Liechtenstein-Affäre BND-Informant: 46 Politiker verwickelt

Heinrich Kieber verkaufte dem BND eine CD mit den Daten deutscher Steuersünder (Foto)
Heinrich Kieber verkaufte dem BND eine CD mit den Daten deutscher Steuersünder. Bild: dpa

Er hatte dem BND Daten über deutsche Steuersünder verkauft. Jetzt gibt Datendieb Kieber dem Stern ein Interview - und wundert sich, dass bisher so wenige prominente Steuertäter bekannt wurden. Es seien allein 46 «politisch exponierte Personen» betroffen.

Die Liechtensteiner Steuer-Affäre um den früheren Post-Chef Klaus Zumwinkel hat nach Angaben des Datendiebes Heinrich Kieber bisher unbekannte Ausmaße. Insgesamt verfüge er über Daten von 3929 Stiftungen, Gesellschaften und Trusts sowie von 5828 natürlichen Personen, sagte Kieber dem Hamburger Magazin Stern.

Darunter seien «46 PEP - politisch exponierte Personen» wie der langjährige Post-Chef Zumwinkel. Dessen Steuerbetrug wurde mit Hilfe von Kiebers Informationen aufgedeckt. «Zu meiner Überraschung bislang der einzige PEP, dessen Fall zumindest teilweise öffentlich wurde», sagte er dem Magazin.

Vom Bundesnachrichtendienst (BND) erhielt Kieber laut eigenen Angaben fünf Millionen Euro für seine Informationen. Kieber, der die Konto-Daten an insgesamt 13 Staaten weitergegeben haben will, lebt an unbekanntem Ort im Zeugenschutzprogramm eines Geheimdienstes.

Nach Angaben von Kieber flossen Milliarden von Schwarzgeld aus der ganzen Welt nach Liechtenstein. Über Konten von Briefkastenfirmen, beispielsweise in Spanien oder Portugal, die indirekt der fürstlichen LGT Treuhand gehörten, sei das Geld in das Fürstentum gelangt. Bargeld hätten die Kunden durch eine geheime Stahltür im öffentlichen Parkhaus von Vaduz direkt in einen Tresorraum der LGT Treuhand fahren können.

«Die Treuhänder wissen mehr als manche Ehefrau»

Die Mitarbeiter der LGT Treuhand hätten über vertrauliche Gespräche mit ihren Klienten minuziös Buch geführt, sagte Kieber dem Magazin. Die Notizen seien mit den Kontodaten abgespeichert worden. «Die Treuhänder wissen mehr als manche Ehefrau oder die Kinder oder die Geschäftspartner.» In den internen Vermerken habe er Geschichten «über Familienstreitigkeiten, Zweit- und Drittfrauen oder uneheliche Kinder» lesen können. Der reichste Anleger war laut Kieber ein italienischer Industriellen-Erbe mit 450 Millionen Euro, der reichste Deutsche ein Düsseldorfer Geschäftsmann mit Anlagen von 35 Millionen Euro.

Gestützt auf Kiebers Daten wurde im Februar 2008 in Deutschland eine bundesweite Razzia gegen mutmaßliche Steuersünder ausgelöst. Darunter war Zumwinkel, der zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Geldbuße von einer Million Euro verurteilt wurde. Außerdem leitete die Bochumer Staatsanwaltschaft Hunderte Ermittlungsverfahren ein. Viele Steuersünder zeigten sich auch selbst an, um den Ermittlungen zuvorzukommen.

Die Steueraffäre belastete die Beziehungen zwischen Deutschland und Liechtenstein schwer. Der Ton verschärfte sich vor allem in den Tagen direkt nach der Festnahme Zumwinkels deutlich. Das fürstliche Bankhaus gab später das Treuhandgeschäft auf und verkaufte seine LGT Treuhand.

che/reu/news.de/dpa/ap

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Frank Schusterbach
  • Kommentar 1
  • 04.08.2010 19:23

das ist doch pustekuchen, schaut liebermal wer alles im vatikan ein konto hat bei der sogenannten "papst-bank"

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