Ein längst überfälliges Signal
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Von news.de-Redakteurin Rieke Havertz
Artikel vom 26.08.2010
Die IG Metall will erstmals dafür kämpfen, dass Leiharbeiter und Festangestellte gleich bezahlt werden. Ein richtiger Schritt für mehr Gerechtigkeit, dem sich auch die Zeitarbeitsbranche nicht entziehen sollte.
Sie wurde in den vergangenen Monaten bejubelt und als Heilsbringer nach der Krise gefeiert: die Zeitarbeit. Von der Arbeit am Band bis zur Pflege von alten Menschen reicht die Palette, die der Dienstleister Zeitarbeitsfirma in Deutschland anzubieten hat. Mehr als 700.000 Menschen werden von speziell dafür gegründeten Unternehmen beschäftigt und an andere Firmen ausgeliehen.
Was in Zeiten des Aufschwungs gerne unter den Teppich gekehrt wird, ist die ungerechte Bezahlung der Leiharbeiter. Politische Debatten über gerechte Bezahlung von Leiharbeitern werden zwar geführt, verändern aber im Arbeitsalltag nichts. Schließlich soll der Jobmotor Zeitarbeit nicht abgewürgt werden.
Dabei ist es moralisch wie logisch nicht nachzuvollziehen, warum gleiche Arbeit nicht auch gleich bezahlt werden sollte. Deshalb ist der Vorstoß der IG Metall, in der kommenden Tarifrunde für gleichen Lohn aller Beschäftigten zu kämpfen, ein richtiger Schritt. Und ein längst überfälliger dazu. Denn es geht nicht nur um Geld, sondern auch um das Betriebsklima, das aufgrund der ungerechten Zahlungen oft leidet.
Gesetzlich ist zwar im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz geregelt, dass Leiharbeiter die gleichen Arbeitsbedingungen und den gleichen Lohn erhalten müssen. Doch die windigen Tarifverträge der Zeitarbeitsbranche verhindern dies.
Überraschend ist daher auch nicht die reflexartige Kritik der Zeitarbeitsbranche am Vorstoß der IG Metall. Die Unternehmen, die davon leben, Arbeitskraft auszuleihen, fürchten um ihren eigenen Geldbeutel. Können sie ihre Mitarbeiter nicht mehr zu günstigeren Konditionen ausleihen, drohen Einbußen. Doch das ist zu kurz gedacht.
Beispiel Autobranche: Kommt es in einem Werk konjunkturell zu einem hohen Produktionsaufkommen, das aber nicht durch Festeinstellungen bewältigt werden soll, wird auch in Zukunft auf Leiharbeiter zurückgegriffen werden. Diese werden zwar teurer, behalten aber aus Unternehmersicht den Charme, dass sie nur kurzfristig Geld kosten.
Der Vorstoß der IG Metall macht die Boom-Branche Zeitarbeit noch lange nicht obsolet, die Kritik der Branche ist daher nicht nachzuvollziehen. Aber der Vorstoß könnte im besten Fall ein Signal an Wirtschaft und Politik sein, für die Zeitarbeit endlich verbindliche Grundlagen zu schaffen, die die Leiharbeiter besser vor Ausbeutung schützen. Und im Erfolgsfall sorgt er wenigstens in einer Branche für mehr Lohn-Gerechtigkeit.
kas/news.de
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