Währungskrieg Wie gefährlich ist China wirklich?

Die Chinesen halten ihre Währung künstlich niedrig, kontrollieren wichtige Rohstoffe: Das Riesenreich pumpt seine Volkswirtschaft auf - doch wie gefährlich ist das für Deutschland und die Welt? Ein Wirtschaftsexperte sprach mit news.de über die Bedrohung aus Fernost.

China (Foto)
Ein Drachentänzer, der vor einem chinesischen Teehaus tanzt. Bild: ddp

Welche Gefahren birgt der Währungskrieg mit China für Deutschland?

Georg Erber: Wir sind nach China immer noch die weltweit größte Exportnation. Und auch wenn ein Großteil der Exporte in die EU geht, bleibt noch ein großer Teil, der von Währungsschwankungen abhängig ist - grob geschätzt sind das 40 Prozent. Wir hätten somit in einem Handelskrieg viel zu verlieren.

Wenn der Euro gegenüber der chinesischen Währung weiter steigt, wie wirkt sich das aus?

Erber: Das Problem ist nicht nur, dass wir erhebliche Absatzprobleme unserer Waren gegenüber China hätten. Wir hätten durch die günstigen Waren aus China einen noch stärkeren Anstieg der Importe. Das führt zu Problemen mit der Handelsbilanz, wie man am Beispiel der USA sehen kann.

Kann man China nicht zwingen, seine Währung freizugeben und sie damit den Marktkräften auszusetzen?

Erber: China einen Wechselkurs zu diktieren oder den Staat zum Aufwerten zu zwingen, wird nicht möglich sein. Es gibt zwar im IWF-Vertrag den Artikel IV Absatz 3, der die Währungsmanipulation verbietet. Das Problem ist aber, den Vorwurf international gerichtsfest zu machen. Daran arbeiten die USA. Falls dies gelingt, kann man über Strafzölle als Mittel gegen die Währungsmanipulation nachdenken.

Zu diesem Instrument könnten doch auch die europäischen Länder greifen?

Erber: Dazu könnten dann alle Länder greifen, die der Ansicht sind, dass China seinen Währungskurs manipuliert. Das würde aber einen endlosen Rechtsstreit beim IWF und der WTO nach sich ziehen. Bisher wird darüber diskutiert, wie hoch die Fehlbewertung ist. Die USA sagen 20 bis 40 Prozent. Die Chinesen sagen, es sind nur 5 Prozent.

Und was ist richtig?

Erber: Im Juli wurde ein Bericht vom IWF vorgelegt, in dem steht, dass die chinesische Währung unterbewertet ist. Es gab dazu eine interne Studie, die zu einem Wert von 27 Prozent gekommen ist. Die Studie ist durch das Veto des chinesischen Vertreters von der Veröffentlichung ausgeschlossen worden und im Giftschrank verschwunden. Im veröffentlichten Bericht steht nicht mehr deutlich unterbewertet, sondern nur noch unterbewertet.

Würde China im Falle von Strafzöllen reagieren?

Erber: Die Strafzölle der USA würden beim amerikanischen Fiskus als Einnahmen anfallen. Die USA könnten das Geld für die Finanzierung ihres Haushaltsdefizits benutzen oder damit Exportsubventionen ihrer Industrie finanzieren, für die Chinesen eine sehr unattraktive Lösung. Es gab auch schon zum Jahresanfang Strafzölle der USA gegen Stahlröhren und Autoreifen aus China. Es ist möglich, dass China reagiert. Was früher schon passiert ist: China hat damals durch einen eigenen Exportzoll die Preise der Exporteure nach oben gedrückt, so konnte man das Geld wenigstens in China behalten.

China: Die neue Wirtschaftsmacht

Lesen Sie auf Seite 2, warum der Export für China so wichtig ist

Warum ist der Export für China so wichtig?

Erber: Das hohe Wirtschaftswachstum in China basiert auf einer sehr hohen Investitionsquote von 40 Prozent. Und wer viel investiert, baut hohe Kapazitäten auf. Diese Kapazitäten gehen weit über den Bedarf des Binnenmarkts hinaus und sind nur auszulasten, wenn man auch auf den Weltmärkten die Expansion vorantreibt. Dadurch ist ein immanenter Exportzwang gegeben. Die Expansion wird auch deshalb forciert, weil die Unternehmen und deren Zulieferer mit deutlich niedrigeren Gewinnmargen operieren. Das birgt im Umkehrschluss die Gefahr, dass durch einen steigenden Wechselkurs und Strafzölle insbesondere deren preisliche Wettbewerbsfähigkeit leidet. Wenn es zu einem Wechselkursschock kommt, dann können große Teile der chinesischen Exportindustrie zusammenbrechen.

Inwiefern wird die Industrie staatlich gelenkt?

Erber: Ein Großteil der Betriebe wird in China weiterhin staatlich geführt. Zudem hat die Politik von vornherein auf ein exportorientiertes Wachstum gesetzt. Die Unternehmen sollen sich auf internationalen Märkten etablieren. Das sehen sie auch bei den Automobilherstellern. Jetzt haben die zwölf größten staatlichen Automobilhersteller eine Allianz für Elektromobilität gebildet, die versucht, sich als Gruppe international und national zu positionieren.

Ist der chinesische Weg vergleichbar mit der Geschichte Japans?

