Mo., 13.02.12

High-Tech-Gründungen Warum in Deutschlands Garagen nur Autos stehen

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Artikel vom 28.08.2010

In den USA sind Garagen typische Geschäftsräume von Start-Up-Firmen, aus denen später erfolgreiche Unternehmen herauswachsen. Anders in Deutschland. Hier fehlt es oft an mutigen Absolventen, die den Weg in die Selbstständigkeit wagen.

An genialen Einfällen mangelt es in Deutschland nicht. Gerade an Hochschulen werden zahlreiche innovative Ideen ausgetüftelt. Doch oftmals verkümmern sie in den Laboren und Werkstätten oder landen in der Forschungsabteilungen großer Unternehmen, wo deren Weiterentwicklung alles andere als sicher ist.

Wahrscheinlicher ist: Die geniale Idee gelangt irgendwie ins Ausland, so wie die MP3-Technologie, die zwar in Deutschland entdeckt, aber erst in den USA zu einem marktfähigen Produkt weiterentwickelt wurde.

Was wäre die Alternative? Ausgründungen. Absolventen oder Wissenschaftler einer Hochschule entwickeln ihre Idee bis zu einem gewissen Stand, gründen ein Unternehmen und vermarkten ihre Erfindung dann selbst.

Doch die Gründerkultur in Deutschland ist nicht gerade tief verwurzelt. In einer Studie des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zu eben diesem Thema belegt Deutschland nur den 15. von 20 Plätzen - weit hinter anderen hoch entwickelten Staaten wie Norwegen, der Schweiz oder den USA.

Wie wichtig High-Tech-Startups sind

Und gemessen an der Gesamtzahl der Gründungen, die sich in der Wirtschaftskrise zwar etwas erhöht hat, stagnieren die Zahlen der High-Tech-GründungenRegionen mit vergleichsweise vielen High-Tech-Gründungen sind laut einer Studie des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW): München, Rhein-Neckar, Hamburg und Nürnberg. Das liegt laut ZEW am guten Branchenmix, an der dichten Hochschullandschaft und an den politischen Rahmenbedingungen der Standorte. auf einem äußerst dürftigen Niveau: «Nach IHK-Erfahrungen bilden Hightech-Startups etwa in der IT-Branche oder Medizintechnik nur einen geringen Anteil an allen Gründungen: Nur sechs Prozent der Teilnehmer an IHK-Gründungsberatungen wollen in einer Hightech-Branche starten», sagt Marc Evers, Referatsleiter für den Bereich Mittelstand und Existenzgründung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Aber gerade diese High-Tech-Startups sind ein Segen für die Wirtschaft: «Gründungen aus Hochschulen liefern einen hohen Beitrag zu Innovation und Beschäftigung. So schaffen Hightech-Gründer im ersten Jahr bis zu sechs Arbeitsplätze – doppelt so viel wie der Durchschnitt der Gründungen», so Evers.

Die Hochschulen versuchen seit Jahren, die Gründungsbereitschaft von Absolventen und Wissenschaftlern zu fördern. Gründungsinitiativen, Seminare und Vorlesungen zum Thema «Existenzgründung» sind immer häufiger in der Hochschullandschaft zu finden. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums existieren bereits mehr als 50 Existenzgründungsprofessuren, weitere seien im Aufbau.

Einige Hochschulen bieten zudem finanzielle Unterstützung. 22 Universitäten und zwei Fachhochschulen verfügen laut einer Studie des Fraunhofer-Institutes über einen eigenen Fonds, aus dem die Kosten für Patentanmeldungen und Verwertung abgedeckt werden können.

Der deutsche Absolvent bevorzugt Sicherheit

Das reicht offenbar nicht aus, um den deutschen Absolventen Mut für die Selbstständigkeit zu geben. Für Marco Winzer, Investment Director des High-Tech-Gründerfonds, liegt das an den Unis und FHs selbst. «Viele Hochschulen unterschätzen das Thema Gründung», sagt er der Wirtschaftswoche.

Daneben gibt es andere Gründe: «In Zeiten des sich abzeichnenden Fachkräftemangels sehen viele qualifizierte Beschäftigte große Chancen auf eine gut dotierte Anstellung, die sie dem ‹Abenteuer Selbstständigkeit› vorziehen», so DIHK-Forscher Evers. Weitere Hemmnisse seien fehlende Finanzierungsmöglichkeiten sowie das vergleichsweise hohe Risiko von Hightech-Projekten.

Die Finanzierung ist der dritte Knackpunkt. Im Vergleich zu anderen Gründungen benötigen technologieorientierte Unternehmen viel Kapital für den Start – bisweilen können das zwischen 100.000 bis eine Million Euro sein. Die Kosten sind besonders dann hoch, wenn für eine Erfindung erst ein Prototyp erarbeitet werden muss, bevor das Produkt in Serie hergestellt werden kann.

Unternehmensgründer haben hierzulande zwar die Möglichkeit auf staatliche Fördermittel, Bürgschaften für Bankkredite und auf Beteiligungskapital von Venture-Gesellschaften, die sie unter anderem auf Existenzgründungsveranstaltungen kennenlernen. Aber offenbar reichen diese Geldquellen nicht aus. Denn laut ZEW müssen die Gründer noch ein Großteil des Geldes für ihre neues Unternehmen aus Eigenmitteln oder von Bekannten aufbringen.

Auch Thomas Amling, Professor für Internationale Unternehmensführung an der Leipziger Hochschule für Technik und Wirtschaft, ist der Meinung, dass es in den USA einfacher ist, an Risikokapital zu kommen. Er nennt noch einen weiteren Grund, warum die Gründungswilligkeit hierzulande vergleichsweise gering ist. In den USA müssten Existenzgründer nicht befürchten, nach einem Fehlschlag auf lange Zeit abgeschrieben zu sein, so Amling. «Sie bekommen wieder eine neue Chance, da sie aus der ersten Pleite Erfahrung gesammelt haben.»

Lesen Sie auch unseren Text über den Besuch einer Gründerveranstaltung.

hav/news.de
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 04.11.2010 20:20
von
Rene Klein

Das Thema Finanzierung ist für die Gründung sehr wichtig. Viele Fördermöglichkeiten sind den angehenden Unternehmern gar nicht bekannt. Daher möchte ich auf die Kapitalgeberdatenbank des Portals Für-Gründer.de hinweisen. In mehr als 500 Einträgen kann der Gründer nach Eigenkapital, Darlehen, Fördermitteln und Zuschüssen sowie Bürgschaften suchen - nur den Antrag schreiben, muss der Gründer noch selbst. Hier geht es zur Datenbank http://www.fuer-gruender.de/kapital/kapitalgeberdatenbank/ Viel Erfolg.

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