknappheit leiden, heißt es im Weltwasserbericht der Vereinten Nationen.

Hinzu kommen Klimawandel, Verschwendung und die Verschmutzung von Flüssen. Etwa die Hälfte des kostbaren Elements geht nach Schätzung von Experten auf dem Weg zum Verbraucher verloren.

Die Versorgung mit Wasser ist für Experten die zentrale Aufgabe des 21. Jahrhunderts. Kein Wunder, dass auch profitorientierte Konzerne ihr Interesse an dem riesigen Markt anmelden. Es gibt viel zu tun: Staudämme und Meerwasserentsalzungsanlagen müssen gebaut, Wasserrohre erneuert werden. Oder neue Pflanzen gezüchtet werden, die weniger Wasser brauchen. Aber darf mit der Knappheit der lebenswichtigen Ressource Geld verdient werden?

Lesen Sie auf Seite 2, warum viele Kommunen ihre Wassernetze wieder zurückhaben wollen

Deutschlandweit werden bereits 40 Prozent des Trinkwassers von Unternehmen verkauft, die ganz oder zum Teil in privater Hand sind. Privaten Wasseranbietern eröffnen sich enorme Wachstumschancen, an denen sie auch Privatanleger in Form von Wasserfonds und -zertifakte teilhaben lassen wollen. Umgekehrt sehen auch viele Kommunen in einer Privatisierung Chancen. Mit Blick auf ihre klammen Kassen ziehen sie den Verkauf ihres Wassernetzes oder Anteilen daran vor - in der Hoffnung, einen starken Partner für die anstehenden Millioneninvestitionen in dessen Instandhaltung zu gewinnen.

Für Grüne, Umweltschutzverbände und Globalisierungsgegner ist diese Hoffnung trügerisch, ein kurzfristiges Denken mit negativen Folgen. BUND-Wasserepxerte Sebastian Schönauer warnt, Kommunen dürften nicht die Kontrolle über «das Lebensmittel Nummer eins» aus der Hand geben und aus Finanznot an Private übergeben.

Druck auf Kosten und Preise


«Es sind immer die alten Sprüche, dass ohne Privatisierung wichtige Investitionen nicht mehr zu schaffen seien», sagt Schönauer im news.de-Gespräch. Seit ihrem Beginn Anfang der 1990er Jahre habe sich die Privatisierung von Wasserwerken als fataler Eingriff in die öffentliche Daseinsvorsorge erwiesen. Sein Urteil ist unmissverständlich: «Das taugt nichts!» Während mit einem Kommunen ihre Investitionen mit dem für Kommunalkrediten üblichen Zinssatz von knapp fünf Prozent kalkulierten, hätten Privatinvestoren eine Gewinnerwartung von 18 Prozent. «Daran sehen Sie schon, welcher Druck auf Kosten und Preise entsteht.»

Inzwischen, so Schönauer, habe eine «Welle der Rekommunalisierung» eingesetzt. Viele Kommen wollten nun ihr Tafelsilber zurück, um wieder Herr über das Netz und die Quellen zu sein. Und über den Wasserpreis. Beispiel Berlin: Dort stieg der Wasserpreis allein im vergangenen Jahr um 25 Prozent, inzwischen liegt er mit 2,17 Euro pro Kubikmeter 40 Prozent über dem Tarif der Münchner Stadtwerke (1,54 Euro).

Das Bundeskartellamt ermittelt gegen die Berliner Wasserbetriebe wegen des Verdachts missbräuchlich überhöhter Preise. Das Land Berlin hatte 1999 die Hälfte der bis dahin landeseigenen Wasserbetriebe für 1,7 Milliarden Euro an den Energiekonzern RWE und den Umweltdienstleister Veolia verkauft. Mit einem Volksbegehren wollten die Berliner die Offenlegung der geheimen Kaufverträge erzwingen, der Senat kam dem zuvor und stellte die Verträge inzwischen ins Internet.

Im Verzicht auf die Privatisierung sieht BUND-Experte Schönauer für die Kommunen nicht nur die Kontrolle über den Preis gewahrt, sondern auch über die Wasserquellen. Denn 70 Prozent des Wassers werden in der Landwirtschaft verbraucht. Viele Bauern bohrten in Eigenregie nach Wasser. «Den Raubbau am Wasser zum Beispiel durch solche Schwarzbrunnen kann die Kommune viel besser verhindern als ein privater Anbieter», ist Schönauer sicher.

