So., 12.02.12
Abgewirtschaftet

Abgewirtschaftet Tanzen auf schwarz-gelben Nasen

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Artikel vom 14.08.2010

Nichts ist spannender als eine Woche in der Wirtschaft. Es geht um dicke Geschäfte, Politik und viel Geld. Und auch um Leute, die damit nicht umgehen können. Der satirische Wochenrückblick.

14.08.2010
Google
Ein Wolfswelpe im Schafspelz?
Video: news.de

Schade, dass Google damals kein großes Brimborium darum gemacht hat, wann es wo die Aufnahmen für Street View schießen will. Die Hausbesitzer hätten ansonsten ihre Fassaden noch mal richtig aufgemotzt, die Menschen hätten sich neue Klamotten gekauft und wären zum Frisör gegangen. Aber nun kommt Deutschland ganz unvorbereitet ins Netz, schade.

Ach wie schön wären die Fotos geworden. Mal abgesehen von den hässlichen Tarnnetzen, unter denen die Politiker ihre Häuser versteckt hätten, wären ansonsten nur lachende und zufriedene Bürger ins Netz gekommen, die der ganzen Welt zugewunken hätten. Nun gucken die Passanten nicht einmal in die Kamera.

Deshalb funktioniert die Personensuche auch nicht richtig. Hoffentlich gibt es da wenigstens eine Verbesserung in Street View Version 2.0.

Die kommt sicherlich schneller, als den Politikern lieb ist. Dass Google die Bundesrepublik vor vollendete Tatsachen gesetzt hat, zeigt ja schon, wie ernst die Amerikaner unsere Beschützer aus Berlin nehmen. Beim Thema neue Medien sind die noch mit der Suche nach dem Wirkungsnachweis zwischen Ballerspielen und Amokläufern beschäftigt. Datenschutz und die Gefahr, die aus der Verknüpfung von persönlichen Informationen ausgeht, sind für die meisten Politiker viel zu kompliziert.

Die große Antwort der Politik auf die Bedrohung: Einfach das Haus verpixeln lassen. Klar, diesen Einspruch kann man gegenüber Google sicherlich äußern. Aber was der Internetgigant am Ende mit der Eingabe macht, das steht in den Sternen. Gegen das Persönlichkeitsrecht verstößt das Abbilden eines Hauses meines Wissens jedenfalls nicht.

Und nur mal so am Rande: Den passenden Algorhytmus für eine Personensuche hat Google übrigens schon jetzt im Portfolio. Er ist im Picasa-Tool enthalten und sucht alle Fotos mit der gewünschten Person anhand von biometrischen Daten heraus. Was für ungeahnte Möglichkeiten sich durch die Kombination diverser Google-Tools bereits heute für den Otto-Normalspion ergeben ... Da will ich mir gar nicht vorstellen, was der quasimonopolistische Datenkrake künftig für Leute anbietet, die ein paar Scheine mehr rüberwachsen lassen.

Atomenergie macht auf dicke Hose

Ein paar große Scheine wollen auch die Stromriesen rüberwachsen lassen und mit der Politik einen Stillhaltevertrag abschließen. Damit soll in Berlin ganz schnell die böse, böse Brennelementesteuer als Tabuwort erklärt werden. Die Energiewirtschaft hat offenbar die Kausalkette bei Schwarz-Gelb verstanden. Die funktioniert nach dem Prinzip: Wenn Geld, dann Wohlwollen. Hat ja bei den Hoteliers auch ganz prima funktioniert, nur ging es dort etwas diskreter zu.

Liebe RWE’s, Eon’s, EnBWer und Vattenfaller: Jetzt macht mal nicht auf dicke Hose. Seid doch erstmal froh, dass die Politik überhaupt eine Laufzeitverlängerung plant. Das ist doch schon ein riesiger Schritt. Die Brennelementesteuer verteufeln, dass hättet Ihr Euch doch früher erst gar nicht getraut. Ihr steht zwar gerade nicht dem rot-grünen Team, sondern nur Schwarz-Gelb gegenüber. Aber wer weiß, wie lange die das überhaupt noch machen mit der Politik, oder was die darunter auch immer verstehen.

Und rumjammern, dass ihr kein Geld mehr für den Erhalt der Stromnetze habt, ist dämlich und nur ein Grund mehr, die Stromleitungen in andere Hände zu geben. Noch was: Wenn ich Eure Gewinne so sehe - allein RWE legte beispielsweise in dieser Woche ein sattes Gewinn-PLUS von 22 Prozent vor - dann ist da durchaus etwas für die Allgemeinheit übrig, von denen das Geld für Eure überteuerten Strompreise am Ende ja auch kommt.

Die Politik braucht das Geld doch so sehr. Schließlich müssen Deuschlands Arbeiter kräftig aufgestockt werden. Dafür hat der Staat bis jetzt immerhin 50 Milliarden Euro ausgegeben. Ist ja am Ende auch ein Entgegenkommen für die Wirtschaft. Dadurch ist das deutsche Humankapital so billig wie der chinesische Wanderarbeiter, und die Konzerne müssen selbst nicht erst dorthin abwandern. Klar, dass da die Wirtschaft brummt, in dieser Woche ging es gleich 4,1 Prozent nach oben. Herzlichen Glückwunsch!

car/news.de
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Abgewirtschaftet: Tanzen auf schwarz-gelben Nasen » Wirtschaft » Nachrichten

URL : http://www.news.de/wirtschaft/855068948/tanzen-auf-schwarz-gelben-nasen/1/
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 15.08.2010 12:40
von
Chris

Dieser Bericht mit den hässlichen Tarnnetzen von Politikerhäuser dazu zufriedene Bürger ins Netz klingt gut.. Leider könnte dann das Persönlichkeitsrecht schon bei Abbilden eines Hauses die Justiz beschäftigen. Thema mit den Stillhaltevertrag der Stromriesen und das Rückholen der überteuerten Strompreise, zwar leider nur an Staat nicht an die zahlenden Verbraucher,ist erwähnungswert hat aber da beide Seiten dran verdienen nur eine Verteuerung zu folge. Dies mit den Humankapital, damit der Lohn aufgestockt und unsere Werktätigen den chinesische Wanderarbeiter gleich kommen ist schon realität

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