So., 12.02.12

Mögliche Übernahme BP rüstet sich für den Angriff

Artikel vom 12.07.2010

Das Öl schießt aus der Tiefe des Golfs von Mexiko in die Höhe - und mit ihm die Kosten für den Energieriesen BP. Konkurrenten wie Exxon Mobil könnten versuchen, einen Angriff auf BP zu starten. Die Briten versuchen daher, ihre Finanzbasis zu verbesssern.

BP rüstet sich für einen möglichen Übernahmekampf gegen den US-Konkurrenten Exxon Mobil. Der Tag der Wahrheit dürfte am 27. Juli kommen, wenn BP in London seine Quartalszahlen veröffentlicht. Je nachdem wie die Zahlen ausfallen, könnten Exxon Mobil und vielleicht auch die kleinere Chevron entmutigt oder aber in einem Angriff auf BP bestärkt werden.

Nach Informationen des Daily Telegraph versucht BP nun fieberhaft, seine Finanzbasis zu verbessern. Die Konzernführung will am 27. Juli glaubhaft demonstrieren, dass sie für die astronomischen Kosten der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko aufkommen kann. Schon seit Tagen berichten britische Medien, dass das zweite Quartal überraschend gut ausgefallen sei, zumal Dividendenzahlungen erst einmal aufgeschoben sind. Verkäufe einzelner Unternehmensbereiche könnten zusätzlich schnelles Geld einbringen.

Eine entscheidende Frage ist, ob die britische Regierung einspringen würde, um BP davor zu bewahren, von der amerikanischen Konkurrenz geschluckt zu werden. Ein Argument für eine staatliche Intervention könnte sein, dass BP einen Großteil der britischen Energie-Infrastruktur besitzt, darunter ein Leitungssystem, das über 50 Öl- und Gasfelder in der Nordsee verbindet.

BP ist ein Empire für sich

Ist es überhaupt vorstellbar, dass die britische Regierung BP von der amerikanischen Konkurrenz schlucken lässt? So mancher Kenner meint: Nie. Denn BP steht für den globalen Einfluss, den Großbritannien auch auf politischer Ebene sucht. BP ist ein Empire für sich.

Die Beziehung zwischen BP und Her Majesty's Government gilt traditionell als eng. Vor allem unter der Regierung von Tony Blair (1997-2007) lagen die Interessen beider Seiten so nah beieinander, dass manche Kritiker BP mit «Blair Petroleum» übersetzten. Nach Blairs Rücktritt wurde darüber spekuliert, dass er zu BP wechseln könnte.

Seit den Tagen der East India Company, die im 18. Jahrhundert in enger Zusammenarbeit mit dem britischen Staat das Kolonialreich in Indien aufbaute, gilt auf der Insel der Satz: «Der Handel folgt der Flagge.» Im Fall von BP sei das jedoch genau umgekehrt, sagte einmal Lord Browne, der BP ganze zwölf Jahre lang führte - von 1995 bis 2007. Als BP zum Beispiel zur Erschließung von Ölreserven nach Aserbaidschan gegangen sei, habe der erste diplomatische Vertreter Großbritanniens sein Büro bei BP angemietet.

Im britischen Leben ist der Konzern sehr präsent. Da sind nicht nur die Tankstellen mit dem hübschen gelbgrünen Blumen-Logo, bei dem man eher an Naturschutz als an Öl denken soll. Zurzeit hängen in der Londoner U-Bahn überall Plakate, die für den jährlichen Porträt-Preis von BP werben. Das ist nur eines von vielen Beispielen.

All das sind gute Gründe, diese Kronjuwelen nicht in die Hand der Amerikaner fallen zu lassen. Zumal Außenminister William Hague gerade erst in einer Grundsatzrede die Notwendigkeit einer britischen Führungsrolle in der Welt unterstrichen hat.»

hav/reu/news.de/dpa
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