Lesen Sie auf Seite 3, wieso Wasser anders als Gas und Strom nicht durch andere Netze geleitet werden kann

Auch die Globalisierungsgegner von Attac warnen immer wieder vor einer Privatisierung der Wasserversorgung. Anders als bei Strom und Gas rechne sich beim Wasser nur der Bau einer Leitung. Die Durchleitung sei nicht möglich, weil Wasser unterschiedliche Qualität habe, eine Vermischung von mehreren Versorgern unmöglich ist. Deshalb sei ein echter Wettbewerb von vornherein nicht möglich. Es bleibe nur die Ausschreibung einer Betriebserlaubnis mit langen Vertragslaufzeiten von mindestens 25 Jahren - damit sich Konzerne überhaupt für ein Investement interessierten.

Die Folgen seien daher private Monopole und ein landesweites Oligopol, das heißt wenige Anbieter, die weitgehend den Markt beherrschen. In Frankreich tun das drei Konzerne, weltweit sind es für Attac sogar nur zwei: Veolia Water und Thames Water.

In Wasseraktien investieren?

Längst haben auch die Finanzmärkte das Geschäft mit dem Wasser entdeckt. Analysten rechnen mit zweistelligen Wachstumsraten für Dienstleister, Ausrüster und Versorger auf dem Wassermarkt. Neben dem Investment in einzelne Wasser-Aktien können Anleger auch in Wasserfonds und Zertifikate investieren.

Einer der bekanntesten ist der «Sarasin Sustainable Water Fund», der in Aktien von Unternehmen investiert, die sich laut Eigenbeschreibung «durch einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser auszeichnen und dabei ökologische und soziale Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen».

Breiter angelegt sind der ebenfalls angeblich «strengste Nachhaltigkeitskriterien» anwendende Fond «Ökoworld Water for Life» und das Indexpapier «Powershares Palisades Global Water».

Die auf ökologische Anlagen spezialisierte Umweltbank in Nürnberg hat bis auf den «Sarasin Oeko Equity», der zum Teil in Wasserversorgung investiert ist, keine Wasserpapiere im Portfolio. «Ein reines Wasserprodukt bieten wir nicht an», erklärt Banksprecher Oliver Brandt auf news.de-Anfrage. Grund sei jedoch nicht, dass dies möglicherweise gegen die Wertmaßstäbe der Bank verstieße, vielmehr beinhalteten reine Wasser-Investmentfonds aufgrund ihrer Spezialisierung ein höheres Risiko für Anleger. Unter Nachhaltigkeitgesichtspunkten spreche jedoch nichts gegen ein reines Wasserinvestment, sofern die Titelauswahl strengen Auswahlkriterien unterliege.

Wer bei Investments in die Wasserversorgung Bauchschmerzen hat, sollte sich dennoch lieber andere Branchen für seine Geldanlage suchen.

che/news.de

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Leserkommentare (21) Jetzt Artikel kommentieren
  • Tantalus
  • Kommentar 21
  • 21.11.2010 10:58
Antwort auf Kommentar 20

Ist ihnen noch nicht aufgefallen, dass wir den Wasserkrieg schon haben? Oder bezahlen Sie gerne die exorbitanten Preise, die Ihnen die Wasserwerke abverlangen?

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 20
  • 19.11.2010 15:29
Antwort auf Kommentar 18

Ja,lieber hpklimbim, Wasser ist Voraussetzung von Leben. Und trotzdem steht die Gesamtmenge in Liter gemessen fest. Wasser ist ni. vermehr- aber auch ni. verringerbar. Natürlich schwankt die Verfügbarkeit des Wassers. Möglicherweise kann Entsalzung oder Wassermanagement(!)zur Vermehrung von Süßwasser und daher zu neuen menschlichen Lebenschancen führen.Aber die Knappheit beseitigt kein Mensch mit dem Gejammer,der eine verbrauche zuviel Wasser, diese Menge fehle daher dem anderen.Würde das stimmen, so hätten wir schon lange einen Wasserkrieg.So in anderem Zusammenhang schon Th. Hobbes.

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 19
  • 19.11.2010 11:53
Antwort auf Kommentar 17

ff Und diese verabscheuungswürdige Moral der linken Lehre stört langsam. Der Reichtum wird angeklagt. Aber den Armen wird nicht geholfen. Jedoch dann auch noch denjenigen einen Vorwurf zu machen, die Abhilfe (macht das nur des Reibach willens) leisten, haut dem Fass den Boden aus. Dies marxistische Leier macht nicht nur nichts, sondern klagt an. Daher ist Kritik an der marxistischen Urteilskraft geboten. Und nicht nur auf dem Gebiet des Wassers, sondern überall wo diese Ketzer auftreten. Die Argumente sind immer die gleichen: in der Wirtschaft,Bildung, Wissenschaft, Kunst, Kultur, usw.

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