Stahlkocher sollen Vorreiter werden
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Von Uta Knapp
Artikel vom 19.08.2010
Nach den mageren Tarifabschlüssen der Vergangenheit wollen die Gewerkschaften höhere Forderungen durchsetzen. Die Stahl-Verhandlungen sollen dabei zum Gradmesser werden. Die IG Metall gibt sich kämpferisch.
Mit den ersten großen Tarifverhandlungen im Zeichen des Booms sollen die Stahlkocher nach dem Willen der IG Metall ein Zeichen setzen. Zunächst einmal geht es bei der Anfang September in Gelsenkirchen beginnenden Tarifrunde um 85.000 Beschäftigte der Stahlindustrie von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen und damit um einen eher überschaubaren Kreis von Betroffenen. Doch der zuständige NRW-IG Metall Bezirksleiter Oliver Burkhard sieht in den Verhandlungen nicht weniger als die «erste Tarifrunde der Nachkrisenzeit».
Auch wenn die Tarifkommission der Gewerkschaft noch keine bezifferte Forderung aufgestellt hat, hat Burkhard sich ein klares Ziel gesetzt: «Geld steht im Vordergrund». Daneben soll es jedoch auch um gleichen Löhne für Leiharbeiter gehen. Im Zeichen der Krise stand dagegen in der Vergangenheit die Beschäftigungssicherung im Vordergrund.
Für die anstehende Tarifauseinandersetzung sieht sich die Gewerkschaft gut gerüstet. Rund 77.000 der 85.000 betroffenen Stahlkocher sind gewerkschaftlich organisiert. Das ist ein Rekordwert innerhalb der IG Metall. Bereits in der Vergangenheit haben sich die Stahl-Belegschaften auch kämpferisch gegeben, wenn es um die Durchsetzung ihrer Forderungen ging. Der öffentlichen Wirkung wird die eher geringe Zahl der von dem Tarifvertrag betroffenen Beschäftigten nach Einschätzung der Gewerkschaft dagegen keinen Abbruch tun. «Die Stahl-Tarifverhandlungen haben immer einen besonderen Stellenwert», sagte ein IG Metall-Sprecherin.
Auch die wirtschaftlichen Rahmendaten der Branche zeigten nach oben, die Auftragsbücher seien gut gefüllt, argumentiert die IG Metall. «Die Krise hat die Stahlunternehmen verlassen», sagte Burkhard. Mit einer Auslastung der Kapazitäten von 84,6 Prozent habe die Stahlindustrie nahezu bereits wieder das Vorkrisen-Niveau des Jahres 2008 erreicht, rechnet die Gewerkschaft vor. Während Anfang 2009 noch fast jeder zweite der 85.000 Stahlkocher in Kurzarbeit gewesen sei, sei das in den Betrieben nun kein Thema mehr.
Im Zuge des Aufschwungs hatten auch andere Gewerkschaften bereits Begehrlichkeiten angekündigt. Nach den Tarifverhandlungen der Stahlkocher stehen etwa in der Ernährungsindustrie in den kommenden Monaten Entgeltverhandlungen für die rund 520.000 Beschäftigten an. «Abschlüsse in Richtung drei Prozent» hat sich bereits der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz- Josef Möllenberg, gewünscht. Auch die IG Bau sieht nach eigenen Angaben keinen Grund «defensiv» an die im März 2011 startende Tarifrunde heranzugehen.
Länger auf den erhofften Nachschlag warten müssen dagegen die bundesweit rund 3,4 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie, für die die IG Metall erst im Februar noch unter dem Eindruck der Krise einen Tarifvertrag bis Ende März 2012 abgeschlossen hatte. Nach einer für 2010 vereinbarten Einmalzahlung von 320 Euro sollen die Entgelte nun zum 1. April kommenden Jahres um 2,7 Prozent steigen. Eine Klausel im Tarifvertrag ermögliche jedoch ein Vorziehen der Erhöhung um zwei Monate - je nach wirtschaftlicher Lage, so die Gewerkschaft.
mat/news.de/dpa
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