Abgewirtschaftet Ihre wahren Gesichter

Nichts ist spannender als eine Woche in der Wirtschaft. Es geht um dicke Geschäfte, Politik und viel Geld. Und auch um Leute, die damit nicht umgehen können. Der satirische Wochenrückblick.

Frieden auf Erden. Dieser Wunsch könnte zumindest kurzfristig in greifbare Nähe rücken. Und bei wem können wir uns bedanken? Bei der Wirtschaftskrise. Denn wegen der immensen Wirtschaftsanschubkosten sind die Staaten zum Sparen verdammt. Und Sparen wollen sie offenbar auch bei den Militärausgaben.
 

So kürzt Griechenland seinen Militärhaushalt um eine Milliarde Euro. Deutschland steht kurz davor, die Wehrpflicht auszusetzen und sogar die Vereinigten Waffenarsenale von Amerika planen ihre Rüstungsausgaben herunterzufahren - zumindest bis ein neuer Schurkenstaat gefunden ist.

Klingt doch eigentlich prima. Stellt sich nur die Frage, wohin mit den vielen schönen Panzern und Kampfjets, die die Industrie herstellt? Dafür scheint es auch eine Antwort zu geben. Die Ölstaaten und die Schwellenländer sollen das Zeug kriegen. Bringt ja auch jede Menge Kohle. Erst diese Woche schrieb Spiegel-Online in einem Artikel darüber, wie Europa und die USA die Welt aufrüsten. Allein Saudi-Arabien kauft in den nächsten Jahren für 60 Milliarden Euro moderne Waffentechnik ein.

Das sind ja auch alles unsere Freunde, und gegen den Iran sind sie auch. Da hat sich das Problem da unten von ganz allein gelöst, mag man sich heute denken. Fragt sich bloß, wie lange diese Konstellation hält.

Mindestens solange, bis Osama Bin Ladens Freunde die Herrschaft über die ganzen Waffen in Saudi Arabien übernehmen. Der sagenumwobene Terrorchef soll ja noch zahlreiche Verwandte dort haben. Dann können wir nur hoffen, dass die Wüstenkrieger uns mit Eurofightern angreifen. Warum? Na dann fliegt der Terrorist wegen des kaputten Schleudersitzes wenigstens schon vor Erreichen des Ziels in den Himmel.
 

Wegen der Schleudersitzgefahr haben diese grandiosen Kriegsmaschinen aus europäischer Fertigung in dieser Woche Flugverbot bekommen. Sie verteidigen Deutschland quasi derzeit vom Boden aus. Wegen drohender Lebensgefahr für den Piloten. Der Hersteller EADS prüft noch, wie man das Problem beheben kann.

Gewählt aber nicht gewollt

Bleiben wir in Deutschland. Wie schnell sich ein vermeintlicher Freund in einen Feind verwandeln kann, zeigt die Bundesregierung. Auch hier haben viele Bürger anfangs an friedliche Absichten geglaubt. Aber nachdem Gurken und Wildsäue zueinander gefunden haben, offenbaren sie ihr wahres Gesicht.

In dieser Woche haben CDU und FDP ihren Sparplan vorgelegt. Dort heißt es Schwarz auf Gelb: Am stärksten wird gekürzt im Ressort Arbeit und Soziales, und dort besonders bei den Ärmsten der ArmenGestrichen werden Elterngeld, Heizkostenzuschlag und Rentenbeitrag. Gekürzt werden die Mittel für Fort- und Weiterbildung. . Die Reichen dürfen alles behalten, die Anzahl der Millionäre steigt schon wieder.

Das Volk ist empört. Aber warum eigentlich? Ich kann mich nicht erinnern, dass FDP und CDU durch einen Putsch an die Macht gekommen sind. Sind sind gewählt: 15 Prozent der Deutschen haben im Jahr 2009 ihr Kreuz bei der FDP gemacht und 34 Prozent bei der CDU. Und mal ehrlich. Dass eine Regierung aus FDP und CDU eine bürgernahe und sozial vertretbare Politik macht, wer das glaubte, der muss schon ziemlich gutgläubig sein.