Erber: In China hat man sehr intensiv die exportorientierten Wachstumsmodelle in Asien, speziell in Japan, studiert, wobei man einen Unterschied konstatieren muss. China hat viel stärker als Japan auf die Ansiedlung von ausländischen multinationalen Konzernen gesetzt.

Inwiefern ist es für westliche Unternehmen gefährlich, in China zu
investieren?


Erber: Wenn sie eine komplette Fertigung in China aufziehen und diese mit überwiegend chinesischen Arbeitskräften bestreiten, und das vielleicht sogar in einem Joint-Venture tun, bei dem die chinesische Seite die Mehrheit hat, da werden sie große Schwierigkeiten haben, ihre Geschäftsgeheimnisse vor ihren Geschäftspartnern geheim zu halten. Der klassische Fall ist im Bereich der Telekommunikation festzustellen. Da hat Siemens in enger Kooperation mit chinesischen Unternehmen wie Huawai  eine Variante des UMTS-Standards entwickelt. Gemeinsam hat man die Technologie in einem chinesischen Joint-Venture als Patent beantragt. Inzwischen haben aber nur die chinesischen Netzwerkausrüster und Handybetreiber den Weltmarkt erobert und Siemens hat sich weitgehend aus dem Telekommunikationsmarkt zurückgezogen.

Was raten Sie Unternehmen?

Erber: Die Unternehmen sind von der Größe des chinesischen Marktes fasziniert und an kurzfristigen Gewinnen orientiert. Kurzfristige Gewinnmaximierung führt zu Kurzsichtigkeit über die wirtschaftlichen Folgen einer solchen Kooperation. Man muss sich viel stärker über die nachhaltigen Effekte eines solchen Technologietransfers Gedanken machen.

Lesen Sie auf Seite 3, ob andere Länder China noch aufhalten könnten

Welche Rolle spielen Länder wie Vietnam und Kambodscha als Konkurrenz für China?

Erber:
Gar keine. Mittlerweile gibt es auch ein Freihandelsabkommen zwischen China, den ASEAN-Staaten und Taiwan. Das heißt, dass China mit seinen Milliarden in diesen Ländern investiert, wodurch ökonomische Abhängigkeiten entstehen. Es ist daher nicht so, dass man sagen könnte, es sind unabhängige Konkurrenten. China kauft zudem aufgrund seiner Währungsreserven von 2,65 Billionen Dollar in vielen Ländern Staatsschuldverschreibungen und kann politisch Druck ausüben.

Welche Probleme gibt es derzeit in der Rohstofffrage?

Erber: Hier geht es vor allem um die seltenen Erden, bei denen China vorübergehend gegenüber Japan einen Exportstopp erlassen hat. Die seltenen Erden sind für die moderne Informations- und Kommunikationsindustrie und für die Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus für Elektrofahrzeuge wichtig. Wenn China dort strategisch die Ausfuhr kontrolliert, da würden die konkurrierenden Unternehmen im Ausland Schwierigkeiten bekommen, wenn sie versuchen, in diesen Bereich zu expandieren. Die Chinesen könnten dadurch Unternehmen zwingen, die Produktion in diesen Bereichen nach China zu verlagern oder ihr Wachstum zu begrenzen.

Was glauben Sie, ist das Ziel Chinas?

Erber: China zielt auf eine Autarkie im Rohstoffbereich, dafür hat man bereits viele Rohstoffunternehmen weltweit übernommen. Im Technologiebereich arbeiten die Chinesen darauf hin, möglichst bald autark zu sein und dadurch unabhängig von Technologieblockaden zu werden. In vielen Bereichen, in denen westliche Industrieländer vor kurzem noch führend waren, ist China heute bereits ein ernst zu nehmender Konkurrent. Sie machen den Europäern bereits Konkurrenz, was den Galileo-Navigationssatelliten angeht, sie stellen riesige Turbinenanlagen her und bauen ihre Autoindustrie aus, sie sind in der Elektronikindustrie schon jetzt der größte Exporteur weltweit. In der Solarindustrie exportiert China 30 Prozent billiger als deutsche Unternehmen bei nahezu gleicher Qualität. Und irgendwann will China auch den A380 nachbauen. Mithin gibt es wenig Anzeichen, dass China sich auf eine langfristige internationale Arbeitsteilung einlässt.

 

Dr. Georg Erber ist seit Mai 1981 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Seither hat er diverse Gastprofessuren in der VR China und Thailand angenommen. Er hatte Gastaufenthalte in den USA, zum Beispiel an der Harvard Universität, inne.

che/reu/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • franz
  • Kommentar 2
  • 16.10.2010 10:43

aber wir kaufen das billige zeug aus china - und dabei nich mal nur das plastikspielzeug oder die assecoirs von tschibo. auch das superdesign-lable lässt in china produzieren und will dafür horrende preise.

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  • Egon Clauß
  • Kommentar 1
  • 15.10.2010 16:29

Jeder Staat, welcher am Welthandel teilnimmt, sollte eine frei konvertierbare Währung haben - so auch China! Der Wert einer Währung wird von den Wirtschaftsdaten jedes einzelnen Staates bestimmt und nicht von dessen Regierung! China ist leider noch eine Diktatur und in solch einer Regierungsform kann der Diktator und seine Clique tun und lassen was sie will.

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