Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger - 13.04.2010, 11.43 Uhr

Versteckte Gebühren: Die Gemeinheiten der Billigflieger

Europas größte Billig-Airline Ryanair hat die Preise für Gepäck erhöht. Hinter der erneuten Gängelung der Passagiere stecken knallharte Kalkulationen. Die Billigheimer der Lüfte nerven damit ihre Kunden, machen so aber die entscheidenden Umsätze.

Bei Billigfliegern wie Ryanair sind Mühen für Passagiere inklusive. Bild: dpa

Das Geschäftsmodell der Billigflieger ist schnell zusammengefasst. Die Holzklasse, zwei Monate vorher gebucht, ist preiswert, alles andere kostet extra. Und das nicht zu knapp. Während die Preise mit jedem Tag in Regionen steigen, die auch in der Economy-Klasse der Lufthansa (zum Aktienkurs) Usus sind, sind es vor allem die versteckten Gebühren, mit denen Ryanair (zum Aktienkurs), Easyjet (zum Aktienkurs) und Co. ihre Kunden regelrecht triezen.

FOTOS: Tiefpreisflieger Billig ist nicht immer preiswert

News.de hat einmal nachgerechnet (siehe Grafik). Für einen einfachen Flug an einem Montag in zwei Monaten von Berlin nach London annoncieren die Billigheimer der Lüfte einen Flugpreis zwischen 29,99 Euro und 36,99 Euro. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Wer mehr als nur Handgepäck mit in die britische Hauptstadt nehmen möchte, ist schnell beim Doppelten. An- und Abreise zu den Flughäfen noch nicht mitgerechnet.

Die versammelte Billigflotte ist zumindest unter den gegebenen Voraussetzungen auch in der Summe deutlich billiger als die Lufthansa. Diese langt vor allem beim Kerosinzuschlag und den Flughafengebühren im Vergleich sehr kräftig zu.

Wer allerdings auf die Idee kommt, mit Deutschlands größter Billigairline Air Berlin (zum Aktienkurs) über den Umweg Düsseldorf in die britische Hauptstadt zu fliegen, berappt aufgrund des doppelten Kerosinzuschlags fast das Dreifache des vermeintlichen Billigpreises. «Das liegt eben am Zwischenstopp. Sie buchen ja auch zwei Flüge», so eine Unternehmenssprecherin zu news.de.

EU verbot Lockvogelangebote

Dabei hatte die EU ein Einsehen mit Fluggästen, die sich von unübersichtlichen Lockvogel-Angeboten genervt fühlten. Seit anderthalb Jahren müssen in der Werbung Flugpreise immer inklusive Steuern und Gebühren angegeben werden. Doch die Fluggesellschaften haben seither weitere Umwege gesucht, wie sie aus ihrem Billig-Image Profit schlagen können. Und sie haben sie, wen wundert's, auch gefunden.

So verlangen die beiden größten europäischen Anbieter Ryanair und Easyjet teils saftige Zuschläge für normales Gepäck. Beispiel Easyjet: Pro Strecke werden am Flughafen 22 Euro fällig, online und im voraus ist es mit 11 Euro pro Gepäckstück nur halb so teuer. Ryanair will für diese Leistung pauschal 15 Euro haben, für das erste Gepäckstück, versteht sich. Das zweite kostet bereits 35 Euro. Am Flughafen sind diese Preise nochmals zu verdoppeln. Die neueste Gängelung erlaubte sich Ryanair in der vergangenen Woche bekannt zu geben: Wer in der Hauptreisezeit im Juli oder August mit Gepäck bei Ryanair bucht, zahlt noch einmal 5 Euro mehr, wiederum pro Gepäckstück.

Der Hintergrund für diese Preispolitik ist denkbar einfach: Insbesondere Ryanair ist stark auf eine maximale Auslastung erpicht und will möglichst alle Kunden dazu bringen, nur mit Handgepäck zu fliegen, da die Gepäckabfertigung die sogenannte Turnaround-Zeit verlängert. Der Flieger soll fliegen und nicht auf die Gepäckstücke warten, so das Credo der Ryanair-Manager. Und wer sich nicht damit abfinden kann, am Ziel seiner Reise einen zweiten Kleiderschrank zu unterhalten, der hält den Flieger auf und muss dafür eben zahlen und so zum prognostizierten Jahresgewinn von 275 Millionen Euro beitragen.

Nächste Eskalationsstufe von den Behörden verhindert

Und dabei sind die Gebühren für Leistungen, die vormals kostenlos waren, bei weitem noch nicht alles. Ryanair verlangt für jede Buchung eine Servicegebühr von mindestens 5 Euro. Nur Zyniker werden da fragen, für welchen Service man da eigentlich bezahlt. Denn die Billigflieger setzen beim Vertrieb vor allem auf den billigsten Weg, eben das Internet.

Dass damit noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist, ließ abermals Ryanair-Chef Michael O'Leary, der Lautsprecher der Billigflieger-Fraktion, verlauten. Er kündigte an, dass man in neue Flugzeuge wohl nur eine statt bisher drei Bordtoiletten einbauen werde. Zur Rechtfertigung der Sparmaßnahme ließ er wissen, dass die Flüge mit seinem Unternehmen mit durchschnittlich anderthalb Stunden nicht besonders lang seien und die Kunden ja auch am Boden ihre dringenden Bedürfnisse erledigen könnten.

Doch O'Leary musste heute einsehen, dass die US-Behörden seine Pläne aus Sicherheitsgründen ablehnen. «Wir denken darüber nach, aber wir bekommen nicht viel Unterstützung von den Aufsichtsbehörden», sagte der Airline-Chef. Ryanair wollte statt drei nur noch ein einziges WC in seine Maschinen einbauen und Geld für die Toiletten-Benutzung verlangen. Passagiere sollten zudem ein Ticket ohne Sitzplatz bekommen. Der Flugzeugbauer Boeing, aber auch die Aufsichtsbehörde Federal Aviation Authority müssten diesen Vorhaben zustimmen.

ped/ivb/news.de

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