Das Plastikhorn von Afrika
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Von Stefan Höhle
Artikel vom 12.06.2010
Sie ist der Exportschlager der Fußball-WM in Südafrika: Die Vuvuzela. Nicht nur am Kap der guten Hoffnung, auf der ganzen Welt reißen sich die Fans mittlerweile um die Plastiktröten. Zwei Unternehmer brachten das Instrument auch nach Deutschland - und verkauften es millionenfach.
Als er das erste Mal von der Tröte hörte, verstand Gerd Kehrberg nur: «Uwe Seeler». Im Herbst 2007 war das, als ihm ein Freund von der Wirkung der Vuvuzela erzählte. Zu fremd klang der Name. Heute hat Kehrberg eine innige Beziehung zu dem südafrikanischen Instrument. Denn der Exportschlager der Fußball-WM in Südafrika ist auch für ihn zu einem großen Geschäft geworden.
Zusammen mit seinem Partner Frank Urbas sicherte sich Kehrberg im Sommer 2008 die Marken-, Produktions- und Vertriebsrechte für die langgezogenen Plastiktröten. Die Produktion vergaben die beiden an das auf kunststofftechnische Massenfertigung spezialisierte Unternehmen Allit in Bad Kreuznach. In den Monaten vor der WM liefen täglich fast 60.000 Stück vom Band, über vier Millionen seiner Vuvuzelas seien allein im Jahr 2010 in Deutschland verkauft worden, sagt Kehrberg. «Allerdings haben wir das Gerät zuvor optimiert.»
Mit Blick auf die Absatzzahlen gerieten die Verbesserungen in der Tat optimal. Wer die ohrenbetäubenden Dezibellawinen hört, die einer Vuvuzela made in Germany entfahren, wird kaum glauben, dass Kehrberg die Sirene schallgedämpft und damit so weit verkehrsfähig gemacht hat, dass ihren Benutzern hierzulande nicht sofortiges Stadionverbot droht. Kritisch sollte die Lautstärke aber bleiben, und so gilt wohl auch für die rheinland-pfälzische Variante die südafrikanische Fußballweisheit: «Eine Vuvuzela wird nur von denen gehasst, die keine haben.»
Dreiteilig ist die von Kehrberg und Urbas optimierte Tröte nun auch, um ihrer Eignung als Schlagwaffe entgegenzuwirken. Die zusammengesteckte Turboröhre misst in der Länge 61 Zentimeter. Nach zunächst schleppendem Absatz entdeckten Unternehmen die Vuvuzela dann im Vorfeld der WM als verkaufsfördernde Zugabe zu ihren Produkten: Eine Münchner Brauerei offerierte sie zum Beispiel als Dreingabe zum Sixpack. Seit April verkauft eine Tankstellenkette die Tröte für 2,99 Euro, auch eine Supermarktkette und ein Online-Dienstleister bieten sie zum gleichen Preis an.
Deutschland vor der Vuvuzela-Flut
Gerade die Dreiteiligkeit soll der Vuvuzela - in einer Bantu-Sprache bedeutet das Wort «Krach machen» - eine noch goldenere Zukunft sichern. «Wir können das Kolorit der meisten Nationalflaggen wiedergeben», sagt Kehrberg. «Und auch die Farben der Bundesligavereine.» 2011 steht die Frauen-WM an, 2012 die Fußball-EM der Männer in Polen. Kehrberg will auch die Zuschauerränge bei der Vierschanzentournee der Skispringer mit seinem Soundlieferanten beschallen. Auch von Karnevalsvereinen habe es bereits Anfragen gegeben.
Wenn dann in Bad Kreuznach bald wieder im Sekundentakt schwarz-rot-goldene Plastikfanfaren im Spritzgussverfahren entstehen, könnten womöglich aber auch andernorts Bänder zur Produktion der Trendtröte anlaufen. «Der Name Vuvuzela ist nicht schutzfähig», sagt der Düsseldorfer Fachanwalt für Urheberrecht, Volker Herrmann. Die Bezeichnung des Instruments sei weltweit geläufig und gelte somit nicht als «rechtlich freihaltebedürftig», wie er sagt. Der Anwalt gibt zu bedenken: «Es käme ja auch, überspitzt gesagt, niemand auf die Idee, sich die Benennung für das Instrument Trompete schützen zu lassen.» Kehrberg, vermutet der Anwalt, dürfte allerdings die Lizenz eines bestimmten südafrikanischen Produzenten besitzen.
Wenn also die WM in Südafrika nicht das Ende, sondern erst den Beginn einer über Deutschland hereinbrechenden Vuvuzela-Flut bezeichnet, könnte es nützlich sein, weitere Einsatzmöglichkeiten des Instruments zu prüfen. Ein südafrikanischer Hersteller hält auf seiner Homepage Vorschläge bereit. Eine Vuvuzela, ist dort nachzulesen, eigne sich auch als Trichter beim Tanken, bestückt mit einer Taschenlampe als «Star Wars»-Laserschwert oder als Hörgerät. «Gewerkschaften haben auch schon angefragt», ergänzt Kehrberg. «Für ihre Demos.»
che/hav/news.de/ddp
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