So., 12.02.12

Commerzbank Endlich im grünen Bereich

Von Jörn Bender

Artikel vom 01.09.2010

Commerzbank-Chef Martin Blessing lässt sich nicht beirren. Er hält die Ehe mit der Dresdner Bank für einen großen Wurf - trotz aller Probleme. Tatsächlich fährt die Commerzbank allen Unkenrufen zum Trotz wieder Gewinne ein. Die Bank profitiert auch vom Staatsgeld.

Commerzbank-Chef Martin Blessing lässt sich nicht beirren. Er hält die Ehe mit der Dresdner Bank für einen großen Wurf - trotz aller Probleme. Tatsächlich fährt die Commerzbank allen Unkenrufen zum Trotz wieder Gewinne ein. Die Bank profitiert auch vom Staatsgeld.

«Einmalige Chance», «Meilenstein in der deutschen Bankenkonsolidierung» - die Übernahme der Dresdner Bank ließ die Commerzbank-Manager im Spätsommer 2008 schwärmen. Äußerlich sind die beiden Großbanken inzwischen vereint. Doch Fachleute sehen noch etliche Baustellen für die neue teilverstaatlichte Commerzbank.

«Die Commerzbank untermauert mit dieser Übernahme ihren Anspruch, die führende Bank in Deutschland zu werden», hatte Commerzbank-Chef Martin Blessing am 1. September 2008 betont, als er - gerade etwas mehr als 100 Tage im Amt - gemeinsam mit Michael Diekmann (Allianz) und Herbert Walter (Dresdner Bank) die Details des Milliardendeals der Öffentlichkeit erklärte. «Wir sind uns sicher, dass die Marke Commerzbank das Potenzial hat, die führende Kundenmarke im deutschen Markt zu werden.»

Nur zwei Wochen später kollabierte die US-Investmentbank Lehman Brothers. Die mitten in der Finanzkrise ohnehin riskante Dresdner-Übernahme geriet aus den Fugen, der Staat musste mit Milliardenstützung einspringen. Hinzu kamen hausgemachte Probleme - etwa das kriselnde Investmentbanking der Dresdner Bank sowie Schwierigkeiten im Immobiliensektor und bei der Staatsfinanzierung, mit denen auch die Commerzbank-Tochter Eurohypo zu kämpfen hatte und hat.

18,2 Milliarden Euro pumpte der Bund in die Commerzbank

«Da haben sich zwei Schwache zusammengetan - bislang ist daraus noch kein starkes Institut geworden», bilanziert Martin Faust, Wirtschaftsprofessor an der Frankfurt School of Finance & Management. «Es fragt sich, wie die Bank ohne Staatshilfe dastehen würde.»

18,2 Milliarden Euro Steuergelder pumpte der Staat in das Institut, zuletzt mehrten sich Forderungen nach einem raschen Ausstieg des Bundes, der 25 Prozent der Anteile an dem Dax-Konzern hält. Doch Experten warnen: Überlässt der Staat die Commerzbank zu schnell wieder sich selbst, könnte das eher zur Belastung für das zweitgrößte deutsche Geldhaus werden. Denn mit Staatsgeld im Rücken bekommt das Institut am Markt bessere Konditionen.

Und die Bank fährt wieder Gewinne ein - schneller als viele ihr zugetraut hatten. Nach den ersten sechs Monaten 2010 stand ein Konzernüberschuss von rund 1,1 Milliarden Euro in den Büchern nach einem Verlust von 1,6 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Zum Vergleich: Branchenprimus Deutsche Bank kam zum Halbjahr auf 2,9 Milliarden Euro Überschuss. Aber auch die Commerzbank sieht sich auf bestem Wege, nach zwei Verlustjahren bereits 2010 wieder in einem Gesamtjahr schwarze Zahlen zu schreiben - und damit ein Jahr früher als geplant. Zugutekommt der Mannschaft um Ex-McKinsey-Mann Blessing der Konjunkturaufschwung.

Überraschend geräuschlos läuft die Zusammenführung der beiden Großbanken - obwohl damit auch der Abbau von weltweit 9000 Vollzeitstellen, davon 6500 in Deutschland, sowie Filialschließungen verbunden sind. «Es ist natürlich schwierig, dass im Vorstand kein Ex-Dresdner-Bank-Vorstand sitzt», meint ein ehemaliger Dresdner-Mitarbeiter. Dresdner-Bank-Chef Walter, der Marketingchef der neuen Bank werden sollte, gab Blessing letztlich einen Korb und zog sich zurück. Von den unterschiedlichen Unternehmenskulturen der grünen (Dresdner)- und gelben (Commerz)-Banker sei inzwischen intern kaum noch etwas zu spüren, sagt ein Insider. Gleichwohl: «Die Integration zieht sich lange hin, das hat man anfangs so nicht erwartet.»

mat/news.de/dpa
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