China Luxuswagen statt Fahrrad

Mercedes, Jaguar, Rolls Royce: China ist für die Hersteller von Luxuskarossen ein echter Hoffnungsträger, denn die Absatzzahlen schießen stetig in die Höhe. Die Hersteller fertigen mittlerweile gezielt für die Bedürfnisse der reichen Oberschicht.

China (Foto)
Bei der Peking Motorshow bewundern Besucher einen Rolls Royce. Der Bedarf an Luxuskarossen in China wird immer größer. Bild: ap

Der junge Mann steigt in den Rolls Royce Phantom und sinkt mit seinen Füßen in den weinroten Teppich ein. Auf dem Kühlergrill glänzt das vergoldete Wahrzeichen der Marke, «Spirit of Ecstasy» (Geist der Verzückung) genannt. Er habe schon einen Mercedes S600 und einen Jaguar zu Hause, sagt er, aber er suche noch etwas, um damit zur Arbeit zu fahren. «Ich frage mich nur, ob er nicht zu extravagant ist. Der Preis ist kein Problem», sagt der 32-jährige Besucher der Messe Auto China 2010.

Für Hersteller von Luxuskarossen ist das Reich der Mitte ein Hoffnungsträger. Während ihre Absätze im Rest der Welt schwächeln, schießen die Verkaufzahlen in China in die Höhe. Das Land werde «zunehmend zum Motor unserer Industrie», sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche. Die Verkaufszahlen von Mercedes stiegen im ersten Quartal um 112 Prozent auf 23.600 Autos. Audi, die zu BMW gehörende Marke Rolls Royce, Ferrari und andere Luxusautohersteller verzeichnen ähnliche Wachstumsraten. Dabei hatte vor 15 Jahren kaum ein Chinese ein eigenes Auto.

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China ist größter Wachstumsmarkt für Nobelkarossen

Das hohe chinesische Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre hat eine neue, reiche Schicht von Millionären und Milliardären geschaffen. Forscher haben ausgerechnet, dass auf dem chinesischen Festland etwa 825.000 Leute mit einem Vermögen von mindestens zehn Millionen Yuan (1,1 Millionen Euro) leben. Und diese neuen Reichen «brauchen Luxusprodukte, um sich selbst zu bestätigen», sagt Wang Honghao, Chefredakteur der chinesischen Autozeitschrift Trends Car.

Seit vergangenem Jahr ist China der größte Automobilmarkt der Welt. Auch dank des vier Billionen Yuan (440 Milliarden Euro) schweren Konjunkturprogramms der chinesischen Regierung konnte selbst die Weltwirtschaftskrise dem Autoabsatz nichts anhaben. Allein im ersten Quartal wurden laut dem US-Marktforschungsinstitut J.D. Power and Associates 66 Prozent mehr Nobelkarossen als im Vorjahreszeitraum verkauft. In den USA stieg der Absatz demnach um 14 Prozent, in Deutschland schrumpfte der Markt sogar um sechs Prozent.

Die eigene Marke etablieren

Für Rolls Royce ist China mittlerweile der drittgrößte Absatzmarkt nach den USA und dem Heimatmarkt in Großbritannien. Im ersten Quartal verkaufte die Nobelmarke nach eigener Auskunft über 20 Wagen - mehr als dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Und das bei einem Preis von 6,6 Millionen Yuan (730.000 Euro) pro Auto. «Nach meiner Einschätzung wird China Großbritannien, unseren Heimatmarkt, noch in diesem Jahr überholen. Das bedeutet auch, dass wir den chinesischen Markt als zweitwichtigsten nach den USA betrachten», sagt Rolls-Royce-Geschäftsführer Torsten Müller-Ötvös.

Je höher die Ansprüche der chinesischen Oberschicht werden, desto stärker versuchen die Autohersteller, ihre Marken zu etablieren. Rolls Royce bringt etwa ein eigenes Lifestyle-Magazin heraus und lädt seine chinesischen Kunden in das britische Werk ein, um die Fertigung aus nächster Nähe bestaunen zu können.

Mercedes-Benz hat die beiden Filmstars Zhang Ziyi und Li Bingbing angeheuert, damit sie die Autos der Stuttgarter anpreisen. Die Nobelmarken eröffnen selbst in abgelegenen Gegenden Niederlassungen, wie etwa in Chengdu im bergigen Südwesten. Außerdem organisieren die Unternehmen Treffen ihrer Kunden, bei denen die sich darüber austauschen können, wie toll doch ihr Auto ist.

Chinesische Eigenarten anerkennen

Chinas erfolgreichste Nobelkarosse ist der bei Regierungsbeamten beliebte Audi A6L, eine verlängerte Version des A6, die speziell für den chinesischen Markt gefertigt wird. Audi verkauft knapp 10.000 Wagen allein dieses Modells - ein Absatzplus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Mercedes enthüllte auf der Auto China 2010 eine verlängerte Version der E-Klasse. Damit zielt auch die Marke mit dem Stern auf chinesische Kunden ab, die sich lieber im Fond chauffieren lassen, als selbst das Steuer in die Hand zu nehmen. Im neuen Modell haben sie hinten 14 Zentimeter mehr Fußraum.

Zetsche sagt, die Firma sei bereit, auch andere Autos abzuändern. «Ich glaube nicht, dass es erfolgversprechend ist, Modelle generell chinesischer zu machen», sagt er. «Andererseits hat der chinesische Markt seine Eigenheiten. Und diese Eigenarten anzuerkennen ist sinnvoll. Deshalb haben wir diese verlängerte Version.»

hav/phs/news.de/ap

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