Warum der faule Mitbewohner zahlen soll
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Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Artikel vom 31.05.2010
Die abstrakten Betrachtungen von Ökonomen sind oft überraschend nah am Menschen. News.de greift einige Theorien heraus. Heute: der Trittbrettfahrereffekt und wie man ihn in Familien bekämpft. Etwa, indem die Ehefrau fürs Abwaschen Geld verlangt.
Die Ökonomen haben für profanes menschliches Verhalten stets prima Begriffe parat. Zum Schmarotzen und Drückerbergertum sagen die Theoretiker TrittbrettfahrereffektAnders als in der Psychologie, wo der Begriff Trittbrettfahrereffekt oft zur Erklärung von Nachahmer-Verhalten dient. . In der Wirtschaftswelt wird damit erklärt, dass sich Menschen ganz gern zurücklehnen, solange andere die Arbeit verrichten.
Der Effekt des Effekts: Bei Gruppenarbeit hält man sich eher zurück, wenn die eigene Leistung nicht recht herausgestellt wird und sich schon andere besonders stark hervortun. Oder die offene WLan-Verbindung des Nachbarn wird heimlich genutzt, solange dieser nichts merkt. Und würde die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln auf die Zahlung einer freiwilligen Gebühr beruhen - es würde nicht lange dauern, und keiner würde überhaupt noch etwas bezahlen.
Trittbrettfahrereffekte treten aber nicht nur außerhalb der eigenen vier Wände auf - sondern auch in der Privatssphäre, in der Ehe genau wie in den in Deutschland so beliebten Wohngemeinschaften, kurz WG's genannt.
So ruhen sich viele Ehemänner allabendlich in ihrem «Fernsehsessel» aus, während die Frau kocht und danach abwäscht. Die Devise: So war das schon immer, und es funktioniert eben.
Stärkere Trittbrettfahrereffekte kommen in WG's vor. Müll runterbringen, Bad reinigen – das funktioniert vielleicht die ersten Wochen der Zweckvereinigung – aber dann erfolgen die Reinungsdienste immer sporadischer, vor allem, wenn geborene Drückeberger die Wohnung teilen. Die Folge: Die Gesamtleistung der Gemeinschaft sinkt, bis Küche und Bad vollends versiffen.
Was tun gegen trittbrettfahrende Ehemänner?
Aber was tun gegen unmotivierte Mitmenschen, die sich gern hinter den Leistungen anderer verstecken? Trittbrettfahrereffekte kann man am besten unterbinden, indem man ein Motivationssystem implementiert. Eine recht einfache Lösung wäre ein Preissystem.
So könnte die Frau festlegen, Abwaschen wird fortan mit 1,50 Euro belohnt. Immerhin steht sie stets eine halbe Stunde hinter dem Waschbecken, während ihr Ehemann gemütlich das Feierabendbierchen süffelt. Der will jetzt natürlich nicht ständig mit einem wachsenden Schuldenberg konfrontiert werden und wird sich freiwillig mit einem leckeren Abendessen hervortun - dafür gibt es samt Kartoffeln schälen, Gemüse schnippeln und Fleisch braten drei Euro.
Genauso würde ein Preissystem das Siechtum in Wohngemeinschaften verhindern. Einmal Badreinigen für drei Euro, wer sagt da nein? Und nicht nur, dass die Mitbewohner die Termine für ihre Aufgabe nicht mehr vor sich herschieben. Sie werden stattdessen fortan häufiger zu Wischeimer und Lappen greifen. Das Bad wird glänzen und die ganze WG in einem neuen Licht erstrahlen - so wie noch nie.
So einfach ist es also, zumindest in der Theorie die Leistungsbereitschaft in kleinen sozialen Gruppen zu steigern und den negativen Trittbrettfahrereffekt auszuschalten.
Ein Kollege sagte mir zur Anwendung dieses Preissystems auf WG's und Familien, dass diese Ideen dem Glauben an Menschlichkeit widerspreche. Eher im Gegenteil. Menschliches Verhalten ist nun mal kostenschonend. Und wenn man von der Arbeit anderer profitieren kann, ist das schlau - aber eben nicht gerecht.
hav/reu/news.de/news.de
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