Ökoenergie-Ausbau Strom wird 2011 teurer

Ökostrom-Umlage: Mehrkosten für Stromkunden (Foto)
Grund für die Preissteigerung ist unter anderem der massive Ausbau vor allem im Bereich der Solarenergie und damit steigende Vergütungskosten. Bild: dpa

Von Georg Ismar
Jetzt ist es raus: Auf 3,5 Cent pro Kilowattstunde steigt die Ökostrom-Umlage, die alle Stromverbraucher 2011 über den Strompreis mitbezahlen müssen. Das bedeutet Mehrkosten von bis zu 112 Euro pro Jahr. Die Ökoenergie-Branche betont die Vorteile durch die Förderung.

Angesichts des massiven Ausbaus bei der Solarenergie wird der Strom für die Verbraucher im nächsten Jahr teurer. Die von allen Stromverbrauchern zu zahlende Ökostrom-Umlage steigt 2011 um knapp 71 Prozent auf ein Rekordhoch von 3,5 Cent pro Kilowattstunde. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Branchenkreisen. Offiziell wird dies am Freitag bekannt gegeben.

Nach aktuellen Berechnungen des Verbraucherportals toptarif.de kann die Erhöhung der Umlage je nach Haushaltsgröße zu jährlichen Mehrkosten von bis zu 112 Euro führen. Angesichts der deutlich steigenden Kosten zur Förderung der erneuerbaren Energien sei bereits zum Jahreswechsel mit flächendeckenden Preiserhöhungen bei Hunderten Versorgern zu rechnen, sagte toptarif-Energieexperte Thorsten Bohg.

Grund ist unter anderem der massive Ausbau vor allem im Bereich der Solarenergie und damit steigende Vergütungskosten - mehr als 50 Prozent der Umlage macht die Solarförderung aus. Doch der Nutzen in diesem Bereich ist angesichts einer eher geringen Stromproduktion umstritten. Durch die massive Zunahme in diesem Jahr - bis Ende August ging eine Leistung von 4,88 Gigawatt ans Netz und damit ein Gigawatt mehr als im gesamten Jahr 2009 - wird es aber automatisch weitere Deckelungen bei der Solar-Förderung geben. Im Januar wird die Einspeisevergütung für kleine Photovoltaikanlagen auf dem Dach um die laut Gesetz maximal möglichen 13 Prozent sinken.

Ziel der Bundesregierung sind 80 Prozent Ökostrom bis 2050

2010 lag die im Erneuerbaren-Energie-Gesetz festgelegte Umlage bei 2,047 Cent. Angesichts der deutlichen Zunahme wird eine Debatte über die Zukunft der Förderhöhe erwartet. Die Regierung will aber bisher an den Regelungen wie dem Einspeisevorrang für Ökostrom und den Förderinstrumenten festhalten. Aber sie setzt in ihrem Energiekonzept einen deutlichen Schwerpunkt bei der Windenergie. Energiekonzerne wie RWE argumentieren, dass Sonnenstrom in Ländern, wo die Sonne mehr scheint, billiger zu bekommen sei.

Für einen Single-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 1800 Kilowattstunden (kWh) Strom steigt die EEG-Umlage im kommenden Jahr nach Angaben von toptarif.de um durchschnittlich rund 31 Euro brutto von 43,85 Euro auf 74,97 Euro. Eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 4000 kWh Strom zahle dagegen 69 Euro mehr ­ statt 97,44 Euro in diesem Jahr könnten es 2011 schon 166,60 Euro werden.

Für jede Kilowattstunde Strom erhalten die Energieerzeuger eine Einspeisevergütung. Da Strom aus Sonne, Wind und Biomasse bisher teurer ist als Strom aus Kohle oder Atom wird mittels der Förderung versucht, den Anteil zu steigern. Ziel der Bundesregierung sind 80 Prozent Ökostrom bis 2050. Die Einspeisevergütung für Wind, Sonne und andere Ökoenergieträger ist unterschiedlich. Sie ist abhängig von der Größe der Anlagen, dem Alter und der Produktivität.

