So., 12.02.12

Merkel in China Exportweltmeister unter sich

Von Alexander Missal

Artikel vom 15.07.2010

Deutschland und China haben eins gemeinsam: Ihre Exporte boomen. Auch der Handel zwischen den beiden Ländern wird immer lebhafter. Mit Wirtschaftsvertretern im Tross reist Kanzlerin Merkel ins Reich der Mitte. Doch es gibt auch Kritik.

Ein dickes Plus weit jenseits der zehn Prozent, solche Zahlen gab es während der Wirtschaftskrise lange nicht zu hören. China und Deutschland können damit auftrumpfen: Um 35 Prozent legten die chinesischen Exporte nach offiziellen Zahlen in diesem Jahr bisher zu, der Wert der Ausfuhren «made in Germany» schoss im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent nach oben.

Zwar löste China den langjährigen Exportweltmeister Deutschland 2009 ab und wird diesen Titel wohl in absehbarer Zeit nicht wieder hergeben. Auch, wenn sich das Wirtschaftswachstum in China insgesamt im zweiten Quartal 2010 etwas abgeschwächt hat. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei um 10,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen, teilte die nationale Statistikbehörde (NBS) am Vormittag in Peking mit. Im ersten Quartal hatte die Wachstumsrate noch 11,9 Prozent betragen.

Dennoch bleibt China Exportweltmeister und diese Ausgangslage ist weniger ein Wettstreit als eine Gemeinsamkeit, die das Land mit Deutschland verbindet. Das gilt auch für die Gespräche, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf ihrer Asienreise unter anderem mit Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao führen will. Eine illustre Riege deutscher Wirtschaftslenker hat sie gleich mitgebracht.

Beide Länder haben in den vergangenen Jahren auch ihren Handel untereinander kräftig ausgebaut. Derzeit ist das bevölkerungsreichste Land der Welt Deutschlands viertwichtigster Handelspartner, 1970 lag China noch auf Platz 36. Maschinen, Autos und Autoteile sind die Renner bei den deutschen Ausfuhren.

Der soziale Status hängt an der Zigarettenmarke

Für die Mercedes-S-Klasse sind Chinesen nach Daimler-Angaben bereits die wichtigsten Kunden, um 42 Prozent legte der Absatz der Nobelkarossen in China im ersten Halbjahr zu. Die immer zahlreicheren jungen Millionäre aus Peking und Schanghai sollen ebenso zu den Kaufinteressenten gehören wie große Unternehmen und Behörden, von denen es China ebenfalls jede Menge gibt.

Zwar bauen die Chinesen längst eigene Autos und steigen, wie zuletzt der Hersteller Geely bei Volvo, auch bei europäischen Traditionsunternehmen ein. Doch in einem Land, wo sich schon an der Zigarettenmarke der soziale Status ablesen lässt, sind deutsche Marken und Qualität nach wie vor viel wert.

Umgekehrt exportieren die Chinesen vor allem Computer und andere Elektronik sowie Bekleidung nach Deutschland. Von den importierten Sonnenbrillen, weiß das Statistische Bundesamt, kommen fast 90 Prozent aus China - und nur noch drei Prozent aus Italien.

Beide Länder sind - ganz anders als die USA - eher fürs Sparen als fürs Ausgeben bekannt und häufen dank der Exportstärke jedes Jahr einen gewaltigen Überschuss in ihren Handelsbilanzen an. Und genau dafür müssen sie sich seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise heftige Kritik gefallen lassen.

China im Währungskonflikt mit den USA

Denn das Geld, das in China und Deutschland übrig blieb, wurde in der Vergangenheit tendenziell nicht im eigenen Land investiert, sondern floss in andere Volkswirtschaften wie die USA - zum Beispiel in völlig überbewertete Immobilien. Diese sogenannten globalen Ungleichgewichte gelten als eine der tieferen Ursachen der Krise.

Die unterschiedlichsten Absender - von der Regierung Brasiliens bis hin zur streitbaren französischen Finanzministerin Christine Lagarde - hielten deshalb der deutschen Regierung in den vergangenen Monaten vor, die Binnennachfrage zu vernachlässigen und zum Beispiel zu wenig zur Stärkung des Dienstleistungssektors zu unternehmen.

China wiederum liegt seit Jahren mit der amerikanischen Regierung im Clinch, die eine Aufwertung der chinesischen Währung Yuan gegenüber dem Dollar fordert, damit Waren aus dem Reich der Mitte in den USA teurer und die Importe aus China zurückgefahren werden.

Die Bundesregierung bezeichnete sich bisher als falscher Adressat der Kritik, und China lenkte in dem Währungskonflikt nur in homöopathischen Dosen ein. Diese Beharrlichkeit könnte Merkel und Wen einander näher bringen - Exportweltmeister unter sich eben.

hav/che/reu/news.de/dpa
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Merkel in China: Exportweltmeister unter sich » Wirtschaft » Nachrichten

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Leserkommentare (2)
  • Kommentar: 2
  • 16.07.2010 18:28
von
eifler
Antwort auf Kommentar 1

Nachtrag zu Kommentar 1: An Merkel & Co. Diese Sprichwort, "die dümmsten Kälber suchen ihren Metzger selber" trifft bei den v.g. m.e. voll zu, oh armes Deutschland, was ist aus dem Land der Dichter, Denker und Erfinder nur geworden. Die Chinesen sind ja dabei in der Eifel den Bitburger Flugplatz zu kaufen, Deutschland verkauft somit das Tafelsilber an die Chinesen und wir Deutschen können froh sein, in Zukunft noch den Reis mit Stäbschen essen zu können.

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  • Kommentar: 1
  • 16.07.2010 18:15
von
eifler

Exportweltmeister BRD: Die Japaner haben z.Z. unsere Produktpalette, insbesondere PKW u. Elektronic fotog.u. nach diesen Vorlagen gezeichnet, konstruiert u. gebaut. In einer Zeit von ca. 25 bis 30 J. wurden die Japaner Marktführer mit diesen Produktpaletten. Die Chinese haben es einfacher u. eleganter gelöst: 1. Sie Kaufen den Tranrapid mit allen dazugehörigen K-plänen, Detailzeichnungen sowie Fertig.-unterlagen. 2. D.h., die Chinesen brauchen nur nachzubauen, haben keine E-kosten u. können preisw.verkaufen. 3. Wir graben u.eigenes Grab, die chinsen brauchen uns nur zu beerdigen.

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