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Geld regiert die Welt (Bild 1/11)
John Maynard Keynes  (Foto)
Foto: dpa
05.01.2010

Der Brite John Maynard Keynes träumte von seinem Bancor als Weltleitwährung. Eine Währung, völlig unabhängig von nationalen Interessen, die eine ausgeglichene Weltwirtschaft ermöglichen sollte.

Euro-Krise

Geld ohne Zins - die Alternative?

Von news.de-Redakteur Herbert Mackert

Beinahe-Staatspleiten und die Krise des Euro verleihen alternativen Wirtschaftsmodellen wie der Freiwirtschaftslehre Auftrieb. Diese verspricht ein stets umlaufendes Geld ohne Zins - und Wohlstand für alle. Aber funktioniert das wirklich?

Lester Maul (Was ist das?)

Eigentlich logisch. Wenn alles Gewinn und Verlust unterworfen ist, warum dann nicht auch der Zins. Der schwankt zwar, aber niemals unter Null. Das müssten Sie mal zu Ende denken. Den Anfang habe ich ja nun für Sie gedacht.

 

 

Die Idee geht auf den Kaufmann Silvio Gesell und auf das frei umlaufende Geld im HochmittelalterRegelmäßige sogenannte Geldverrufungen verhinderten eine Hortung des Geldes. Dabei mussten die Münzen gegen eine Prägesteuer umgetauscht werden, um ihre Gültigkeit zu behalten. Geld war damit stets ausreichend im Wirtschaftskreislauf vorhanden - es entstanden so imposante Bauwerke wie das Straßburger oder Freiburger Münster. zurück. Der 1862 im heutigen Belgien geborene Gesell erfasste als Geschäftsmann in Argentinien die Bedeutung einer gleichmäßigen Umlaufgeschwindigkeit des Geldes für eine krisenfreie Wirtschaft.

Nach ihm sollte Geld nur als Tauschmittel dienen, das die Wirtschaft nicht durch Hortung lähmen darf. Weil es keiner Abnutzung unterliegt, es weder rostet noch verdirbt, ist es allen anderen Gütern überlegen. Anders als Waren und menschliche Arbeitskraft kann Geld ohne Kosten zurückgehalten werden - und bringt sogar noch Zinsen. Diese Marktüberlegenheit des «leistungslosen» Einkommens durch Geld wollte Gesell durch einen «negativen Zins» beseitigen.

Verliert Geld nämlich nach einer bestimmten Zeit an Wert, würde es lieber ausgegeben - die Freiwirtschaftler nennen das «umlaufgesichertes Geld» oder «Freigeld». Es entstünde eine «natürliche Wirtschaftsordnung», in der Geld wie alle anderen Güter einem natürlichen Verfallsprozess unterworfen ist.

Taler, Taler, Du musst wandern

Heute entsprechen sogenannte Regiogelder am ehesten diesem Modell. Bereits 27 Regionen in Deutschland, der Schweiz und Österreich haben neben dem Euro noch eine alternative Währung, weitere 40 Regionalgeld-Projekte sind in Planung. Sie tragen Namen wie der Freitaler in Freiburg, der Chiemgauer in Oberbayern, der Urstromtaler in Sachsen-Anhalt oder der Zschopautaler entlang dem gleichnamigen Fluss in Sachsen. Im Freistaat sind gleich zwei weitere Regiowährungen in Vorbereitung - der Elbtaler (Dresden) und der Lausitzer.

Allen gemein ist der entscheidende Unterschied zum Euro - eine Umlaufgebühr. Hat man den Zschopautaler drei Monate lang im Portemonnaie, muss man für zwei Cent Marken auf ihn kleben, damit er gültig bleibt. Diese kommen einem von 40 sozialen oder ökologischen Förderprojekten zu Gute. Getreu dem Kinderlied «Taler, Taler, du musst wandern, von dem einen zu dem andern (...) Niemand darf den Taler seh'n!» haben Regiowährungen wie der Zschopautaler durch diese regelmäßig drohende Abwertung eine hohe Umlaufgeschwindigkeit.

«Regionalgeld ist kein Selbstläufer», sagt Christian Schwerin vom Verein Zschopautaler. Dennoch ist er mit der Entwicklung des 2007 gestarteten Talers zufrieden. 120 Unternehmen akzeptieren den Zschopautaler, über 252.000 Einheiten im Wert von je einem Euro wurden ausgegeben. Doch beim Geld seien die Menschen in Krisenzeiten besonders vorsichtig. «Wenn man mit Geld etwas Neues macht, gibt es immer erst mal Vorbehalte», betont der Mathematiker.

Zwei Dinge solle der Zschopautaler erfüllen, sagt Schwerin: «Die Kaufkraft in der Region stärken und ein Geld schaffen, dass nicht dem Wachstumzwang unterliegt.» Nach seinem Dafürhalten müsste es die Möglichkeit geben, dass Zinsen auch ins Negative drehen können. Ein negativer Zins könnte in der aktuellen Wirtschaftskrise verhindern, dass Geld zurückgehalten und stattdessen in die regionale Wirtschaft investiert werde, glaubt Schwerin. Dieser Meinung war offenbar auch die schwedische Zentralbank, die während der Finanzkrise im vergangenen Jahr tatsächlich einen negativen Leitzins einführte.

«Alle 70 Jahre brechen Wachstumssysteme zusammen»

Für das bisherige Wirtschaftssystem mit seinen Zinseszins-Spiralen und seiner ungeheuren Kapitalakkumulation sieht der Mathematiker ansonsten schwarz. So schwarz wie beim großen Börsencrash 1929, dem Schwarzen Freitag. Alle 70 Jahre kollabierten Wirtschaftssysteme mit exponentiellem Wachstum wie dem Zinseszinswachstum. «Dann fangen wir wieder bei Null an - oder es gibt einen Krieg - aber den wünscht sich keiner», prophezeit Schwerin. Rechnet man 1949, dann wäre der Zusammenbruch nicht mehr weit.

Zuvor muss Schwerin noch ein ganz praktisches Problem des Zschopautalers lösen. Bislang kann mit ihm nur bar bezahlt werden. Neulich verkaufte der Unternehmer sieben Solarthermieanlagen. «Da lag ein ziemlicher Stapel Scheine auf dem Tresen». Mit der örtlichen Volksbank und der Sparkasse, die die Alternativwährung im Landkreis Mittelsachsen ausgeben und auch wieder zurücknehmen, will Schwerin nun ein Kontozahlungsverfahren für den Zschopautaler entwickeln. Eine entsprechende Initiative bei Geschäftsbanken will Schwerin sich sparen. «Das sind ja nur Filialen hier. Ich werde nicht mit AckermannDeutsche Bank-Chef Josef Ackermann darüber sprechen.»

mat/reu/news.de/ddp
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Leserkommentare (1)
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  • Kommentar: 1
  • 18.06.2010 21:41
von
Uwe Hotze

Man kann es auch ¨INFLATION¨ nennen. Wer etwas Erfahrung mit einer Inflation hat, weiss genau wie es umlaufen muss. Traurig, aber nicht mehr abwendbar. Heil Euro.

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