Die Ökoenergie-Branche betont, dass durch immer mehr Ökostrom auch starke Dämpfungseffekte beim Strompreis erreicht wurden. Zudem gebe es eine hohe Wertschöpfung. 2009 lag sie in den Kommunen bei knapp 7 Milliarden Euro. Auf 8,9 Milliarden Euro beziffert das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) diese Wertschöpfungseffekte für das kommende Jahr. Dazu steuern Ökostrom-Kraftwerke rund 7,4 Milliarden Euro bei, Anlagen zur Wärme- und Kraftstofferzeugung jeweils rund 740 Millionen Euro.

Der Grünen-Abgeordnete Hans-Josef Fell, vor zehn Jahren einer der Väter des Erneuerbare-Energie-Gesetzes war, sagte zu der drastisch steigenden EEG-Umlage: «Unter dem Strich handelt es sich für den Bürger um eine lohnende Zukunftsinvestition.» Den Mehrkosten stünden viele positive Faktoren wie 340.000 Arbeitsplätze und Milliarden an Steuereinnahmen gegenüber sowie große Einsparungen durch vermiedene Umweltschäden. «Die 300 Milliarden Subventionen für die Atomenergie und 200 Milliarden Subventionen für die Steinkohle schaffen dagegen immer neue Probleme. Erneuerbare Energien hingegen lösen Probleme.»

Der Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling betonte: «Die staatliche Förderung der Atomkraft ist heute immer noch doppelt so hoch wie die Förderung der erneuerbaren Energien.» Energiekonzerne wie RWE weisen Angaben zu einer massiven Subventionierung der Atomenergie als unseriös zurück.

mat/news.de/dpa

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • hector
  • Kommentar 4
  • 15.10.2010 23:36

Der Umbau unserer gesamten Energieversorgung hin zu erneuerbaren Energien ist das allerbeste was man machen kann. Dadurch wird Strom nicht teurer sondern billiger. An der Küste weht ja sehr viel Wind, da tuts auch ein Windrad. Im größten Teil von D weht ja kaum ein Wind, da leistet die Fotovoltaik sehr viel. Bringen doch 50m² Photovoltaik ca. 8.000 kWh im Jahr. Man muss auch anmerken, dass viele Haushalte zuviel Strom verbrauchen. Die sollten mal ihre Geräte auf Stromverbrauch kontrollieren. Riesengroße Flach-TV`s fressen unglaublich viel Strom. Glühbirnen durch Energiesparlampen oder LED ersetzen. Oder einfach das TV ganz ausschalten, da kommt sowieso nur Nonsens.

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  • orakel
  • Kommentar 3
  • 15.10.2010 14:37

Im vergangen Jahr ist die Kappa von Photovoltaikanlagen in Deutschland doppelt so stark ausgebaut worden wie die Windenergie. Bei der erzeugten Strommenge kam man aber immer noch auf nur 1,1% . Dieses Jahr wird sich daß wahrscheinlich nochmal deutlich erhöhen, bis August sind schon mehr Neuanlagen als im Vorjahr installiert worden.Und nur deshalb steigt die Umlage aus dem EEG von 2 Cent auf 3,5 Cent steigt. Die aberwitzige Subventionierung der Photovoltaik in Deutschland führt dazu, das in die mit weitem Abstand teuerste alternative Engergie mehr Mittel fliesen als in alle anderen zusammen

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  • Christian Kraus
  • Kommentar 2
  • 15.10.2010 11:56

Man kann nur noch mit dem Kopf schütteln: Preiserhöhungen-jetzt beim Strom-morgen bei was anderem!Die Argumente sind so vielschichtig-diesmal die Einspeisevergütungen beim hausgemachten Solarstrom! Die Stromlobby-die zig-Milliardenbeträge Subventionen erhalten-ebenso wie die Steinkohleförderung-letztere für die Verstromung eh viel zu wertvoll ist - wird garnicht erwähnt!Zumal bei uns in D der Strompreis so hoch ist wie nirgends in Europa!Was ist mit den Kartellämtern los-was mit der Regierung? Pennen die alle? Na denn -gute Nacht! Ändern sofort-und runter mit den Preisen!

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