Prognosen Mit Google die Zukunft sehen

Nostradamus_Montage.jpg (Foto)
Mit Google hätte Nostradamus wahrscheinlich noch viel weiter in die Zukunft blicken können. Bild: Montagen, news.de

Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Die Suchmaschine ist aufgrund von Werbeeinnahmen nicht nur eine riesige Gelddruckmaschine. Sie kann auch in die Zukunft schauen. Dafür werden einfach Suchanfragen gezählt - mit einem recht guten Ergebnis.

Das derzeit populärste Beispiel für Googles visionäre Fähigkeiten ist wohl die Vorhersage von Lenas Erfolg beim Eurovision Songcontest in Oslo. Zwar weisen Kritiker zurecht darauf hin, dass die Suchmaschine beim Zweit- und DrittplatziertenLaut Google hätte Eva Rivas aus Armenien Platz zwei belegen müssen und Safura aus Aserbaidschan den dritten Platz. Dabei standen dort die Türkei und Rumänien. falsch lag und Lena demnach bereits im Januar als Sieger sah - zu einem Zeitpunkt, als die 19-jährige Hannoveranerin kaum jemand in Deutschland kannte - trotzdem sollte man die Prognosen von Google deshalb nicht vorschnell abtun. Denn Beweise für richtige Vorhersagen gibt es viele (siehe unten).

Suchmaschinen
Alternativen zu Google

Bereits im vergangenen Jahr wusste Google lange vor dem Finale des Songcontests, dass der damals 22-jährige Alexander Rybak mit dem Titel Fairytale gewinnen wird. Und Google wusste auch, dass der deutsche Beitrag Miss Kiss Kiss Bang von Alex Christensen weit abgeschlagen im unteren Mittelfeld landen würde. Gut, das wahre Ergebnis für den deutschen Beitrag war am Ende noch weit schlimmer.

Wie die Prognosen entstehen

Die Technologie hinter Googles Analysen ist relativ simpel. Die Siegchancen würden einfach anhand der Häufigkeit von Suchanfragen und anhand von Abrufen in Youtube jeweils für die teilnehmenden Ländern berechnet, erklärt IT-Experte Peter Großmann aus Bautzen. «Google konnte feststellen, dass Lena in den meisten Ländern unter den Top 3 ist. Sie war in Ost und West beliebt», so Großmann.

Mit dieser Art der Auswertung könne Google die Zukunft in allen Dingen, mit denen Geld verdient wird, voraussehen. «Man weiß schnell, ob das iPhone beliebter ist als das Wettbewerbsprodukt von Samsung und Sony», sagt Großmann. Für die Praxis gebe das gute Entscheidungsgrundlagen. «Beispielsweise kann der Verleger einer Computerzeitschrift bei der Auswahl des Titelbildes die Analyse zu Rate ziehen.»

Google könnte seine Prognosen theoretisch durch die Auswertung von semantische VerknüpfungenBeispielsweise könnte man durch die Verknüpfung eines Produktes und dem Wort "Shop" oder "Buy" innerhalb einer Suchanfrage eher darauf schließen, dass der Kunde das Produkt gut findet, als wenn er erstmal nur nach Informationen über das Produkt sucht. noch verfeinern, erklärt Großmann. Aber er glaube eher, dass Google aufgrund seiner hohen Marktmacht bereits mit dem einfachen Zählen von Suchanfragen ausreichend gute Ergebnisse erzielen würde. «Wenn man nur die Abrufe zählt, ist das eine Abstimmung mit Füßen. 1989 sind die Leute auch nicht in den Westen gegangen, weil sie den Westen gehasst haben.»

Beispiele aus Politik und Wirtschaft

Durch einfaches Zählen hat Google auch das Ergebnis der letzten Bundestagswahl prognostiziert. Und das mit einer erstaunlich geringen Abweichung zum amtlichen Endergebnis - bis auf die Zahlen für die Piratenpartei, die laut Google über zehn Prozent gekommen wären. Würde Google aufgrund dieser Erfahrungen spezielle Formeln entwickeln, um die Ergebisse zu gewichten - nichts anderes tun bekannte Meinungsforschungsinstitute wie Allensbach und Infratest - würde sich die Qualität der Wahlprognosen leicht verbessern lassen.

Selbst in der Volkswirtschaft wurde Google bereits als Prognoseinstrument eingesetzt. Zwei Ökonomen des Instituts für Arbeitsmarktforschung haben versucht, die Arbeitslosigkeit in Deutschland vorauszusehen. Dafür haben sie den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Suchbegriffen wie Arbeitsamt, Arbeitsagentur, Personalberater und Namen bekannter Stellenportale mit der Höhe der am Monatsende offiziell veröffentlichten Arbeitslosenzahlen verglichen. Sie konnten feststellen, dass es einen Zusammenhang gibt.

Selbst Konjunkturprognosen scheinen mit der Suchmaschine möglich zu sein, zumindest behauptet das Google-Chefökonom Hal Varian. Er hat einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Googlesuchwortstatistik und den später publizierten volkswirtschaftlichen Daten wie Detailhandelsumsätze, Autoverkäufe, Hausverkäufe und Reisevolumen festgestellt.

Die Grippe kommen sehen

Vor zwei Jahren stellte Google das Programm Flu Trends ins Netz, mit dem sich die Ausbreitung von Grippe-Epidemien in Echtzeit verfolgen lässt. Die Theorie dahinter: Bevor jemand zum Arzt geht, sucht ein Patient im Internet nach Medikamenten, Adressen von Arztpraxen und Ratgebern. Auf diese Weise lasse sich der regionale und zeitliche Verlauf einer Grippewelle prognostizieren, glaubt Google-Programmentwickler Jeremy Ginsberg.

Die Vorhersage von Grippewellen der Suchmaschine ist sogar schneller als die behördliche Beobachtung des US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die erst die Ergebnisse der Laboruntersuchungen abwarten muss und deshalb hinterherhinkt.

Wissenschaftler stellten aber kürzlich fest, dass die Qualität der Suchmaschine zu wünschen übrig lässt. Nach einer Analyse von Justin Ortiz von der Universität von Washington in Seattle war Google Flu Trends zu 25 Prozent weniger genau. Dies liege zum einen daran, dass nicht jede akute Atemwegserkrankung in den Wintermonaten automatisch eine Grippe sei. Eine gute Übereinstimmung gebe es in Jahren mit einem normalen Verlauf der Grippewelle, berichtet Ortiz.

Googleprognosen selber erstellen

Die Analyse-Instrumente von Google kann übrigens jeder nutzen. Die zwei wichtigsten sind Google-Trends und das Google-Keyword-Tool.

Google-Trends zeigt dem Anwender, wie oft ein Thema in einem Land oder in welcher Sprache gegenwärtig gesucht wird und in der Vergangenheit geklickt wurde. Eine graphische Kurve zeigt dazu die Entwicklung des Interesses.

Beim Google-Keyword-Tool kann der Nutzer ein Suchwort eingeben und bekommt angezeigt, welche alternativen Suchbegriffe oder Wortgruppen die Nutzer verwenden, um Informationen zu einem bestimmten Thema zu suchen.

sck/ivb/news.de

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