Eurokrise Rettungsboot Gold?

Erfolgreichste Goldmünze der Neuzeit: die südafrikanische Krüger-Rand-Münze. (Foto)
Erfolgreichste Goldmünze der Neuzeit: die südafrikanische Krüger-Rand-Münze. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Herbert Mackert
In der Eurokrise erscheint Gold als der einzig sichere Hafen, um das Ersparte vor der Inflation zu retten. Finanzexperte Achim Tiffe im news.de-Gespräch über Sinn und Unsinn des Goldkaufs, was man beim Erwerb beachten sollte und den Dagobert Duck in uns.

News.de: Der Euro ist auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gerauscht. Das hat den Goldpreis auf rund 1200 US-Dollar pro Feinunze getrieben. Macht ein Investment in Gold jetzt noch Sinn?

Tiffe: Der Goldpreis steigt in Krisenzeiten grundsätzlich an und fällt dann wieder stark ab. Das war in den vergangenen 20, 30 Jahren so. Deshalb ist Vorsicht geboten. Gold nur aus der Angst heraus zu kaufen, dass das Papiergeld bald nichts mehr wert ist, ist kein guter Ratgeber. Gold gibt keine Zinsen und keine Dividenden. Nur der Preis entscheidet darüber, ob es seinen Wert erhalten hat. Zu Beginn eines Krieges oder wenn man wirklich davon ausgeht, dass das gesamte Finanzsystem zusammenbricht, kann es Sinn machen, in Gold zu investieren. Aber weder ein totaler Finanzcrash noch ein neuer Weltkrieg sind derzeit zu erwarten.

Kohle aus Edelmetall
Welches Gold sich verkaufen lässt

Kommt es doch zum Totalcrash der Börsen und Währungen - sind Goldbesitzer dann wirklich fein raus?

Tiffe: Gold und Schmuck können in extremen Notzeiten bei einem Zusammenbruch der Währung verwendet werden, um Lebensmittel zu kaufen und zu handeln. Aber man kann es verlieren, muss es wegschließen, es kann eingebrochen werden, man muss einen Safe bei der Bank mieten. Man hat also Folgekosten und neue Risiken. Wer sich nur vor Inflation schützen will, kann auch in Sachwerte wie Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen, also Aktien, investieren. Wir empfehlen Gold nur, wenn jemand etwas Haptisches haben will. Wenn er zu Hause sitzt und Angst bekommt. Dann kann er seine Goldmünzen nehmen, und ein bisschen schleicht sich dann das wohltuende Dagobert-DuckOnkel Dagobert ist ein Comic des Autors und Zeichners Don Rosa. In zwölf Kapiteln beschreibt Rosa das Leben des fiktiven Fantastilliardärs Dagobert Duck von 1867 bis 1947. Die Handlung beruht auf den Geschichten von Carl Barks, der die Figur erfand. -Gefühl ein: ‹Ich hab' etwas, egal was passiert. Das Säckchen nehm' ich mit, da kann mir nichts passieren.›

Was ist besser: Gold oder Silber?

Tiffe: Wir geben keine Empfehlung für einzelne Edelmetalle ab. Gold ist politisch aufgeladen als frühere Währung und wegen der Investitionen von Nationalbanken in Gold. Wenn man die Rohstoffpreise langfristig betrachtet, dann haben sich viele Prognosen nicht bewahrheitet. Beim Kupfer etwa wurde schon oft gesagt: Der Preis explodiert. Er ist jedoch später immer wieder auch deutlich gefallen. Auch Rohstoffpreise sind eben stark abhängig vom Wirtschaftsklima.

Wenn man sich dennoch entschließt, Gold zu kaufen: Sollte man es physisch erwerben oder als Goldzertifikat?

Tiffe: Zertifkate bergen die Gefahr, dass deren Herausgeber in die Insolvenz geraten kann. Oder das Papier verkauft, ohne dass das entsprechende Gold vorhanden ist. Es gibt Zertifkate, wo das Gold hinterlegt ist. Da hängt es davon ab, wer garantiert, dass es dort auch liegenbleibt. Im Moment, bei so einem Hype auf Gold, wird man das nicht merken. Aber wenn viele ihre Goldzertifkate gleichzeitig auflösen wollen, kann es eben zu Problemen führen. Deshalb lieber einen großen Anbieter mit Renommee wählen.

Soll man zur Hausbank gehen oder zum Goldspezialisten?

Tiffe: Die Hausbank kann man zum Vergleich immer zu Rate ziehen. Der eigene Bankberater wird auch entsprechend kritisch sein und auf Spesen, Kosten und Risiken hinweisen. Dann würde ich immer eine zweite, dritte Meinung einholen.

