Griechenland Athen bittet um Finanzspritze

Der Schuldenberg von 273 Milliarden Euro ist einfach zu groß: Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat den Internationalen Währungsfonds und die EU um finanzielle Hilfe gebeten. Merkel will helfen, hat aber strenge Bedingungen.

Griechenland (Foto)
Die Flagge der Europäischen Union vor der Akropolis in Athen. Griechenland bittet die EU um finanzielle HIlfe. Bild: dpa

«Ich habe die entsprechende Anweisung an das Finanzministerium gegeben», sagte Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Mittag auf der Ägäis-Insel Kastelorizo in einer Fernsehansprache an das griechische Volk. Das Hilfegesuch ging bei der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein. IWF und die Euro-Länder sind bereit, dem hochverschuldeten Land mit insgesamt 45 Milliarden Euro unter die Arme zu greifen.

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betont die grundsätzliche Hilfsbereitschaft Deutschlands, knüpft diese aber an «strenge Bedingungen». Dabei habe die Stabilität des Euro Vorrang. Es komme darauf an, dass Griechenland der EU und dem IWF ein glaubwürdiges Sparprogramm vorlegen könne, sagte Merkel in Berlin, nachdem sie zuvor mit dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou telefoniert hatte.

Griechenland: Ein wankendes Land

In einer emotionalen Rede sagte der Ministerpräsident, die Griechen erwarte eine «neue Odyssee». Papandreou fügte hinzu, die Hoffnung, die internationalen Märkte würden positiv auf das griechische Sparprogramm und den Hilfeplan der EU reagieren, habe sich nicht erfüllt. Griechenland laufe Gefahr, dass wegen der Spekulanten alle Sparanstrengungen zunichte gemacht würden. Aus diesem Grund sei Athen gezwungen, jetzt schon zu handeln.

Deutschland könnte 8,4 Milliarden Euro übernehmen

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Finanzlage Griechenlands noch prekärer ist als bisher bekannt. Im vergangenen Jahr belief sich das Haushaltsdefizit auf 13,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der Schuldenberg wuchs auf 273 Milliarden Euro - das entsprach 115 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und lag weit über dem von der EU erlaubten Gesamtschuldenstand von 60 Prozent.

Angesichts der neuen Zahlen stufte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit Griechenlands am Donnerstag von A2 auf A3 herab. Erst im Dezember war eine Herabstufung von A1 auf A2 erfolgt. Als Folge der Herabstufung verteuern sich neue Darlehen für die Regierung.

 

Die Euro-Länder wollen Athen mit bis zu 30 Milliarden Euro im ersten Jahr unter die Arme greifen - Deutschland würde davon bis zu 8,4 Milliarden Euro übernehmen. Auf den IWF könnten zusätzlich bis zu 15 Milliarden Euro zukommen. In Athen verhandeln Experten des IWF, der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Europäischen Kommission über die Modalitäten zur Hilfeleistung.

Bis 19. Mai müssen rund elf Milliarden Euro aufgetan werden, um einen Teil der Kredite zu bedienen. In den öffentlichen Kassen seien nur zwei Milliarden Euro. Griechische Medien sahen am Freitag immer mehr die dunklen Wolken eines Bankrotts heraufziehen.

Prompt handeln

Der Antrag Griechenlands umfasst nur drei Zeilen. «Sehr geehrte Herren, in Übereinstimmung mit der Erklärung der Staats- und Regierungschefs vom 25. März 2010, finanzielle Hilfe für Griechenland wenn nötig bereit zu stellen, und der darauffolgenden Erklärung der Euro-Gruppe, bittet Griechenland hiermit um die Aktivierung des Hilfsmechanismus.»

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn sagte in Washington: «Wir sind bereit, in dieser Angelegenheit prompt zu handeln.» Der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte, die Kommission werde nun gemeinsam mit der EZB den Antrag prüfen und eine Empfehlung für die Euro-Länder ausarbeiten. Er fügte hinzu: «Wann das Geld tatsächlich fließt, ist keine Frage von 24 Stunden. Es geht hier ja nicht um eine Bargeldübergabe. Aber wir haben wochenlang Tag und Nacht daran gearbeitet, dass die Dinge nun schnell und reibungslos ablaufen können. Der Mechanismus wird schnell funktionieren.»

In einem ersten Schritt werde die Kommission gemeinsam mit der Zentralbank die Bitte prüfen und eine Empfehlung aussprechen. Auf dieser Grundlage müssten dann in einem zweiten Schritt die Euro- Länder über die Zahlung der Hilfen entscheiden. Dies könne telefonisch oder bei einem Treffen geschehen. Ein Datum dafür gebe es nicht.

hav/voc/reu/news.de/dpa/ap

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • ben kelev
  • Kommentar 4
  • 23.04.2010 21:30

In Griechenland muß noch etliches Andere stinken wie die Abwasserrohre Athens denn nach Schulden müßten auch andere EU-Länder in Konkurs gehen:Österreich hat z.B. mehr als 200 Mrd. € öffentliche Verschuldung bei ca. 7,5 Mio Einwohnern, dh. pro Kopf etwa 28.000€!BRD etwa 1,8 Bio € Schulden bei ca. 82,5 Mio Bürgern, dh. pro Kopf etwa 22.000€!Griechenland hat angeblich 273 Mrd. € Schulden bei 11,2 Mio Bürgern, dh. pro Kopf etwa 24.000€!Aber was nicht ist wird sicher noch werden!Die prinzipielle Schwäche der EU zeigt sich vor allem darin,daß sie nicht gegen die davon zehrenden Spekulanten angeht!

Kommentar melden
  • Alfonso Cipulati
  • Kommentar 3
  • 23.04.2010 20:20

Ich bewundere die Griechen, die sich einen vergnüglichen Lifestyle leisten und dafür erst noch die schweissnassen deutschen Häuslebauer in die Pflicht nehmen. Soll Deutschland mal schön ein Dutzend Milliarden an Euros rüber reichen, ansonsten werden sie die deutschen Massaker an ihrer Bevölkerung mal richtig ausplaudern. Die Grecos leiden noch heute an jener Niederlage, als am 21. April 1941 223'000 ihrer Soldaten vor der Wehrmacht kapitulieren mussten. Nun wird der Krieg über neugedruckte Euro-Noten geführt.

Kommentar melden
  • Beobachter
  • Kommentar 2
  • 23.04.2010 15:56

Toller Hecht sind diese Griechen und die EU-Länder . Die Griechen haben sich alle Vorteile wg. EU erschlichen . Die EU-Länder haben das alles gewust und stillschweigend hingenommen, sogar alles schöngeredet weswegen? Hat sicher viele 'christliche'-Gründe, a) z.B. dass die Griechen bei jeder Rüge aus Deutscher Seite, gleich Schadensersatzforderungen wg. Nazi-Taten in Griechenland in Aussicht stellten -ruckzuck waren die Deutschen still- b) die Griechen kann man gut gegen die Türken hetzen, so haben die EU-Länder leichter der Türkei eine Absage zu erteilen ...usw-hoch-usw...

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig