Unternehmen Ostermarsch aufs Parkett

Die Börse gibt sich spendabel: Rund um Ostern haben sich wieder einige Unternehmen aufs Parkett gewagt. Da momentan viel Geld zurückgehalten wird, sind weitere Börsengänge wahrscheinlich - und erfolgversprechend.

Börse Frankfurt (Foto)
Der Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse - derzeit das Ziel einiger deutscher Firmen. Bild: dpa

Kabel Deutschland, Brenntag, Tom Tailor. Drei Unternehmen, die in den vergangenen Tagen erfolgreich Millionen an der Börse eingesammelt haben. Nach einer langen Durststrecke haben sich einem Ostermarsch gleich wieder einige Unternehmen aufs Parkett gewagt.

Die Zeit der Börsengänge ist trotz ungewisser Aussichten für die hiesige Wirtschaft eröffnet. Zumindest scheint das Zeitfenster momentan einen Spalt breit offen zu sein. Marktbeobachter rechnen zumindest für das zweite Quartal mit etlichen Börsengängen auf dem deutschen Markt und den übrigen europäischen Märkten. Neben dem spanischen Reise-Reservierungsanbieter Amadeus steht auch der dänische Telekomkonzern TDC vor dem Gang auf das Parkett.

Im Auftaktquartal des laufenden Jahres sind laut dem Finanzdatenanbieter Dealogic durch insgesamt 38 Börsengänge (IPO) Emissionserlöse von 8,9 Milliarden Dollar (6,6 Milliarden Euro) erzielt worden. Dies sei der höchste Wert seit Beginn der Finanzkrise und zugleich mehr als doppelt so viel wie in den USA.

Trotz der positiven Entwicklung seien wegen der Marktschwankungen in den ersten drei Monaten aber auch einige geplante Transaktionen verschoben worden. Die betroffenen Börsengänge hätten möglicherweise weitere 6,2 Milliarden Dollar zur Quartalssumme beigetragen.

Eisbrecher Kabel Deutschland

«Der Sturm hat sich gelegt, und die Leute glauben wieder, dass sie mit IPOs Geld machen können. Dennoch sind sie sehr selektiv bei Art und Qualität der Vermögenswerte, die sie kaufen, und auch sehr preissensibel», sagte JP Morgan-Manager Stefan Weiner. Im Boomjahr 2007 hatten Europas Börsen im ersten Quartal 99 Börsengänge verzeichnet, bei denen 14,5 Milliarden Dollar eingesammelt worden waren.

Viele der tatsächlich durchgeführten und erwarteten Börsenneulinge dieses Jahr sind Unternehmen im Besitz von Private-Equity-Gesellschaften. Diese hatten in vielen Fällen ihre Beteiligung wesentlich länger halten müssen, als ursprünglich geplant.

Lesen Sie auf Seite 2, welche deutschen Firmen an die Börse streben

In Deutschland feierten mit Kabel Deutschland und dem Chemiehändler Brenntag zwei deutsche Unternehmen im Besitz von Finanzinvestoren ihr erfolgreiches Börsendebüt. Dabei galt Kabel Deutschland als eine Art Eisbrecher. Obwohl die Aktien am unteren Ende der Spanne gepreist wurden, war dies der größte Börsengang in Frankfurt am Main seit mehr als zwei Jahren.

Unter den möglichen deutschen Kandidaten sind zahlreiche grundsolide Unternehmen, die gerade in Krisenzeiten stabile Erträge vorweisen können. So gibt es konkrete Pläne für einen Börsengang der Berliner Wohnungsgesellschaft GSW-Immobilien. Wie bereits bei den erfolgreichen Emissionen Kabel Deutschland und Brenntag trennen sich im Zuge des Börsengangs Finanzinvestoren von einem Teil der Aktien. Im Fall von GSW sind dies Goldman Sachs und der Finanzinvestor Cerberus. 

Dem Finanzinvestor CVC gehört derweil der MDax-Kandidat Flint, der weltweit zweitgrößte Druckfarbenhersteller. In dessen Zentrale stehen alle Signale auf Börsengang. Das Unternehmen war aus dem Chemiekonzern BASF herausgelöst worden und hatte mit einem amerikanischen Konkurrenten fusioniert.

Ebenfalls zu CVC gehört Elster, ein Anbieter von Anlagen, Geräten und Dienstleistungen für die Gas-, Strom- und Wassermessung. Das Unternehmen firmierte zuvor als Ruhrgas Industries und steht seit mehreren Jahren auf der Verkaufsliste - jetzt könnte ein Börsengang die Investoren zufrieden stellen. Da das Unternehmen einerseits krisenfeste Dienstleistungen anbietet, als auch in den sogenannten Smart Grids, einer zukunftsträchtigen Technologie aktiv ist, stehen die Chancen für den Gang an die Börse nicht schlecht.

Nachdem die Hochtief-Tochter Concessions ihren Börsengang im Dezember vergangenen Jahres abblies, gilt ein neuer Versuch in den nächsten Monaten als wahrscheinlich.Der Betreiber von großen Infrastrukturprojekten könnte dabei von den vielen staatlichen Konjunkturprogrammen profitieren, die weltweit Milliarden loseisten.

sgo/news.de/ddp

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