So., 12.02.12

Einkaufen Psychofalle Supermarkt

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Artikel vom 24.08.2010

Der Besuch im Supermarkt ist durchgeplant und dauert nur fünf Minuten? Fehlanzeige. Oft wird daraus eine Stunde und am Ende haben Sie viel mehr im Einkaufswagen, als Sie ursprünglich kaufen wollten. Schuld daran sind psychologische Tricks. Ein fiktiver Rundgang.

Der moderne Mensch. Ständig im Stress. Der Kühlschrank meist leer. Keine Zeit, um auf dem Wochenmarkt in Ruhe einzukaufen. Häufig heißt es deshalb: Nach Feierabend fix zum Supermarkt, um noch «schnell» etwas zu besorgen.

Meist soll es nur eine Kleinigkeit zum Abendessen sein. Also kurz rein und dann schnell wieder raus - dauert keine fünf Minuten. Start und los bis zur Drehtür. Ganz gemächlich dreht sie ihre Runden und bremst die Schrittgeschwindigkeit der Kunden auf Spaziergängerniveau. Dahinter Plakate mit Sonderangeboten. «Hm. Laptop für 299 Euro? MP3-Player für 29 Euro? Muss ich dann gleich mal gucken», werden sich viele denken.

Im Eingangsbereich strömt dann der Duft von frischen Backwaren des Filialbäckers in die Nase. Die goldig glänzenden Brötchen und die frischen Brote springen ins Auge. Es folgt die Gemüseabteilung. Frische. Viele schöne Formen und Farben. Eine angenehme Atmosphäre. Der Kunde fühlt sich wohl.

Alles Zufall oder nicht? Warum öffnen sich die Türen langsam; warum wird man im Eingangsbereich mit Aktionsware konfrontiert, warum kommt meist zuerst die Obst- und Gemüseabteilung? Natürlich soll man die Backwaren und das Obst und Gemüse auch kaufen. Aber das Reizen der Sinne dient noch einem anderen Zweck: Den Kunden am Eingang möglichst abzubremsen, wenn er vom Parkplatz in den Laden eilt.

Was die Augen zuerst sehen

Der Rundgang beginnt rechts und verläuft gegen den Urzeigersinn. Breite Gänge, in deren Mitte Aktionsware aufgetischt ist, locken den Besucher tiefer in die Shopping-Welt. Er schaut sich die Regale an und entdeckt auf Augenhöhe eine neue Müslisorte mit dem Bild eines Weizenfeldes auf der Verpackung. Er denkt an den nächsten Morgen, wie er nach dem Duschen die gesunde Stärkung löffeln wird und greift zu. Das weitaus preiswertere Müsli zwei Regalfächer tiefer sieht er nicht.

Nun geht es vorbei an der Kühlbox. Hier steht die leckere Käsecreme, die die Tante früher aufs Brot geschmiert hat. Dann springt noch die griechische Pizza ins Auge, die mit Hackfleisch und Zwiebelringen. Etwas Deftiges wäre jetzt genau das Richtige. Der Wagen füllt sich.

Als nächstes Hygieneartikel. Mehrere Meter Duschbäder und Shampoos. Kann man doch gerade auch ganz gut gebrauchen, und wenn man schon mal da ist. Aber welches Produkt? Rote Verpackung mit Bild von Früchten oder blaue Flasche mit dem Foto eines Mannes, der in einen Wasserfall springt? Bei Duschbad dürfte die blaue Flasche mit dem Klippenspringer gewinnen. Sie landet im Einkaufswagen, wo sie aufgrund der Schräge nach hinten zu den anderen Waren rutscht. Aus der Sicht des Kunden betrachtet bietet der Wagen noch genügend Platz.

Alles Zufall oder nicht? Dass einem das Müsli ins Auge gesprungen ist, liegt an der Position in der sogenannten Sichtzone - also in 1,40 Meter bis 1,80 Meter Höhe. Dort platzieren die Supermarktbetreiber gern Produkte, die der Kunde erst kauft, wenn sie ihm auffallen - weil sie neu oder teuer sind. Die Ware in der sogeannten Bückzone, also ein oder zwei Regalböden tiefer, soll dagegen weniger auffallen. Denn sie ist meist bedeutend billiger. Einige preiswerte Angebote stehen auch in der sogenannten Reckzone in 1,80 Meter Höhe. Greift der Kunde danach, fallen ihm nebenbei noch Produkte in Augenhöhe auf.
 

Dass Kunden noch viele Dinge wie Käsecreme und Pizza zusätzlich einkaufen, ist nicht überraschend. Experten schätzen, dass wir je nach Typ zwischen 30 und 70 Prozent mehr einkaufen, als wir ursprünglich wollten. Die Verpackungen beeinflussen uns dabei. Sie erinnern uns beispielsweise daran, wie lecker etwas einmal geschmeckt hat. Besonders anfällig ist man dafür, wenn man Hunger hat. Was hilft? Ein starker Wille, Scheuklappen und vorher eine Einkaufsliste schreiben.

Und warum das blaue Duschbad? Auch das ist erforscht. Für jedes Produkt gibt es eine passende Farbe. «Farbstrategien ziehen sich darum durch den ganzen Supermarkt», erklärt der Mannheimer Konsumforscher Willy Schneider in der Süddeutschen Zeitung: «Kosmetika sind überwiegend in Blau und Weiß verpackt, was Ruhe und Hygiene signalisiert.» In der Psychologie nennt man das Irradiationseffekt: Durch die Farbe schließen wir auf die Eigenschaft eines Produktes - und genau das wird ausgenutzt.

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