Mo., 13.02.12

Preis des Zögerns Ratingagenturen so mächtig wie zuvor

Von news.de-Mitarbeiter Justin Luckmann

Artikel vom 29.04.2010

Die Finanzkrise ist noch längst nicht zu Ende. Aber während die erste große Schockwelle von den USA ausging, droht die nächste Welle nun von Europa aus über den Globus zu rollen. News.de analysiert, wer Schuld daran ist.

Einmal mehr sind die Ratingagenturen dabei, richtig viel Geld zu vernichten. Mit dem Abschreiben Griechenlands, der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Portugals und nun auch noch Spaniens stürzen die Bewertungsinstitute nicht nur die Märkte in eine neue Panik. Sie gefährden vor allem die Stabilität des Euro und gar den politischen Frieden zwischen den Mitgliedsstaaten der Eurozone.

Zuletzt hatten die Ratingagenturen sich zu Komplizen bei der Vernichtung von Milliarden gemacht, als sie Schrottpapiere rund um den Globus mit Bestnoten versehen hatten - und dann mit ansehen mussten, wie das, was sie doch als erstklassige Finanzprodukte eingestuft hatten, in der Finanzkrise nicht einmal mehr das Papier wert war, auf dem der Nennwert der Anlage gedruckt war.

Noch immer nicht unter Kontrolle

Der Aufschrei damals war riesig, Öffentlichkeit und Politiker wütend ob des Versagens der heimlichen Herrscher der Finanzwelt. Und seit dem Finanzgipfel von Washington im Oktober 2008 gehörte es zu den festen Vorsätzen der Politik, die Macht der Ratingagenturen wie Standard & Poor’s, Fitch und Moody’s zu brechen.

Doch passiert ist seitdem wenig. Weder in den USA noch in der EU. Zwar gibt es inzwischen eine EU-Verordnung zu den Ratingagenturen, die unter anderem vorsieht, dass sich die Agenturen von staatlichen Stellen (in Deutschland von der Bafin) kontrollieren lassen müssen und dass sie keine Unternehmen mehr kontrollieren dürfen, die sie vorher in Finanzdingen beraten haben.

Aber eine wirklich effektive Kontrolle oder gar Einschränkung der Ratingmacht ist das eben nicht, wie die aktuelle Entwicklung zeigt. Oder will man es ernsthaft «transparent» und «verantwortungsvoll» nennen, wenn aufgrund von Rechenmodellen, Wahrscheinlichkeitsannahmen und viel persönlicher Hellseherei von sogenannten Ratingexperten Griechenland exorbitant hohe Zinsen auf seine Staatsanleihen zahlen muss, weil Standard & Poor’s die Papiere als Ramsch bewertet, oder der Euro massiv einbricht, weil Spanien in der Glaskugel der gleichen Agentur «nur» noch 0,7 statt 1,0 Prozent Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren erreichen wird?

So was kommt von so was

Die alten Regeln der Finanzwelt, die die Politik doch in Washington und dann auf weiteren Finanzgipfeln in London und Pittsburgh im März und September 2009 brechen wollte, gelten noch immer. Weil die Weltgemeinschaft sich nicht zu wirklich tiefgreifenden Reformen der Finanzwelt durchringen konnte, dürfen die Ratingagenturen noch immer werten, wie sie wollen und die anderen folgen, während die Spekulanten in diesem Umfeld des Glaubens ihre Wetten platzieren.

Wie hilflos die Politik dagegen wirklich ist, zeigt ein Aufruf zur Mäßigung an die Ratingagenturen von Seiten der EU. Die Sprecherin von Michel Barnier, dem für Finanzdienstleistungen zuständigen EU-Kommissar, hatte die Agenturen vor kurzem aufgerufen, bei ihren Bewertungen «verantwortungsvoll und streng» vorzugehen - mehr kann die Politik derzeit nicht tun.

Dass die Rettung des Euro nun also noch deutlich teurer werden wird als durch die jahrelang lasche Haushaltpolitik der Griechen ohnehin schon unvermeidbar, hat deshalb auch Angela Merkel mitzuverantworten, die sich in der Vergangenheit doch so überzeugt gab, bei der Reform der Finanzwelt große Schritte voran gekommen zu sein.

hav/ivb/news.de
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URL : http://www.news.de/wirtschaft/855054717/ratingagenturen-so-maechtig-wie-zuvor/1/
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 29.04.2010 12:51
von
alterknacker

So undurchsichtig wie die Politik stellt sich der Zustand der Ratingagenturen dar. Wer kann mir folgende Fragen beantworten? Wer steht hinter diesen Ratingagenturen? Wer ist an einer Schwächung des Euro interessiert? Warum haben die Politiker keine Einflussrechte? Haben wir vielleicht falsche politische Freunde? Weshalb wird soviel "Buchgeld"verschleudert? Sind das alles Mittel um ohne Krieg die Weltherrschaft neu zu gestalten? Wohlgemerkt auf Kosten der Bevölkerungen! Welchen Ausweg sehen unsere so aktiv stillhaltenden Politiker? Ist das jetzige System doch am Absterben?

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