Lebensversicherungen Werben auf Kosten der Altkunden

Lebensversicherungen (Foto)
In der Bundesrepublik gibt es 95 Millionen Lebensversicherungsverträge mit einer Anlagesumme von 660 Milliarden Euro. Bild: dpa

Für kurzfristige Geldanlagen locken die Versicherer mit lukrativen Renditen. Kritiker monieren, dass damit die Gewinne der Bestandskunden sinken. Nur so könnten Versicherer höhere Zinsen als Banken anbieten. Jetzt schaltet sich die Finanzaufsicht ein. 

Die deutschen Lebensversicherer sind mit ihren kurzfristigen Anlageangeboten für finanzstarke Kunden ins Visier der Finanzaufsicht BaFinBundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und der Verbraucherschützer geraten. Die Aufsichtsbehörde frage derzeit bei den Versicherungskonzernen die Daten zu sogenannten Kapitalisierungsprodukten und Einmalgeschäften ab, erklärte BaFin-Sprecherin Kathi Schulten. Sie bestätigte damit einen Bericht der Financial Times Deutschland.

Im Visier der Aufsichtsbehörde stehen dabei Lebensversicherungen, die nicht über Jahre hinweg angespart werden, sondern durch eine hohe Einmalzahlung finanziert werden, und sogenannte Kapitaldepots der Assekuranzen, die Festgeldkonten gleichen. Bereits in der Vergangenheit hatte die BaFin vor der Gefahr gewarnt, dass durch diese Art von Geschäften unter Umständen Millionen Altkunden benachteiligt werden könnten. Doch hat die Diskussion an Schärfe gewonnen, weil im vergangen Jahr die Zahl der Verbraucher, die derartige Anlagenformen nutzten, geradezu explodierte.

Verbraucherzentrale für strengere Vorgaben der BaFin

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) begrüßte deshalb den Schritt der Aufsichtsbehörde. Ihr Versicherungsexperte Lars Gatschke betonte, es bestehe bei diesen Produkten die Gefahr, dass die Versicherer die neuen Kunden mit überhöhten Zinssätzen lockten und dies letztlich zulasten der Überschussbeteiligung der Altkunden gehe. «Wenn es hart auf hart komme, sollte die BaFin den Versicherern Vorgaben machen, was den Anteil der Kapitalisierungsprodukte und die Höchstzinssätze betrifft», meinte der Experte. Diese Geschäfte dürften nicht zum Ausbluten der Rücklagen der Versicherer führen.

Träfen die Befürchtungen des Verbraucherschützers zu, dann könnten die negativen Folgen Millionen von Verbrauchern treffen. Laut Financial Times Deutschland gibt es in der Bundesrepublik 95 Millionen Lebensversicherungsverträge mit einer Anlagesumme von 660 Milliarden Euro.

Vor allem die Kapitalanlage-Geschäfte seien sogar in der Branche umstritten, berichtete die FTD. Die Abfrage zum Thema Kapitalisierungsgeschäft sei «eine klare Warnung der BaFin an die Versicherer», zitierte das Blatt einen Manager. Die Versicherer dürften es mit dem Einmalgeschäft nicht übertreiben und müssten sicherstellen, dass keine Subventionierung stattfinde. Die BaFin selbst wollte keine Details zu ihrer Abfrage nennen.

Versicherungswirtschaft sieht keinen Grund zur Sorge

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bemühte sich unterdessen, mögliche Sorgen der Kunden zu zerstreuen. «Uns ist kein Fall bekannt, in dem der Bestand Kurzfristanlagen subventioniert», betonte GDV-Sprecherin Ulrike Pott. Das Thema werde «überdramatisiert».

Nach Angaben des Verbandes stieg die Summe der bei den Lebensversicherern angelegten Einmalbeträge 2009 um 60 Prozent auf 21 Milliarden Euro. Das entspreche zwar fast einem Viertel der Beitragseinnahmen des Jahres. Drei Viertel dieser Summe flössen allerdings in ganz normale Rentenversicherungen. Und auch vom restlichen Viertel entfalle nur ein Teil auf die umstrittenen kurzfristigen Kapitalisierungsprodukte.

mat/reu/news.de/ap

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