Was kostet eine Aufbewahrung bei einer Bank?


Tiffe: Anders als das virtuelle Wertpapierdepot müssen Sie für Gold ein Schließfach im Keller der Bank mieten. Die Gebühren betragen zwischen 20 und 100 Euro pro Jahr. Da können Sie dann neben Ihren Goldbarren Ihre alten Pässe und den Familienschmuck mit reinlegen. 

Wie prüft man die Echtheit von Gold?

Tiffe: Zunächst sollte man sich über die Formen und Prägungen der einzelnen Münzen zum Beispiel im Verbrauchermagazin Finanztest informieren. Tatsächlich Gold kaufen würde ich nur über eine Bank oder ein Fachgeschäft, das mit Gold handelt.

Wie glaubwürdig sind Echtheitszertifikate?

Tiffe: Das kommt auf den Aussteller an. Die Urkunden können gefälscht werden. Wenn Sie das Zertifikat von der Hausbank bekommen, können Sie davon ausgehen, dass dieses auch zu Ihrem Goldstück gehört. Wenn Sie das Zertifikat bei einem fliegenden Händler auf der Straße kaufen, würde ich nicht viel dafür geben. Zertifkate suggerien immer: ‹Ich kann nichts Falsches machen.› Aber sie helfen bei Problemen nicht wirklich. Beim Diamantenboom in den 1990er Jahren zum Beispiel wurde auch immer die Echtheit der Edelsteine dokumentiert. Aber es gibt keinen Markt für Diamanten für Privatpersonen.

Ist der Gewinn beim Verkauf von Gold steuerfrei?

Tiffe: Goldbarren, Goldschmuck und Goldmünzen sind physische Wertgegenstände und bringen keine Zinsen. Folglich fällt auch keine Einkommensteuer an, dafür sind in der Steuererklärung auch keine Werbungskosten absetzbar. Gewinne aus dem Verkauf von Edelmetallen wie Gold sind frei von der Abgeltungssteuer. Wird Gold innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr mit Gewinn verkauft, dann unterliegt dieser allerdings dem persönlichen Einkommensteuersatz. Gewinne aus dem Verkauf von Goldzertifkaten, Goldminenaktien oder -fonds, sogenanntem Papiergold, werden wie Aktien unabhängig von der Besitzdauer mit der 25-prozentigen Abgeltungssteuer belastet. Übrigens: Goldprodukte sind nicht mehrwertsteuerpflichtig.

In den 1920er Jahren gab es in den USA ein Goldverbot. Der Staat zog den privaten registrierten Goldbesitz ein. Ist so etwas auch bei uns denkbar? Sollte man daher Gold besser anonym kaufen?

Tiffe: Das halte ich für abwegig. Damals gab es noch eine goldgedeckte Währung. Deshalb war es für einen Staat sehr wichtig, über entsprechende Goldreserven zu verfügen. Niemand würde heute zu einer Goldwährung zurückkehren wollen, weil schon das Volumen von Gold nicht mehr ausreichen würde.


Achim Tiffe (42) ist Rechtsanwalt und stellvertetender Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen in Hamburg. Das Forschungsinstitut berät Verbraucherzentralen und Schuldnerberatungsstellen, erstellt für diese EDV-Programme, gibt Publikationen heraus und entwickelt Modelle für sozial verantwortliche Kredite, Anlagen, Zahlungsverkehrsmittel und Versicherungen. Außerdem erstellt es Gutachten in Streitfällen bei Finanzierungen.

mat/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 3
  • 24.05.2010 11:55

Also ich bin für die Einführung stabiler Geldverhältnisse nach Entenhausener Muster: Alles Geld für Dagobert. Auch das was die Panzerknacker klauen. Denn nur wer im Geld badet, benutzt dessen Wert richtig.

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  • Redaktion newsde
  • Kommentar 2
  • 23.05.2010 14:03

Lieber Michel 1966, danke für den Hinweis, das hatten wir in einem älteren Artikel geschrieben http://www.news.de/wirtschaft/855056608/wohin-mit-dem-lieben-geld/1/

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  • Michel1966
  • Kommentar 1
  • 22.05.2010 14:28

Bei der Frage Was ist besser: Gold oder Silber? dachte ich, dass die Redaktion auf die Beantwortung der Frage eingeht. Hier sollte erwähnt werden, dass man beim Handel mit Silber und Platin die Mehrwertsteuer bezahlen muss (beim Handel mit Gold muss man KEINE Mehrwertsteuer bezahlen).

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