Griechische Schulden für jedermann
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Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Artikel vom 07.04.2010
Die Griechen sitzen auf einem Berg voller Schulden. Ihre Wirtschaft brummt nur leise, gleichzeitig müssen sie schwere Eingriffe verkraften. Der Weg aus der Krise ist ohne Hilfe fast unmöglich. Was jeder einzelne tun kann.
Wie können wir Europäer Griechenland bloß helfen. Beim Griechen um die Ecke essen gehen? Da dürfte nicht viel Geld nach Hellas fließen, bis auf Ouzo und Olivenöl kommen die meisten Zutaten für die griechische Küche aus Deutschland. Besser ist es, nach Griechenland in den Urlaub zu fliegen. Die Preise für Trips nach Athen und auf die Urlauberinseln im Mittelmeer sollen ja wegen der Unruhen eh um zehn Prozent gesunken sein.
Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man bedenkt, um welche Mengen an Geld es geht. Bis Ende Mai muss das Land etwa 20 Milliarden Euro Staatsschulden refinanzieren, bis Jahresende werden ganze 55 Milliarden Euro gebraucht. Wenn jeder Europäer mindestens 110 Euro abdrückt, wäre das Probleme zumindest für dieses Jahr gelöst. Na gut, nicht jedes Kind hat gleich 110 Euro zur Verfügung. Die Rettung würde aber auch funktionieren, wenn jeder zehnte Europäer etwa 1000 Euro investiert.
Wie das in der Praxis geht? Ganz einfach. Mit griechischen Staatsanleihen: Diese Schuldscheine können nicht nur institutionelle Anleger wie Banken oder Investmentfonds kaufen. Jede Privatperson, die ein Depot bei einem Kreditinstitut angemeldet hat, kann zugreifen. Die Staatsanleihe mit der Kennung A0LMFU gab es beispielsweise für 1000 Euro das Stück, sie wird aber für weniger gehandelt.
Hohe Rendite bei hohem Risiko
Besonders viel wissen muss man für den Kauf übrigens nicht. Wer das Risiko eingehen will, der kann das problemlos tun. Bei griechischen Staatsanleihen sei es egal, wie viel Erfahrung der einzelne Kunde habe, sagt André Kauselmann, Sprecher bei der Bank Ing Diba. Im Gegensatz zu Termingeschäften, bei denen der Käufer anhand von Fragen sein Fachwissen nachweisen müsse, reiche bei griechischen Staatsanleihen die Bestätigung aus, dass man sich über das Risiko der Papiere bewusst sei.
Wer sich für diese Geldanlage entscheidet, kann auch auf gute Renditen hoffen. Wer seine hart ersparten Euros zehn Jahre lang nach Hellas verleiht, der bekommt dafür pro Jahr sieben Prozent Zinsen. Zum Vergleich: Deutsche Staatsanleihen für denselben Zeitraum bringen dagegen nur etwas mehr als drei Prozent Zinsen ein, also gerade mal die Hälfte. Klingt doch gut, oder?
Gut wäre es, wenn es am Ende auch gut geht. Denn die griechischen Staatspapiere sind im Gegensatz zu deutschen Staatsanleihen alles andere als sicher. Wird der griechische Staat zahlungsunfähig, dann kann er auch das geborgte Geld nicht zurückzahlen - egal, ob an Banken oder Privatanleger. Der Einlagensicherungfsonds kommt für den Ausfall der ausländischen Staatsanleihen nicht auf.
Keine Versicherung für Privatanleger
Und im Gegensatz zu institutionellen Anlegern hätten Privatsparer auch keine Möglichkeit, sich gegen den Ausfall abzusichern, sagt Frank Herkenhoff von der Deutschen Börse. Für entsprechende Versicherungen, wie die umstrittenen Credit Default SwapsKreditausfallversicherungen , gelten Regeln, die Privatanleger nicht erfüllen könnten.
Wie sicher eine Investition in den griechischen Staat wirklich ist, auf diese Frage bekommt man je nach Ansprechpartner ganz verschiedene Antworten. Einer glaubt an die Solidarität innerhalb Europas, der andere sieht die Griechen schon jetzt aussichtslos überschuldet und der dritte hat selbst viel Geld in Griechenland investiert und will die Situation beschönigen.
Das news.de-Partnerportal boersennews.de hat seine Leser gefragt, für wie wahrscheinlich sie einen Zahlungsausfall Griechenlands halten. Knapp 2000 meist finanzinteressierte Nutzer haben teilgenommen und wie folgt geantwortet: 30 Prozent der Teilnehmer glauben, dass Griechenland in diesem Jahr Pleite geht, 16 Prozent sind der Meinung, dass es im kommenden Jahr so kommen wird. Mehr als 40 Prozent sind recht zuversichtlich, dass Griechenland die Krise meistern wird.
Die aktuelle Lage in Griechenland
Die Lage in Griechenland ist jedenfalls weiter angespannt. Das Land war mit seiner letzten Ausgabe von Anleihen in der vorigen Woche auf eine geringe Nachfrage gestoßen. Und das, obwohl die anderen EU-Staaten gemeinsam mit dem IWFInternationaler Währungsfonds dem Land finanzielle Unterstützung für den Fall zugesagt haben, dass es sich an den Kapitalmärkten nicht mehr refinanzieren kann.
Selbst die Griechen sehen die finanzielle Lage ihres Landes mittlerweile skeptisch. Laut einer Studie der Commerzbank haben sie in den vergangenen drei Monaten fast acht Milliarden Euro von ihren Sparkonten abgehoben und in die Schweiz, nach Zypern und Großbritannien überwiesen.
Experten schätzen die Lage als äußerst kritisch ein. Ein Mitarbeiter der Commerzbank sagte in der Süddeutschen Zeitung: «Solche Aktionen kennen wir normalerweise nicht aus Industriestaaten, sondern nur von Bankenkrisen in Schwellenländern.»
mat/tfa/reu/news.de
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