Mo., 13.02.12
Abgewirtschaftet

Abgewirtschaftet Rammstein feat. Helikopter-Ben

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Artikel vom 28.08.2010

Nichts ist spannender als eine Woche in der Wirtschaft. Es geht um dicke Geschäfte, Politik und viel Geld. Und auch um Leute, die damit nicht umgehen können. Der satirische Wochenrückblick.

Ach, wie herrlich ist es, wenn der Ifo-Index so schön steigt wie in dieser Woche. Dann pochen die Herzen im ganzen Land höher. Dann kommen viele Aufträge rein. Das bedeutet Arbeit, und in den heiligen Hallen der Deutschen wird Licht. Nein, nicht in den Kirchen. In den Werkshallen natürlich.

Das ganze Land ist im Rausch, und der Deutsche in seinem Element. Dummerweise darf er nicht mehr länger als acht Stunden ran ans Fließband. Verstärkung wird also dringend gebraucht. Die faulen Arbeitslosen müssen schnellstens mobilisiert werden. Und weil Meckerguido mit seinen Verbalattacken damals wenig Glück hatte, hat sich unsere emsige Arbeits-Ursula jetzt etwas ganz Neues ausgedacht:
 

Sie will ihre Lieblingsband Rammstein von den Leynen lassen und auf Tour schicken, und zwar in die Boomregionen Sachsen-Anhalt, Meck-Pomm und Brandenburg. Dort wird dann bald: «Arrrrbeit ist fürrrrrr alle daaaaa! Rumms, Rumms, Rumms!» durch die Strrrraßen schallen und die Harrrrrrz-IV-Empfänger werrrden rrrrrreihenweise in den Arbeitsämtern antanzen.

Aber das wird natürlich nicht reichen. Wir brauchen auch Fachkrrrrrräfte. Computerrrrrinder. Äh, sorry. Nicht Rrrrrinder, sondern Inder müssen her. Aus diesem Grund spielt Rammstein die Single gleich in diversen Sprachen ein: «Wooooork is enough for everybodyyiiii in Dschörmenniieee», so die englische Version. Oder in Spanisch: «Hay trrrrrrrabajo parrrrrra todos».

An der Börse nur schlappe Typen

Doch lohnt sich der Aufwand überhaupt? Was ist, wenn die bruttosoziale Aufwärtsfahrt ganz schnell vorbei ist und gleich wieder der Abgrund kommt? Den haben offenbar unsere Zukunftsseher an den Finanzmärkten bereits auf dem Schirm. Denn dort ist gerade gar keine Partystimmung angesagt, sondern Saure-Gurken-Zeit.

Hallooooo?!?! Die Wirtschaft ist völlig aus dem Häuschen, doch der Dax dümpelt unter der 6000er-Marke und niemand will ihm ordentliches Futter geben? Bei wertlosen amerikanischen Immobilienverbriefungen habt Ihr gekauft, als würde es keinen Morgen mehr geben. Und sobald wirklich mal etwas real erwirtschaftet wird, dann verharrt Ihr in einer Schockstarre. Tssss, was soll das denn? Oder habt Ihr etwa das Morgen bereits gesehen? Was zeigen die Kurven auf Euren Monitoren? Alles ist Schwarz! Aber was soll das denn bedeuten?

Deutschland ist eine Insel der Glückseligen - wie lange noch?

Von Seiten der Analysten heißt es so schön, Deutschland ist eine Insel der Glückseligen. Drumherum nur Leid und Armut. In Griechenland brechen die mittelständischen Unternehmen reihenweise zusammen, in Spanien kommt die Wirtschaft auch nur schwer wieder in Fahrt, in China deutet sich eine Immobilienkrise an, die Engländer wissen schon gar nicht mehr, wo sie sparen können und fragen ihre Bürger um Rat. Und in den USA? Dort überlegt Helikopter-BenDer amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke trägt etwas unfreiwillig diesen Spitznamen, weil er einmal gesagt haben soll, dass er Dollarnoten aus dem Hubschrauber regnen lassen würde, falls die Wirtschaft nicht anspringt. in Anbetracht der Gefahr einer neuen Rezession, ob er seine angekündigte Drohung wahrmacht und Dollarnoten vom Himmel regnen lässt, bis die Wirtschaft wieder in Gang kommt.


Und was ist mit Japan? Nippon jammert seit mittlerweile zwei Jahrzehnten auf einem hohem Niveau. Die Alten horten das Geld, die Jungen haben nur Teilzeitjobs. Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Ob Deutschland das nächste Japan wird? Bisher kaufen ja die Schwellenländer unser Made-in-Germany-Zeugs noch ab. Doch irgendwann wird der Exportboom nach China und Südamerika abebben, weil irgendwann auch dort kein Platz mehr ist - ein chinesischer Stau dauert ja jetzt schon mehrere Wochen.

Ich habe keine Lust ... zu konsumieren

Und was ist im Inland? Geld soll ja noch ausreichend auf Deutschlands Bankkonten lagern. Aber richtig einkaufen will trotzdem keiner. Ist halt gerade Wertewandel. Und wie sich das ausdrückt, hat die Münchner Unternehmensberatung Progenium in dieser Woche herausgefunden. So schafft sich demnach kein Mensch mehr ein Auto aus Prestigegründen an.

Fühlt sich Yuppie von heute als Mensch unvollkommen, dann protzt er mit einem iPhone, einer Fernreise auf die Seychellen oder mit guter Kleidung. So sagen es zumindest die Forscher. Generell hat man heutzutage das Gefühl, die großen Dinge legt sich keiner mehr zu. Die Menschen waschen ihre Wäsche in Waschsalons oder teilen sich Autos.

Aber liebe Leute. So geht das nicht. Das kostet doch alles nur Peanuts. Ihr müsst kräftig konsumieren! Wie oft muss man es Euch denn noch sagen: Unser Land braucht Wachstum. Verspürt Ihr denn nicht den Drang, immer etwas Neues kaufen zu müssen? Wenn dieser Drang überhaupt noch ausbricht, dann haben alle nur noch Apple im Kopf. Aber das ist doch nicht Made in Germany, das ist doch aus China, oder den USA?

Na gut. Müssen halt wieder neue Märkte her. Aber wo? Im Norden? Zu wenig Leute. Im Westen? Die haben auch schon alles. Im Osten? Die Märkte sind fast aufgeteilt, geht noch maximal zehn Jahre gut. Da wäre also nur noch der Süden. Etwa Afrika?

Tja, ähm. Dummerweise haben wir jahrelang nur alte Hühnerbeine da runterverschifft. Ist wohl der afrikanischen Wirtschaft gar nicht so gut bekommen, besser gesagt, das hat sie ein wenig ruiniert.

Aber wie kriegen wir die jetzt wieder hochgepäppelt? Na klar. Mit Helikopter-Ben. Der kann doch dort seine Dollarnoten abwerfen - weiß eh keiner mehr, wieviel er davon mittlerweile gedruckt hat. Und wenn in Afrika erstmal Dollarnoten regnen, dann werden die Hüter des Yen, Euro und des Renminbi nicht lange auf sich warten lassen. Schließlich wollen die anderen Industrieländer nicht auf ihren teuren Währungen sitzenbleiben.

Und wer selbst etwas tun will: Der macht mit seinem Geld etwas Sinnvolles und vergibt vom heimischen Sofa in Deutschland aus Kredite nach Afrika mithilfe von P2P-Kreditnetzwerken wie MyC4. So einfach kann Entwicklungshilfe sein.

iwe/news.de
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