Das, was heute passiert, war doch absehbar. Unternehmen und Erben werden entlastet. Die Pharmalobby regiert kräftig mit. Und bei Energiefragen übergibt man der Atomindustrie gleich komplett das Steuer. Verträge über Laufzeit und Abgaben werden hinter verschlossenen Türen ausgehandelt, Umweltminister Norbert Röttgen ist gleich gar nicht dabei. Es betreffe nicht sein Ressort, sagt er. Anscheinend will Röttgen sein Ministerium auf den Schutz des Panda-Bären spezialisieren.

Ansehnlich war jedenfalls, wie Kanzlerin Angela Merkel in dieser Woche versuchte, ihre Regierungspolitik zu verteidigen. Sie haute im Bundestag mal richtig aufs Podest und betonte, dass seit Beginn ihrer Kanzlerschaft die Arbeitslosigkeit um zwei Millionen gesunken sei.
 

Vorkanzler Schröder wird sicherlich gleich seine Zigarre verschluckt haben, als er am Fernseher mit ansehen musste, wie Merkel die Lorbeeren seiner Agenda 2010 erntete. Lorbeeren für Millionen geschaffene Billigjobs, Hartz-IV und einen boomenden Zeitarbeitssektor.

FDP fordert Steuererhöhung

Merkel hob außerdem hervor, wie toll sie das Land durch die Wirtschaftskrise geführt hat. Jetzt stehe Deutschland stärker da als vor der Krise, sagte sie. Dass die SPD damals entscheidend mitregiert hatte, ließ sie unters Podest fallen. Und dass die Krise mit eher unliberalen Konjunkturprogrammen und Bankenrettungspaketen gemeistert wurde, ebenso. Denn das passt so gar nicht in das Konzept des neuen Partners, der FDP.

Die Liberalen haben in dieser Woche übrigens auch von sich reden gemacht. FDP-Generalsekretär Christian Lindner fordert, die Mehrwertsteuer zu vereinfachen, wobei auch die ermäßigte Mehrwertsteuer für Hotels überdacht werden soll. Mutig. Denn das käme einer Steuererhöhung gleich. Und das wäre wieder ein ganz neues Gesicht der FDP.

 

Was sonst noch alles in der Welt des Geldes passiert ist:

VW-Patriarch Ferdinand Piëch überweist seine Milliarden an zwei Stiftungen.

Ein Smiley für Sauberkeit: Auf einen Blick soll man künftig erkennen können, wie es um die Hygiene in Restaurants steht.

Die EU besiegelt ein als historisch geltendes Freihandelsabkommen mit Südkorea.

Der ungezügelte Handel mit riskanten Geschäften soll aufhören. Mit entsprechenden Regeln will die EU-Kommission eine Wiederholung der gigantischen Finanzkrise verhindern.

René Obermann steht im Fokus der Ermittler. Der Telekom-Chef soll Unternehmen in Osteuropa bestochen haben, um eine Marktöffnung zu erzwingen.

Warum Basel III ein richtiger Schritt ist, Krisen dennoch nicht dauerhaft verhindert werden können, erklärt eine Finanzexpertin im Gespräch mit news.de.
 

mat/mac/news.de

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Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Redaktion
  • Kommentar 3
  • 19.09.2010 10:47

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  • debema
  • Kommentar 2
  • 19.09.2010 10:13

Das Atom für Strom wird uns länger zur Verfügung stehen, als Erdgas und Erdöl. Die eigenen Kohlevorräte und Vorkommen eignen sich bestens für die Verstromung, zu mal es Boxberg und Schwarze Pumpe mit der CO2-freien Abgastechnologie vor macht. Was die Anti-Atomgegener offensichtlich so in Rage bringt, ist ihre Konzeptlosigkeit für den sogenannten Energiemix. Es ist auch offensichtlich, das die Ökoisten ihren Ökostrom nicht kaufen würden, weil er zu teuer ist. Wettbewerb an der Strombörse kann nur funktionieren, wenn jede Erzeugungsart getrennt am Markt tätig ist. Z. Z. läuft aber nur Demagogie

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  • Holger Ortlieb
  • Kommentar 1
  • 18.09.2010 23:18

Abgewirtschaft hat nur die Bürgerfamilie Fritz und Lieschen Müller, für die vermeintlich Grosskopfeten und Abzocker läuft die Wirtschaft doch hervorragend. In zehn Jahren werden wieder alle damaligen Ex-Politheinis sagen "Das haben wir nicht gewusst". Auf die Strasse mit den Bürgern!

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